Navigation

Ein Ausflug zum Komodo Nationalpark

Indonesien

Asien 2014-2016

Inzwischen neigt sich unsere Asien-Reise langsam dem Ende. Schon längst haben wir entschieden, Indonesien mit dem Auto nicht weiter als bis Bali zu bereisen. Doch über diese, unsere persönliche, Asien-Endstation werden wir beim nächsten Mal etwas erzählen. Hier dagegen berichten wir darüber, wie wir unsere Rucksäcke packen und nach Flores fliegen, um die letzten lebenden Drachen im Komodo Nationalpark zu bestaunen.

 

Als Initiator dieses Ausflugs gilt wohl Laura – bereits auf Sumatra haben wir gemeinsam besprochen, dass wir ihren Geburtstag auf einem Boot feiern wollen, welches uns gemächlich durch die unberührte Inselwelt eines der faszinierenden Marineparks der Welt schippern soll. Ein Naturwunder, das man schon immer in Dokumentarfilmen bestaunen durfte, weit entfernt davon zu träumen, seinen Fuß jemals in die Nähe setzen zu können. Wir halten einen Moment inne wegen dem überwältigenden Gefühl, sich einen so fantastischen Traum nun erfüllen zu können, und auch ein bisschen deswegen, weil das Flugzeug auf der (gefühlt) kleinsten Landebahn der Welt mit einem beunruhigend kräftigen Ruck landet.

 

(Nebenbei bemerkt, befand sich an Bord in dem Booklet für Sicherheitsvorkehrungen auch ein Papier mit Gebeten aller erdenklichen Konfessionen, der Pilot möge die Maschine unversehrt zum Ziel bringen. Scheinbar brauchen indonesische Airlines solch eine Unterstützung – wir beten vorsichtshalber alle durch.)

 

Flores und die Sache mit dem Boot

Als wir aus dem Flugzeug steigen, spüren wir als erstes die trockene Hitze, die sich im Vergleich zu den Feuchttropen in Bali deutlich unterscheidet. Die Insel Flores ist geographisch, ethnisch und kulturell ein Grenzgebiet zwischen Asien und Australien. Das merken wir auch an den hier lebenden Menschen, die für uns mehr mit den Australischen Aborigines als mit Asiaten zu tun haben. Indonesien, wo wir bisher jede Insel wie ein neues Land wahrgenommen haben, überrascht uns auch dieses Mal.

 

Wir werden von einem Auto abgeholt und in ein Ressort gefahren. Dort warten bereits Laura, Chris und ihre beiden Freunde Arien und Lilia auf uns (die übrigens als Besuch von Laura und Chris aus Holland gekommen sind, um ihren Urlaub hier zu verbringen). Durch kleinere Visaprobleme konnten wir ihnen leider nicht früher beiwohnen, doch zumindest haben wir es genau an Lauras Geburtstag geschafft. Den weiteren Tag verbringen wir in dem schönen Pool der Hotelanlage. Und für das wohl verdiente Bier am Mittag haben wir ja inzwischen schon mehrere Gründe genannt. Flores ist überwiegend Katholisch, da darf man sich das schon mal erlauben.

 

Laura, Chris und ihre Freunde sind schon seit einigen Tagen in Labuhan Bajo, dem Ausgangspunkt für alle Touren durch den Komodo Nationalpark. In dieser Zeit haben sie alle möglichen Agenturen aufgesucht, um das beste Angebot für eine Tour heraus zu picken. Unsere Priorität war es, ein Bötchen nur für uns sechs anzumieten. So gibt es nun für den schmalen Overlander-Geldbeutel ein ehemaliges Fischerboot, welches von zwei einheimischen Fischern geführt wird und uns drei Tage lang die schönsten Plätze rund um Komodo zeigen soll; geschlafen wird direkt auf dem Deck – eine überaus romantische Vorstellung.

 

Im Land der Drachen

Früh am Morgen legen wir ab und lassen das dreckige Labuhan Bajo augenblicklich hinter uns. Eine Delfinschule begleitet uns für einige Minuten in gerade mal 20 Meter Entfernung – ein vielversprechender Start! Die frische Meeresluft und die Tatsache, dass wir nun drei ganze Tage auf diesem Boot leben werden, erfüllt uns alle mit einem einzigartigen Freiheitsgefühl („Weltreise mit dem Boot?! Das wäre doch was!“). Bald darauf sehen wir nur noch die einsame Küste von Flores und im Hintergrund erkennen wir Rinca, unser erstes Ziel.

 

An der Anlegestelle zu Rinca quetschen wir uns zwischen die anderen 30 Boote, die wohl eine ähnliche Tour unternehmen, und betreten das Drachenland. Die bergige Insel gehört bereits zum Nationalpark Komodo, somit müssen wir uns zunächst bei der Parkaufsicht registrieren. Ein Guide ist obligatorisch, aber auch scheinbar gut ausgebildet. Im Verlauf der zweistündigen Rundwanderung erzählt er uns einiges über Rinca und die Komodo Drachen, die größten Echsen der Erde.

 

Die vom Aussterben bedrohten Komodo Warane, oder auch Drachen genannt – wohl der bessere Ausdruck für diese beeindruckenden Tiere – haben ein recht kleines Verbreitungsgebiet. Eigentlich gibt es sie nur hier, auf der Insel Rinca, der gleichnamigen Insel Komodo, sowie zwei weiteren kleineren Inseln. Leider ist gerade Paarungszeit, deshalb werden wir nicht so vielen begegnen, erklärt uns der Parkwächter. In dieser Zeit verhalten sich die Großechsen sehr träge und verkriechen sich im Gebüsch. Bis auf die zwei Exemplare, die sich vom Duft der Küche anlocken lassen, wie wir gleich herausfinden.

 

Drei Meter Länge können ausgewachsene Tiere locker erreichen, bei einem Körpergewicht von bis zu 70 kg. So eine Masse benötigt entsprechend viele Proteine, deshalb gehören zu den Beutetieren u. a. Rehe, Wildschweine und auch mal Wasserbüffel. Da Komodo-Warane Aasfresser sind, reicht als Jagdstrategie ein einziger giftiger Biss. Danach muss der faule Jäger nur noch abwarten, bis das angeschlagene Vieh der Verletzung erliegt. Menschen gehören üblicherweise nicht ins Beuteschema.

 

Noch zwei weitere Warane entdecken wir auf dem Weg zum Aussichtspunkt im Unterholz. Danach geht es noch eine halbe Stunde aufwärts durch eine Savannen-Landschaft zum Hügel, wo sich uns wiederum eine beeindruckende Aussicht über die zerklüftete Küstenlinie der schönen Insel präsentiert.

 

Tourismus im Komodo-Nationalpark

Mit dem Sturm im Nacken schaukelt sich unser langsames Boot entgegen der Insel Komodo. Als der Regen aufhört, erreichen wir den berühmten Pink Beach, der natürlich nicht so Pink ist, wie man sich diesen vorstellt. Vielleicht kommen die roten Sandkörnchen, die sich anteilig unter den weißen Sand gemischt haben, bei Sonnenschein besser zu Geltung? Auch romantische Einsamkeit sucht man hier vergeblich (natürlich sind wir nicht die einzigen Touris), deswegen machen wir keine Fotos, sondern hüpfen stattdessen ins Wasser für eine Schnorchel-Runde. Die Unterwasserwelt hingegen übertrifft unsere kühnsten Vorstellungen: diese Artenvielfalt an Weichkorallen und anderen Lebewesen haben wir noch nirgends zuvor gesehen. Nun verstehen wir, warum Komodo zu den besten Tauchrevieren weltweit gehört. Doch dazu später mehr.

 

Langsam beginnt es zu dämmern. Unser Kapitän steuert zu einer ruhigen Bucht mit Ankermöglichkeit für die Nacht, die gleichzeitig ein Schauplatz für Flughunde sein soll. Diese hängen schon zu Hunderten in den Mangroven-Bäumen und bereiten sich darauf vor, gemeinsam zu einem Nachtlager umzuziehen. Jeden Abend zur selben Zeit kann dieses Schauspiel beobachtet werden, deswegen ankern auch hier nicht nur wir alleine. Da nähert sich auch schon ein Kanu unserem Boot. Als der Kanufahrer seine riesige Box öffnet, die er dabei hat, sind wir sehr amüsiert: es ist tatsächlich ein schwimmender Souvenir-Laden („need a perl necklace?“)!

 

Trotz des unerwarteten Touristenwahnsinns sind wir von der wilden Tierwelt im Komodo Nationalpark sehr beeindruckt. Nicht nur die Flughunde, die lauthals die ankernden Boote umkreisen, haben unsere volle Aufmerksamkeit, sondern auch ein einsames Rentier und ein Wildschwein am Ufer der gegenüberliegenden Insel. Das einzige Störende in diesem Naturparadies heute Nacht sind die laufenden Stromgeneratoren der Nachbars-Boote, die ihre Klimaanlagen betreiben. Wir genießen derweil die kühle Brise des Ozeans und decken uns mit einem Handtuch auf dem Deck zu.

 

Die Naturschutz-Frage

Am nächsten Morgen wachen wir mit den ersten Sonnenstrahlen auf und ankern sogleich an der Insel Komodo. So früh am Morgen sind die Besucherzahlen noch sehr überschaubar. Auch hier begleitet uns ein Parkwächter entlang des Wanderpfades und erklärt uns einiges über die lokale Natur. Unsere ersten Kakadus, die wir eigentlich erst in Australien erwartet haben, können wir hier entdecken, doch keinen einzigen Komodo-Drachen.

 

Am Strand hat die Parkaufsicht ein älteres Exemplar ausgesetzt – wohl zu Präsentationszwecken. Leider ist das Bild, was sich uns dort bietet, eher erschütternd: Das riesige und träge Tier bewegt sich mühsam über Plastikflaschen und Tüten fort. Für ein Foto werden die störenden Objekte lieblos beiseite geräumt, dabei gleicht der komplette Strandabschnitt einer einzigen Müllhalde.

 

Wir sind fassungslos: „Der Eintritt kostet so viel Geld, warum wird hier nicht mal aufgeräumt?“ – natürlich sind es unsere spontanen Reaktionen, die Wirklichkeit ist wie immer deutlich komplexer. Die Parkwächter scheinen über unsere Fragen eher verärgert. Mürrisch erzählen sie etwas von „niedrigen Löhnen“ und „Regierungsversagen“. Einerseits verständlich, andererseits ist das auch ihr persönliches Zuhause, ihre Heimat, ihr Naturerbe. „Jemand anders“ kann nicht immer der Lösungsbringer sein. Diese Problematik begegnet uns in Asien leider nicht zum ersten mal.

 

Wir lassen uns nicht entmutigen und widmen uns lieber den schönen Seiten des Lebens: Schnorcheln am Manta-Point. Die Sonne scheint, das Wasser ist kristallklar und die Vorfreude enorm, soll man hier doch tatsächlich den majestätischen Manta-Rochen begegnen können. Im Wasser treibt uns die Strömung sofort über die schönsten Korallenlandschaften und Fischschwärme hinweg, sprachlos lassen wir uns einfach driften. Plötzlich sehen wir einen Riffhai auf uns zu schwimmen. Während wir vor Schreck den Atem anhalten, scheint er uns gar nicht bemerkt zu haben. Erst zwei Meter vor uns dreht er ab und verschwindet in einem Wahnsinnstempo ins Blaue.

 

Wir schwimmen auch lieber zurück zum Boot – doch das ist leichter gesagt als getan. Die Strömung ist so stark, dass wir das Boot nur mit viel Mühe erreichen. Unterwasser sehen wir dann etwas, was uns ganz und gar nicht gefällt: Der Anker wurde nicht richtig gesetzt, so dass das Boot immer weiter weg getrieben wird und mit dem Anker über die Korallen pflügt. Wir rufen dem Kapitän zu, versuchen ihn auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, doch er scheint nichts zu verstehen. Als alle wieder das Boot betreten, bitten wir ihn wo anders hin zu fahren. Schade eigentlich, ohne Mantas gesehen zu haben.

 

Insgesamt gibt uns diese Situation viel zu denken. Wir, als Touristen, fühlen uns verantwortlich. Andererseits bekam der Nationalpark erst seinen Status als Biosphärenreservat seit dem die Touristen da sind. Vor dieser Zeit (und stellenweise noch heute) haben die Einheimischen gerne mit Dynamit oder mit dem Gift Cyanid gefischt. Nun gilt es als Verboten. Der Tourismus soll langfristig eine alternative Einnahmequelle für die lokale Bevölkerung werden, denn die Anker der Touristenboote sind das deutlich kleinere Übel. Eigentlich ein großer Schritt für die faszinierende Unterwasserwelt des Komodo Nationalparks. Nichtsdestotrotz erleben wir hier die direkten Auswirkungen unseres Besuchs in dieser zerbrechlichen Landschaft.

 

Von Insel zu Insel

Mitten im türkisblauen Wasser entdecken wir eine kleine Sandbank und legen dort zum Schnorcheln an. Die kleine Insel gehört für einen halben Tag nur uns alleine, Robinson Crusoe Gefühl inklusive. Unser persönliches Paradies haben wir hiermit gefunden. An dieser Stelle lassen wir lieber die Bilder für sich sprechen.

 

Für eine weitere Nacht geht es zu einer anderen geschützten Bucht. Wir genießen unseren letzten Sonnenuntergang auf offener See, während uns die Wellen sanft in den Schlaf schaukeln.

 

Den letzten Tag verbringen wir ausschließlich mit Schnorcheln, und das inmitten einer der faszinierendsten Landschaften, die wir auf unserer Reise erleben durften. Dann bringt uns das Boot wieder zurück in die Realität. Viel zu schnell sind drei wundervolle Tage vergangen. Selbst an die stets salzige Haut haben wir uns inzwischen gewöhnt. Unser kleiner Ausflug bleibt uns als ein einmaliges Erlebnis in Erinnerung.

 

Gestrandet in Labuhan Bajo

Wer unsere Reise schon länger verfolgt, wird vielleicht mitbekommen haben, dass wir unsere Pläne des öfteren verwerfen, bzw. selten festlegen wollen, was als nächstes passiert. Manche mögen es verplant nennen, wir benutzen lieber den Begriff „spontan“. So haben wir auch diesmal lieber keinen Rückflug nach Bali gebucht. Die perfekte Grundlage für Überraschungen? In der Tat. Jonas bekommt einen neuen Job, welchen wir nicht sausen lassen wollen. Aber alle Flüge nach Bali für die nächsten Tage sind ausgebucht. Für eine knappe Woche sitzen wir in Flores fest – eine Insel, welche nicht unbedingt für eine gute Netzabdeckung bekannt ist. Immerhin haben wir einen Laptop dabei.

 

Flores' einzigartige Natur werden wir uns also für eine andere Reise aufsparen müssen. Stattdessen wird nun ein überteuertes Hotelzimmer mit Luftschneise zum Funkturm unser Arbeitsplatz und Zuhause für die nächsten Tage. Die lahme Internetverbindung, gepaart mit häufigen Stromausfällen, erinnern uns sehr an die Zeit in Südsumatra. Nur sind wir diesmal zuversichtlicher, dass am Ende alles gut wird. Immerhin haben wir damit ein gutes Timing, um ausgerechnet hier und jetzt Coco und Olli zu treffen. Die Beiden queren gerade Indonesien auf dem Weg nach Ost Timor. Seit dem ersten Treffen nahe Kuala Lumpur sind einige Monate vergangen. Abends besprechen wir bei einigen Bier das Erlebte und tauschen Informationen aus.

 

Obwohl wir uns in Labuhan Bajo nicht unbedingt wohl fühlen, fangen wir auch an die schönen Seiten dieser Stadt zu entdecken. Die Aussicht zu der großen Bucht, als Ankerplatz vieler Segelschiffe von überall auf der Welt, hat eben einen gewissen Scharm, auch wenn nicht alles Gold ist, was in den letzten Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne glänzt.

 

Außerdem haben wir uns für einen weiteren Tagesausflug mit zwei Tauchgängen angemeldet. Es soll ein krönender Abschluss für diesen interessanten Teil der Welt werden. Und das wird es auch: Beim ersten Tauchgang erfüllt sich Ellens Traum gemeinsam mit Meeresschildkröten zu schwimmen (ernsthaft, es waren mindestens zwanzig Exemplare); der zweite Tauchgang überrascht uns mit drei Manta-Rochen, die für einige Minuten unsere Köpfe umkreisen. Dieses Erlebnis geht unter die Haut, brennt sich in unsere Köpfe. So bereuen wir nicht, unsere Kamera im Hotel gelassen zu haben. Manchmal ist es eben wichtiger bewusst zu erleben, statt durch die Linse auf die Welt zu blicken.

 

Letztendlich können wir guten Gewissens behaupten, dass wir eine super Tauchschule auf Pulau Weh genießen durften. Diese neue Fähigkeit ermöglicht uns wortwörtlich das Eintauchen in neue unbekannte Welten und eröffnet eine neue Dimension für unsere Reise.

 

Einen letzten Blick werfen wir durch das kleine Flugzeugfenster auf die zerstreute Inselwelt des Komodo Nationalparks. Nun, zurück auf Bali, geht es überwiegend um den Ernst des Lebens. Es gilt eine Verschiffung nach Australien vorzubereiten und Geld dafür zu verdienen. Doch genau diese Erlebnisse sind es, wie wir sie eben in Flores hatten, die uns antreiben weiter zu machen.