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Ab in den Süden - Thailand ein letztes Mal (?)

Thailand

Asien 2014-2016

Wir sind wieder da – Thailand. Inzwischen fühlt es sich für uns beinahe so an, wie nachhause kommen. Unser erstes Ziel ist weder touristisch interessant, noch landschaftlich besonders herausragend, sondern zu Abwechslung eine ganz normale Thailändische Stadt: Buriram. Dort erwarten uns bereits bekannte Gleichgesinnte. Anne und Patricius, die mit ihren Bikes versuchen die Welt zu rocken, haben wir zuvor in der Mongolei getroffen. Ihr Reiseverlauf hat sich danach ganz anders entwickelt, doch nun freuen wir uns riesig auf das Wiedersehen. Seit einigen Wochen schon haben sie in Buriram ihr Lager aufgeschlagen, und warten dort auf Ersatzteile für ihre Motorräder. Das Homestay, in welchem sie hausen, scheint die perfekten Bedingungen für eine ordentliche Schrauberei zu bieten. Denn auch wir haben inzwischen einige Problemzonen am unserem Dicken festgestellt. Die gesamte Liste ist ganz relative lang: manche Dinge davon sind einfache Schönheitsmacken, andere dagegen unentbehrliche Reiseutensilien und wieder andere einfach nervtötend für das Reiseleben.

Frühlingsputz in Buriram

Fangen wir doch gleich mit den nervtötenden an: Seit Kambodscha haben wir mit einer ernsthaften Ameisenplage zu kämpfen. Die Biester haben sich durch einige Plastikverpackungen gefressen und Tütensuppen besiedelt, sowie an diversen anderen Orten, die wir größtenteils nicht ausfindig machen können, umfangreiche Kolonien errichtet. Mehrspurige Ameisenstraßen durchziehen Wände, Essbares kann man keine Minute liegen lassen. Lange haben wir auf eine Giftkeule verzichtet, doch nun müssen sie wirklich dran glauben. Wir räumen als erstes unser gesamtes Inventar in das von uns bezogene Zimmer ein, das sogleich fast aus den Nähten platzt – unglaublich, wie viel Kram doch in unser kleines Auto passt.

Weiter gibt es das Angelkoffer-Problem. Bereits beim Start haben wir einen taktischen Fehler durch das Platzieren unseres High-Jacks auf dem Angelkoffer begangen und seit dem irgendwie nicht nachgebessert. Nun ist der Koffer durch das schwere Gerät vollkommen demoliert. Aus dem großen Loch an der Kofferseite wächst inzwischen ein kleines Bäumchen. Es müssen also gleich zwei neue Lösungen, für den High-Jack und die Angelausrüstung, gefunden werden. Während der Umplatzierungsmaßnahme fällt dieser besagte schwere High-Jack Ellen auf den Fuß, so ist sie mehrere Tage damit beschäftig die Schwellung zu kühlen. Dabei muss unser gesamter Kram noch sortiert und ausgemistet werden.

All das sind im Grunde nur Kleinigkeiten, die uns das Leben minimal schwerer machen. Die lebensnotwendigen Dinge kommen erst noch: Es scheint als ob die zweite Versorgungsbatterie recht zügig ihren Geist aufgibt. Das merken wir daran, dass der Kühlschrank nicht mehr läuft, welcher doch durch sie versorgt wird. Mehrere Geräte gleichzeitig laufen zu lassen ist sowieso unmöglich. Es muss also dringend ein Ersatz her. Außerdem ist auch unsere Gasflasche inzwischen leer. Bereits einzeln, doch ganz besonders in dieser Kombination wirken sich die beiden Ausfälle enorm problematisch aus, denn sie schneiden massiv in unser Reisekonzept ein. Leider lässt sich die zweite Aufgabe nicht so einfach lösen, da die Gasanschlüsse in Südostasien anders sind. Keiner will unsere deutsche Flasche befüllen, der scheinbar für die asiatischen Gasanlagen eine Dichtung fehlt. Der erste Versuch sie in Kambodscha aufzufüllen ist gründlich schief gelaufen: den Kambodschanern haben wir eigentlich ein eher geringes Sicherheitsdenken unterstellt und haben gehofft jemanden mit einer Füllanlage zu finden, der die Flasche auf gut Glück voll knallt – doch weit gefehlt! Er sieht zwar kein Problem darin über den Schlauch zu stolpern, so dass mindestens 12 l Gas in die Luft entweichen (wie passiert), aber unsere Flasche auffüllen? Nein, das kann man nicht machen: Gefährlich! So wundert es uns nicht, dass auch die Thailänder lieber die Finger davon lassen. Diese Aufgabe wird uns also noch länger beschäftigen.

Gastfreundschaft auf Thailändisch

Aber der Reihe nach: Buriram und insbesondere der Homestay. Diesen besonderen Ort kann man nur schwer beschreiben. Tanouk, der Besitzer, ist eigentlich Geologe und war mitunter bei den Ausgrabungen um Angkor Wat beschäftigt. Auch sonst ist er beruflich viel gereist und hat dabei keine Mühe bei der Einfuhr von Erinnerungsstücken gescheut: Gigantische Muscheln aus den Salomon Islands, zwei Baobab-Bäume und ein ganzes Boot aus Afrika, Meteoritensteine aus Laos und Indonesien – der gesamte Garten ist übersät mit skurrilen Funden aus der ganzen Welt. Am ersten Tag nach unserer Ankunft fährt er mit uns in die Stadt, um uns Märkte und andere Sehenswürdigkeiten zu zeigen und bleibt auch weiterhin sehr um unser Wohlbefinden bemüht. Doch irgendwie füllt es sich komisch an, denn so viel Gastfreundlichkeit sind wir aus Thailand gar nicht gewöhnt! Einige Tage später lädt er uns sogar zu einem Grillfest mit seinen engsten Freunden ein und da fällt es uns erst richtig auf: das ist also der erste Thailänder, der uns wie Menschen behandelt und nicht wie Farangs (nicht-asiatische Ausländer).

Bis jetzt unerwähnt blieb, dass wir uns in Südostasien des Öfteren als Außenseiter fühlen. Wir beobachten häufig so etwas wie ein Kastenverhalten, denn der Thailänder leidet an Xenophobie. Burmesen und Kambodschaner sind nichts weiter als billige Tagelöhner. Der muslimische Malaie wird diskriminiert. Manchmal werden Russen und Dunkelhäutige mit entsprechenden Schildern des Lokals verwiesen. Im Land des Lächelns bleiben auch wir für immer Fremdlinge oder Eindringlinge, doch uns wird der Aufenthalt gewährt, da wir unter der weißen Haut offensichtlich einen vollen Geldbeutel tragen. Wir zahlen stets den Farang-Preis. Das falsche Lächeln können wir inzwischen gut durchschauen, auch haben wir uns an dieses Gefühl gewöhnt, das hin und wieder durch solche Begegnungen wie mit Tanouk durchbrochen wird. Auf das Thema kommen wir mit ihm zu sprechen, doch er verneint. In seiner Welt scheint der (fast allgegenwärtige) Rassismus nicht zu existieren. Er erklärt uns Vieles mit dem Gesichtsverlust – die meisten Thais können kein Englisch. Doch unseren Eindruck prägt die Erfahrung: viel zu oft hört sich Farang als Schimpfwort an.

Wir erinnern uns an die eine thailändische ältere Dame, in deren Lokal wir einmal gegessen haben. Sie lebte 23 Jahre in Deutschland und beschwerte sich bei uns über die „anderen“ Ausländer – „Ich muss meinen Mädchen immer wieder erklären, dass es keine Millionäre sind. Sie sollen aufhören sich den Alten an den Hals zu werfen. Die Reichen gehen doch wo anders hin – es kommen nur die Penner hier an den Strand!“– sagt sie uns in einem perfekten deutsch. Mit uns redet sie normal, schenkt uns sogar noch eine Tüte mit Litschis zum Abschied. Sie versucht unsere Geschichte rauszufinden, wer wir sind, was wir wollen, aber vermutlich nur, weil ihr die Deutschen nicht mehr fremd erscheinen. Dabei hat doch jedes Land seine schwarzen Schafe, und irgendwo drumherum befinden sich die meisten anderen, netten und liebenswürdigen Menschen. Eine echte Begegnung würde neue Perspektiven eröffnen, doch solange kein offenes Gespräch stattfindet, werden für immer die Ausländer die Schuld bei den „geldgierigen“ Thais suchen und die Thailänder bei dem „geizigen reichen“ Farang, der in ihr Land kommt, um wie ein König zu leben.

Und dann lesen wir über die aufkommende Ausländerfeindlichkeit in Deutschland und sind traurig. Und wütend.

Es geht weiter

Vieles von unserer langen Todo-Liste haben wir in Buriram abhaken können (ausgenommen der Gasflasche). Es wird Zeit weiter zu ziehen, denn wir haben einen ausgiebigen Arbeitsaufenthalt geplant und uns für diesen Zweck mit Sandra und Markus zusammen ein kleines Häuschen auf Koh Phangan gemietet. Der Abschied von Anne und Patricius, sowie von Tanouk ist herzlich und beinahe lassen wir uns überreden ein kleines Hündchen mit zu nehmen. Doch da wir noch nicht einmal wissen wie es um unsere eigene Zukunft steht, können wir diese Verantwortung im Moment leider nicht übernehmen. Kriegen wir genug Aufträge, oder müssen wir unsere Reise sogar abbrechen? Das steht bisher noch in den Sternen. So geht es weiter ins Ungewisse.

Der Weg in den Süden ist weit, wir wissen bereits, dass wir einige Male für die Nacht anhalten müssen. Die erste Nacht wollen wir in einem Klettercamp nahe Bangkok verbringen. Hier waren wir schon, wissen wo es ist, was es dort gibt – praktisch. Als wir ankommen, sind keine Gäste da, nur die überaus freundliche Besitzerin (mit einem echten Lächeln). Wir dürfen, wie letztes Mal, unter den schattenspendenden Bäumen parken und uns von der langen Fahrt erholen. Beim Abendessen die Überraschung: wir sind nicht die einzigen Gäste – Daniel, den wir in Thakek (Laos) kennenlernten, sitzt am Esstisch in Begleitung von Freundin und Kumpel. Wir trauen alle unseren Augen nicht! Vier Monate sind vorbei, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben und in Südostasien gibt es so viele Möglichkeiten sich zu verlaufen. Dass wir uns ausgerechnet hier wieder treffen, damit haben wir alle nicht gerechnet (Welt=Dorf).

Auf diese Wiedersehensfreude beschließen wir gleich einen Tag länger zu bleiben, woraus letztendlich drei Tage werden. Jonas kann mit Daniels Kumpel Klaus einige Kletterstunden abreißen, während Ellen von ihrer Jogamatte Gebrauch macht und alle sind zufrieden. Nur Daniel zuletzt nicht, denn er bekommt Dengue-Fieber. Tja, so ist es in der Regenzeit – entweder man hat es selber, oder man kennt mindestens eine Person die es hat.

So ziehen wir auch schon direkt weiter, denn jetzt wird die Zeit knapp. Wir fahren entlang der Orte, an welchen wir mit Ellens Mutter bereits waren. Wehmütig schauen wir Richtung Norden, denn diesmal werden wir nicht mehr zurück fahren, ab jetzt geht es nur noch gen Süden. Auf unserem Weg liegen einige bürokratische Steine – wir müssen noch irgendwo unsere Einreisegenehmigung für das Fahrzeug verlängern. In Chumpon bekommen wir glücklicherweise die nötigen Stempel und Unterschriften bei der Zollbehörde, welche wir nur dank der großartigen Hilfe eines Polizeibeamten finden. Schließlich nehmen wir ab Surat Thani eine Autofähre, die uns 2,5 Stunden lang im Licht der untergehenden Sonne über türkisfarbenes Wasser zu einer wunderschönen Insel mitten im Golf von Thailand bringt.

Koh Phangan – die Partyinsel?

Wir kommen als erstes an und erkunden schon mal die Unterkunft. Unsere Internet-Buchung ist ein Volltreffer: Ein solide gebautes Teak-Häuschen mit zwei gemütlichen Schlafzimmern, einer offenen Küche und einer riesigen Terrasse mit der Aussicht auf den Süßwassersee vor unseren Fenstern, in welchem man sogar schwimmen kann. Der Strand ist direkt dahinter. Das wird in den nächsten zwei Monaten unser Zuhause und ein Arbeitsplatz zu gleich werden. Wir freuen uns wie kleine Kinder darüber, einen so schönen Ort zum Bleiben gefunden zu haben. Bunte Vögel zwitschern sonderbare Melodien, nette Nachbarshunde kommen zu Besuch und täglich schwimmt ein 1,5m langer Waran am Ufer vorbei. Ansonsten ist hier alles ruhig, entspannt. Was für ein Leben im Paradies.

Einmal im Monat, immer um die Nächte des Vollmondes, bemerkt man regen Touristenverkehr auf der Straße, denn es findet eine Veranstaltung statt, welche Koh Phangan Weltbekanntheit einbrachte: die Fullmoon-Party. Seit dem Ende der 80’er hat die Rave-Feier Kultstatus erlangt, doch nachdem wir uns das Schauspiel persönlich angesehen haben, würden wir diese kommerzialisierte Techno-Nummer doch eher in die Ballermann-Ecke stellen. Tausende halb nackte junge Feierwütige mit weit aufgerissenen Augen pissen offenkundig ins Meer – das reicht als Eindruck. Wir bezweifeln jedenfalls, ob es auf der Fullmoon-Party überhaupt jemals so etwas wie Niveau gab. In den zwei Monaten auf der Insel meiden wir vorsichtshalber jedes weitere Fest, das „Moon“ im Namen trägt.

Doch nicht wegen den Partys sind wir hier her gekommen, sondern wegen der besonderen Atmosphäre. Seit mehreren Generationen ist diese schöne Hippie-Insel das Ziel für Aussteiger, Langzeitreisende, oder solche, die über kalte Wintermonate ihren Wohnsitz mit einer Bambushütte tauschen. Viele kommen nicht zum ersten Mal nach Koh Phangan und immer wieder hört man, die Insel hätte ihren Scharm verloren. Doch für uns, die zum ersten Mal die Ehre haben, wirkt sie noch immer super entspannt und gemütlich. Alt- und Neu-Hippies wohnen Seite an Seite mit Rucksacktouristen, Yoga-Begeisterten und Sinnsuchenden. In dem veganen Restaurant „Green Gallery“ trifft sich regelmäßig die Community zu einem Trommelzirkel am Lagerfeuer, die Golden Rock Bar lädt zu entspannten Strandstunden ein, die Pirate-Bar zum Tanzen im Sand unter fluoreszierender Deko. Hier findet sich eine hohe Dichte an Yoga-Schulen, diverse Heil- und Fasten-Zentren, unzählige Workshops zu jedem erdenklichen Thema. Z.B. machen in der Zeit auf Koh Phangan Sandra und Ellen einen Seifen-Workshop, und daraufhin selbst Kernseife zum Wäsche und Haare waschen. Das Angebot ist unglaublich und es ist für jeden etwas dabei.

Auch die Einheimischen sind anders gegenüber den Farangs eingestellt. Sie kommen schneller in Kontakt, erzählen dir ihre Lebensgeschichte und sind an deiner interessiert. Das Sunshine Restaurant, direkt bei uns um die Ecke wird zu unseren Stammlokal. Die Besitzerin nennen wir liebevoll Big Mama, was sie natürlich nicht wissen darf. Sie ist uns bis zum Abschied zwei Monate später so sehr ans Herz gewachsen, dass uns beinahe Tränen in den Augen stehen. Für unseren letzten „Giant Tofu Burger“ will die Gute kein Geld haben: „It‘s from the Heart“ – hält sich die stets lächelnde pummlige Thailänderin die Hände ans Herz. Dabei braucht sie dringend Geld für die fünf von ihr aufgenommenen Straßenhunde.

Im Paradies arbeiten

Schön wie es ist, bleibt unser eigentliches Anliegen auf der Ferien-Insel diesmal nicht die Erholung, sondern die Arbeit. Nach unserem Aufruf, wir seien auf der Suche nach Jobs und Projekten gab es viel Resonanz, worüber wir unbeschreiblich erfreut und dankbar sind. Sofort bei der Ankunft auf Koh Phangan regnet es plötzlich mit kleineren und auch größeren Aufträgen von allen Seiten. Auch Markus hat es nicht verpasst für uns einen treuen Arbeitgeber zu finden und so wird die meiste Zeit eigentlich nur vor dem Computer gesessen, gestaltet und vor allem programmiert. Nach ziemlich genau einem Jahr auf Achse, sprich purer Arbeitslosigkeit, finden wir es jedoch toll mal wieder produktiv zu sein und die Möglichkeit zu haben, Geld zu verdienen. Innerhalb dieser entspannten Atmosphäre fühlt sich das sowieso nicht wirklich wie Arbeit an. Oder zumindest macht uns die Arbeit wieder Spaß.

Wir beginnen uns wieder einen Alltag zu erarbeiten, was bei den geregelten Mahlzeiten anfängt und bei dem Einhalten von Wocheneden nicht aufhört. Die für uns inzwischen beinahe ungewohnte Gegebenheit, der Feierabend, findet meistens ebenso Beachtung. In der freien Zeit, die wir so zur Verfügung haben, machen wir einige Ausflüge zum Schnorcheln, Insel erkunden oder auch einfach nur zum Strand. Leider hat Ellen immer noch nicht ganz ihren „Normalzustand“ erlangt, so dass wir bei dem Wochenend-Party-Programm lieber verzichten.

Zwei größere Ausflüge unternehmen wir jedoch auch in der Zeit. Der eine ist gezwungener Maßen verpflichtend: wir müssen sowohl unsere Visa als auch die Zolldokumente für das Fahrzeug (ja, schon wieder) verlängern und fahren diesbezüglich auf die Nachbarinsel Koh Samui. Der Tag wird recht anstrengend, aber lohnend. Obwohl wir unsere Fahrzeuge „zuhause“ lassen (was der Zoll bemängelt), bekommen wir für alles die nötigen Stempel und können somit einen weiteren Monat auf der Insel bleiben. Der zweite Ausflug findet zu Ehren von Ellens 30. Geburtstag statt. Mit einem Boot fahren wir gemeinsam in den Marinenationalpark Mu Ko Ang Thong, wo wir außer der traumhaften Inselwelten auch noch zum ersten Mal wildlebende Delfine beobachten können. Dazu gibt es Schnorcheln, Kajak-Fahren und leichte Wanderungen zu Aussichtspunkten. Am Abend organisieren Markus und Sandra sogar eine Torte mit Ellens Namen darauf und von Jonas gibt es eine schöne Ukulele, auf der jetzt fleißig geübt wird. So macht älter werden richtig Freude!

Auf den letzten Drücker

In den letzten zwei Wochen wird es nochmal richtig turbulent. Einmal lernen wir andere Overlander kennen. Anna und Felix aus Dresden sehen beim Vorbeifahren unsere Autos vor dem Haus stehen und schlendern spontan rein. Ein paar Tage später sind die beiden bei uns zum Essen eingeladen. Wir haben, wie immer, viel zu erzählen und es wird ein langer feuchtfröhlicher Abend. Dabei gibt es gerade bei den „Bullis“ nicht viel zu Lachen. Die beiden haben leider ernsthafte Probleme mit ihrem 37 Jahre alten Bus, der seit unserem Ausflug zur Ostküste der Insel nicht mehr fährt. Zwei Monate lang hat Markus immer mal wieder am Motor geschraubt, zwischendurch auch mit Unterstützung von Jonas, doch nichts zu machen. Über das Internet finden sie eine VW-Werkstatt in Krabi und werden unerwartet eine Woche vor geplanter Abreise dorthin abgeschleppt – sonst wäre die Zeit bis zum Visumende knapp geworden. Der Abschied verläuft sehr traurig. Wir haben die Zeit in dieser Wohngemeinschaft sehr genossen, freuen uns aber auch gleichzeitig auf die ruhige Zeit alleine, die romantische Zweisamkeit haben wir nämlich langsam schon vermisst.

Auch wir haben noch ein, zugegeben, kleines Problem zu bewältigen. Bevor wir endgültig abfahren, müssen wir noch unsere Gas-Situation in den Griff kriegen. In einem Handwerker-Markt finden wir auf den letzten Drücker und mit enorm viel Glück die nötigen Verbinder, die mit etwas Bastelei zu astreinen Adaptern werden. Jubelfreude herrscht, nachdem wir es tatsächlich schaffen in einer recht aufwendigen Aktion von Flasche zu Flasche umzufüllen. Endlich!

Und schon sind die zwei Monate ruck zuck vorbei. Wie schnell doch die Zeit durch den Alltag verfliegt! Koh Phangan – wir kommen unbedingt wieder. Du bist der erste Ort, an dem wir uns ernsthaft vorstellen können zu leben, zumindest auf Zeit.

Ein kurzer Blick auf die Westküste

Jonas bekommt spontan noch einen großen Folgeauftrag und ist somit länger beschäftigt als gedacht. Eine Woche haben wir noch, bis wir zum letzten Mal auf dieser Reise aus Thailand ausreisen werden. Deswegen biegen wir noch schnell zur Westküste ab, die wir bislang ganz vernachlässigt haben, wir fahren in die Gegend von Krabi. Der Landstrich mit den vielen Karstfelsen ist eigentlich ganz schön, aber irgendwie sind wir einfach zu satt von Thailand. Es ist nur noch same same – der Strand, die Menschen, die Lokale. Wir packen die Taschen und machen einen Abstecher nach Tonsai, ein weltberühmtes Klettergebiet, das nur per Boot zu erreichen ist. Doch leider stellt sich heraus, dass es dort tagsüber weder Strom noch Internet gibt. Der Plan neben dem Arbeiten etwas zu klettern fällt für Jonas leider ins Wasser. Sowieso ist das ehemals alternative Camp-Areal inzwischen von lauten Baustellen umstellt, was insgesamt keine schöne Atmosphäre bietet. So fahren wir noch am gleichen Tag zurück zu unserem Auto und suchen uns lieber einen Stellplatz in der Nähe des Ao Nang Strandes.

An einer großen grünbewachsenen Brachfläche sehen wir im Vorbeifahren einen LKW stehen – einen Overlander erkennt man auf den ersten Blick. Tatsächlich wohnen dort Lorenz und Giesela aus der Schweiz (momentan ohne Giesela, da sie auf Heimatbesuch ist). Die Beiden sind bereits seit 2008 unterwegs. Wir gesellen uns kurzerhand dazu – ein abendlicher Umtrunk zum Kennenlernen darf an dieser Stelle natürlich nicht fehlen. Die nächsten Tage pendeln wir jedenfalls irgendwo zwischen der Bar, welche dank des freien WiFi zu unserem Arbeitsplatz geworden ist und dem „Campingplatz“, wo wir noch heimtückische Elektrik-Probleme zu lösen haben. Dann fahren wir.

Unser nächstes Ziel ist Malaysia. Gut so, denn irgendwie haben wir inzwischen genug von Thailand. Man könnte noch so vieles sehen, andere Orte erkunden… Man könnte es aber auch lassen, denn auch andere Mütter haben schöne Töchter. Wir wollen nicht zu hart mit dem Land sein, in welchem wir immerhin ganze 8 Monate verbracht haben – hätte es uns hier nicht gefallen, wären wir vermutlich nicht so lange geblieben. Aber genau deswegen freuen wir uns nun auf das Neue. Als wir ausreisen gibt uns ein freundlicher Grenzbeamte ein paar Cracker und zwei Wasser als Geschenk mit auf den Weg: „damit ihr wieder kommt“ - sagt er. Wir schauen uns beide an und zucken mit den Schultern: „Ja, wer weiß!“. Sage niemals nie.