Navigation und Orientierung

Von einigen Ländern konnten wir grobe Übersichtskarten in Deutschland bekommen. Doch damit kann man allerhöchstens die Route planen oder über weite Strecken navigieren, indem man sich an den Großstädten orientiert. Auch ein Autoatlas, den wir zum Beispiel in Russland vor Ort gekauft hatten, ist nur eine Hilfe, wenn man nicht in Städte fährt. Doch manchmal ist dies unvermeidbar. Aber wie findet man sich dann zurecht?

Wenn man im jeweiligen Land eine Prepaid-Karte mit Internet erworben hat, dazu ein GPS-fähiges Smartphone besitzt (nochmals riesen Dankeschön an Micha), kann man zum Beispiel Google Maps nutzen. So haben wir das auch in Russland gemacht. In Großstädten, also dort, wo man wirkliche Hilfe braucht, hat man auch den besten Internetzugang. Will man sich aber in der Natur orientieren, wird die Anwendung von Google Maps wegen dem Internetmangel wenig nützen. Für den Baikalsee haben wir deswegen Detailkarten besorgt und haben so unsere Plätzchen und Wanderwege ausfindig machen können. Navigieren mit Karte und Kompass ist zwar altmodisch und muss geübt werden, nichtsdestotrotz bleibt es eine zuverlässige Methode, die kein Strom und gute Akkukapazität benötigt.

Wenn für ein Land kein zuverlässiges Kartenmaterial aufzutreiben ist und/oder die Straßenführung und Umgebung nicht eindeutig ist, benötigt man unbedingt eine GPS-Navigation, mit welcher man seinen Standpunkt klar bestimmen kann, ohne auf das Internet angewiesen zu sein. Sehr praktisch ist auch die Navigation zu bestimmten GPS-Koordinaten, wenn eine Sehenswürdigkeit keine eindeutige Adresse hat, die man eingeben kann. Doch die ganzen Garmin-Geräte und insbesondere die Karten dazu sind saumäßig teuer und Berichten zu folge außerhalb Europas auch noch teilweise ungenau.

Wir haben eine sehr praktische und kostenlose Navigations-App von OruxMaps (http://www.oruxmaps.com/index_en.html) auf unserem GPS-fähigen Smartphone installiert, die vektorbasierte Karten von Open Street Maps unterstützt (ebenso kostenlos). Zahlreiches Kartenmaterial für beinahe jedes Fleckchen Erde kann man hier herunterladen: http://download.mapsforge.org/maps/. Der Vorteil an Vektorkarten ist, dass sie nicht viel Speicherplatz benötigen und sehr schnell laden. Die OruxMaps-App selber erscheint zunächst sehr kompliziert, insbesondere wenn man Google Maps gewohnt ist. Nach etwas einfuchsen in das Programm begreift man jedoch dessen Möglichkeiten und Vorteile. Der größte Vorteil ist natürlich die Fähigkeit, offline zu navigieren, selbst wenn es nicht die gewohnte Straßennavigation ist. Eine große Empfehlung an alle!

Wir haben diese Methode in der Mongolei auf Herz und Nieren geprüft und müssen sagen: Danke an alle OSM-, OruxMaps- und GPS-Entwickler! Ihr habt uns so oft den A**** gerettet, wenn es mal wieder 20 Abzweigungen von Pisten mitten im Feld gab, wo man auf keinen Fall die Richtige findet, wenn man kein Mongole ist. Dank euch haben wir die schönsten Plätze gefunden (richtige Koordinaten vorausgesetzt)! Wir haben immer ein Um- oder Ausweg finden können, wenn eine Brücke über den Fluss absturzgefährdet war! Ja wirklich, ihr seid in solchen Momenten unsere Götter gewesen, wir beten euch an!

Zu den Koordinaten muss man noch sagen, dass sie nicht immer korrekt im Reiseführer angegeben werden. Viele haben sicher schon gehört, dass solche Reiseführer oft von Leuten geschrieben werden, die nicht überall selbst anwesend waren. Es kann helfen, wenn man zwei bis drei Herausgeber vergleicht. Noch besser jedoch ihr fragt andere Reisende, die ihr trefft, nach Koordinaten oder Tipps. Lest in Blogs und Foren. Dort könnt ihr sicher sein, dass die Informationen aus erster Hand stammen. Aber auch solche haben ein Ablaufdatum. Zwar wird der Wasserfall immer noch an derselben Stelle sein, aber ein billiges Hotel kann inzwischen teuer geworden sein, eine nette Stelle am Strand inzwischen zugemüllt, ein Museum geschlossen, usw. Also immer auf Aktualität und mögliche Überschneidungen anderer Berichterstattung prüfen, es sei denn ihr steht drauf euch auch mal zu verlaufen oder die Gegebenheiten selbst zu untersuchen.