Der große Rundgang

Heute feiern wir unser dreijähriges Reisejubiläum! In diesem Zuge wird es endlich Zeit unser Reisemobil vorzustellen, denn ohne ihn wären wir nie so weit gekommen: 65.800 km hat der Dicke auf dieser Reise zurück gelegt, wurde unterwegs mit 6556,60 l Diesel betankt und war uns stets eine treue Seele. Unseren geliebten Landy würden wir für keinen Anderen eintauschen wollen, insbesondere nicht für einen Landcruiser ;)

Rocket – unser Dicker bekommt einen Namen!

Immer wieder hören wir folgendes: „Drei Jahre unterwegs und er hat noch keinen Namen?“. In der Tat kreisten schon einige temporäre Ideen in unseren Köpfen, mit welchen wir uns jedoch nie endgültig anfreunden konnten: Angefangen bei „Moby Dick“, bevor wir ihn Schwarz lackierten, bis hin zu „Eckbert“, weil er so eckig ist. Auch „Foxy“ war länger intern in Benutzung, wegen dem hinten aufgemalten Fuchs. Doch irgendwie spürten wir auch mit diesem Namen keine echte Verbundenheit und beschränkten uns meistens auf den Kosenamen „der Dicke“.

Doch dann, als wir gerade die Pisten des Australischen Outbacks durchquerten, auf denen „unser Dicker“ massig Staub aufwirbelte, traf es uns beide wie ein Blitzschlag: „ROCKET!!! Das ist der passende Name!“. Vielleicht klang er auf Anhieb so vertraut, weil seit einer Ewigkeit Raketen unsere Türen verzieren (eigentlich das Logo des Fusion-Festivals); vielleicht aber auch, weil ein kleiner Junge in der Ukraine einmal behauptete, dieses seltsames Auto könne nur mit Raketentreibstoff betrieben werden; oder vielleicht nur deshalb, weil unser Landy eigentlich alles andere als eine Rakete ist. Aber er soll es zumindest glauben.

Mit 113 Pferdestärken unter der Haube ist Rockets Höchstgeschwindigkeit eigentlich 130 km/h, Berg runter. Leider hört er sich dann so an, als ob er gerade in der Atmosphäre verglüht. Deswegen fahren wir meistens 84 1/2. Und wie ist es mit seinen inneren Werten, fragt ihr euch inzwischen? Alles klar, Leute – ab in die Rakete!

Der Wohnraum

Willkommen bei uns Zuhause! Unser trautes Heim auf Rädern bietet nicht viel mehr als das Nötigste, d.h. Bett, Küche und Stauraum. Den Innenraum mit den Abmessungen von B 181 x L 240 x H 160 cm vergleichen wir gerne mit einem Kinderzimmer, vorallem weil er eine Stehehöhe nur für kleine Menschen hergibt. Wir sind etwas größer. Immerhin ist unser Wohnraum komfortabler als ein Zelt.

Bei der Planung des Innenausbaus haben wir die Offroadtauglichkeit bedacht, indem wir den Stauraum für schwere Sachen möglichst weit unten gehalten haben. Sprich unter dem Bett. Insgesamt denken wir, dass wir den kleinen Raum sehr gut für unsere Bedürfnisse ausgebaut bzw. ausgenutzt haben.

Das Ausbauen selbst erfolgte mit der gut bewährten „Learning by Doing“ Methode. Zwar findet man deshalb viele unschöne Kanten, Schnitte und andere Macken in unseren Möbeln, aber hey, wir haben sie selbst gebaut. Außerdem geben gerade diese Details Rocket wohl seine persönliche Note. Vier Jahre bewährt sich unser Mobiliar bereits, und es wird noch mindestens weitere vier aushalten! Der Kosten-Nutzen-Faktor könnte also kaum besser sein.

Die Luxusgüter

Strom: Wir haben ein 100 W Solarmodul fest auf dem Dach montiert. Den erzeugten Strom fangen wir in einem Doppel-Batterie-System auf, vorrangig für den Dauerbetrieb unseres 18 l Kompressor-Kühlschranks benötigt.

Der Überschuss reicht aus, um 3 kleine LED-Lampen (3W) abends an zu lassen und kleine Elektrogeräte (Kamera, Mobiltelefon, etc.) zu laden. Die Laptops, welche wir im Moment nur über den Wechselrichter laden können, dürfen leider nicht so oft ans Netz. Wenn wir also länger am Computer arbeiten, muss eine externe Steckdose organisiert werden.

Wasser: Unter dem Bett befindet sich u. a. ein 70 l Wassertank, der von Außen betankt werden kann. Der anfänglich verbaute Aktivkohlefilter hat sich inzwischen ausgefiltert, der Silberionen-Schwamm, welcher den Tank vor Algenbefall schützen sollte, hat ausgedient. Unsere Wasserpumpe hat bereits in Thailand den Geist aufgegeben. Ohnehin war der Wasserhahn schon im Eimer. Und da wir in Südostasien kein Ersatz für irgendwas davon finden konnten, haben wir die Schwerkraft zu Hilfe genommen.

Hier in Australien gäbe es Ersatz. Allerdings haben wir uns schon zu sehr dran gewöhnt, in der Wanne abzuspülen, sodass wir es dabei blassen haben.

Trinkwasser filtern wir mit einem 3-in-1 Filter (Keramik+Kohle+Silberionen), welchen wir in einem Eimer verbaut haben. Filter-Geschwindigket beträgt 3 Liter/Stunde. Aufgefangen wird das Wasser in einem 25 l Wasserkanister. Somit können wir insgesamt ca. 100 l Wasser an Bord mitnehmen.

Küche: Der pure Luxus, insbesondere für Ellen (als Koch-Beauftragte), war über die Jahre eindeutig unser Drei-Platten-Gasherd. Seit kurzem funktioniert nur noch eine Platte, da in den anderen beiden Wespen genistet haben. Mindestens eine ist im Kampf um den Herd gestorben (nur eine kleine Genugtuung für Ellen) und verstopft nun die Leitung. Das müssen wir wohl bald in Angriff nehmen.

Auf was wir verzichten

Dusche: Unser Schweizer-Armee-Wassersack wurde uns in Laos geklaut, vermisst haben wir ihn danach aber nicht. Geduscht werden kann zum Beispiel mit Eimer und Kelle, so wie es die Thais machen (den Eimer haben wir ja schon zum Geschirr spülen und Wäsche waschen dabei). Wenn gerade die Privatsphäre fehlt, lassen wir den Badeanzug/-hose dabei an, oder spannen eine Plane ums Auto.

Toilette: Eigentlich sitzt bei der Busch-Toilette inzwischen jeder Handgriff. Schaufel oder Spaten sind unsere morgentlichen Freunde. Campt man in belebteren Orten, entwickelt man andere Strategien (Café, Einkaufszentrum, Tankstelle, McDonalds). Timing ist dabei alles!

Durchganz zum Fahrerhaus: Es war mal ein „Durchkriecher“ angedacht, welchen wir jedoch nie umgesetzt haben. Unsere Box ist ein abgeschlossenes System und das finden wir inzwischen gut so. In unserem „panic room“ fühlen wir uns gut.

Sitzecke mit Tisch: Unser Bett ist fest insalliert. Man kann es nicht zu einer Sitzecke umformen. Ablagefläche haben wir auf der Kochzeile, sitzen können wir auf dem Bett. Den Tisch haben wir durch Allzweckbretter ersetzt, die wir uns auf die Knie legen können, um den Laptop von der Überhitzung zu bewahren. Bei gutem Wetter sitzen wir sowieso lieber draußen, mit Stühlen und Klapptisch.

Was wir gut finden

Bett: Jedes Mal freuen wir uns, dass unser gemütliches Bettchen nicht erst aufgebaut werden muss. Es ist einfach da – 181 cm lang und 120 cm breit. Wir schlafen auf einer 12 cm dicken Schaumstoff-Matratze (inzwischen auf 8 cm durchgelegen), mit richtigen Kissen und echtem Bettzeug (für verschiedene Jahreszeiten).

Stauraum: Unser aufklappbares Bett bildet einen liegenden Schrank von 55 cm Höhe (sonst Abmessungen des Betts). Das ist massig Platz für all unsere Sachen, inklusive Jonas Werkzeug-Arsenal. Dazu kommen die Schubladen, der Schrank unter der Spüle und das Regal am Eingang, in dem wir meistens Lebensmittelvorräte lagern.

Camping-Funktion: Wir müssen kein Camp aufbauen, wir parken einfach (was inbesondere in urbanen Gebieten Unauffäligkeit bietet). Optionen zur Erweiterung haben wir natürlich auch (Stühle, Klapptisch, Planen als Vordach). Wir haben an der Zugänglichkeit von Alltagsgegenständen im Verlauf der Reise stets gearbeitet und viel umsortiert. Inzwischen wundern wir uns manchmal selbst, wie einfach alles von der Hand läuft. Nie suchen wir irgendwas, alles hat seinen Platz.

Was wir inzwischen verbessert haben

Elektrofach statt Tisch: Anfangs waren unsere Laptops, Kamera und Sonstiges unter dem Bett verstaut. Dieser Stauraum ist jedoch mehr für Dinge gedacht, die man weniger als einmal am Tag braucht. Ansonsten ist es zu umständlich, zu schwer, oder wir zu faul. Jedenfalls, so die Praxiserfahrung, lagen unsere Laptops immer einfach auf dem Bett rum. Stattdessen hatten wir einen mini Klapptisch, welchen wir so gut wie nie benutzt haben. Der Tisch kam also weg, bzw. wurde zum Deckel für das neue Elektrofach, auf dem man sogar sitzen kann. Eine gute Entscheidung!

Moskitonetze (Fenster & Tür): Erstmal dachten wir, es reicht uns eines über dem Bett zu haben. Sobald die Moskito-Zeit anbricht, will man aber nicht unbedingt schlafen gehen. Deswegen entstand schnell eine provisorische Lösung für die Tür, bei der es bis jetzt blieb. Später erweiterten wir die geschützte Frischluftzufuhr durch das Moskitonetz für das Dachfenster, aus einem Keilrahmen und Drahtnetz gebastelt.

Flüssigkeiten-Sicherheit: Ursprünglich hatten wir im Regal Metallstangen als Stopper (inwischen durch richtige Türen ersetzt). Was wir nicht bedacht hatten: das Fach musste immer so voll sein, dass sich die Inhalte gegenseitig festhalten. Ansonsten konnten sie umher rutschen und auf sehr holprigen Pisten sogar kaputt gehen. Gott bewahre es erwischt dabei eine Tomatensoße, eine Essig- und eine Olivenölflasche (so wie uns passiert). Seitdem lagern wir Flüssigkeiten im Glas zusätzlich in abgeschlossenen Plastikboxen.

Was wir anders machen würden

Holz: Beim Ausbau haben wir uns für eine warme Holzoptik entschieden. Die Verkleidung und Möbel, welche komplett aus dem soliden Birke Multiplex gebaut wurden, haben wir deshalb nur mit Leinöl behandelt. Mehrmals. Und immer wieder. Trotzdem blieb es ziemlich schmutzanfällig. Als wir es doch noch klar lackieren wollten, war es leider nicht mehr möglich, da sonst die lackierte Oberfläche das Öl ausschwitzen würde. Also haben wir Waxöl draufgeschmiert und leben nun mit unserem schmutzigen kleinen Holzausbau.

Klar, könnten wir den Dreck auch abschleifen, und die Oberfläche erneut mit Wax versiegeln. Doch bevor wir dazu kommen, gibt es wie immer tausend andere Dinge abzuarbeiten. Werfen wir doch mal einen kurzen Blick auf eine der aktiven Baustellen!

Das Fahrerhaus

Ellens ehemahliger Kunstlehrer pflegte immer zu sagen, nachdem sie mal wieder zu selbstkritisch mit ihrer Malerei umgegangen ist: „Das ist nicht scheiße, es ist nur noch nicht fertig!“. Das selbe könnte man über unser Fahrerhaus sagen. Wie es dazu kam, dass es so aussieht, ist eine viel zu lange indonesische Geschichte und würde hier vermutlich den Rahmen sprengen. Dazu also irgendwann mehr.

Must do vs. Nice to do

Diese stets wachsenden Listen im Kopf, über all das, was man so gerne machen würde, kennt wohl jeder Overlander. Wir führen inzwischen zwei – eine mit Dingen, die man unter allen Umständen erledigen muss, und eine von Dingen, die schön wären, wenn man sie machen würde. Meistens schafft man es irgendwie nie, die „Must do“-Liste vollständig abzuarbeiten, um mit „Nice to do“ weiter zu machen. Denn dazwischen möchte man schließlich reisen!

Hier zum Beispiel ein Auszug aus unserer „Nice to do“-Unterliste, mit dem Faktor „Wenn wir mehr Geld hätten“. Wir sind jedenfalls gespannt, wie unser Rocket in einigen Jahren aussehen wird – mit all den Ideen, die wir für die Zukunft haben, werdet ihr ihn sicher kaum wieder erkennen!

Was wir gerne machen würden, wenn wir mehr Geld hätten:

  • Ein Aufstelldach für die fehlende Stehehöhe
  • Statt Flügeltüren eine große Tür mit Fahrradträger
  • Teure aber praktische Halterungen für Sandbleche, High Jack und co. (bzw. Marke Eigenbau)
  • Eine Seil-Winde in Kombination mit Bullbar
  • Von Außen zugängliche Stauräume, insbesondere für Werkzeug und Batteriefach
  • Außerdem träumt Jonas davon, irgendwann eine neue Wohnkabine selber zu bauen

Aber vielleicht würden wir auch nichts davon machen und das Geld lieber in die Reise selbst investieren. Denn eigentlich geht es immer „auch so“ irgendwie!