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Hallo, Mister! – Die Herausforderungen Süd Sumatras

Indonesien

Asien 2014-2016

Kennt ihr das, wenn man aufwacht und nicht mehr ganz genau weiß, wo man ist? Nun, uns passiert das recht häufig. Insbesondere wenn wir uns, wie gerade, dauernd von Ort zu Ort bewegen. In Asien sind wir schon lange – Laos, Kambodscha, Thailand oder Malaysia – im Grunde haben alle Länder doch etwas Gemeinsames. Das erste „Hello, Mister!“ schießt wie ein Reflex aus dem Mund eines vorbeilaufenden Asiaten, sobald wir vor die Türe treten. Jaja, verstanden, wir sind in Sumatra.

„Hello, Mister!“ – aus jeder Ecke schallt es. Dabei wird bei Mann oder Frau kein Unterschied gemacht, auch Ellen sammelt fleißig „Hello Mister‘s“. Meistens folgt diesem inzwischen lästigen Ausruf die Frage: „Selfie?“. Wir fragen uns ernsthaft, was es für einen Sinn für sie macht, ein Bild mit einem verschwitzten Ausländer auf Instagram zu posten. Doch solange sie dabei freundlich sind, lassen wir die Prozedur jedes Mal über uns ergehen. Offensichtlich gehört es zur indonesischen Kultur.

Bisher war das alles nett, und irgendwie sogar lustig, doch das soll sich in nicht allzu ferner Zukunft ändern.

Visaverlängerung in Bukittingi

Wir sind in Bukittinggi zwecks Verlängerung unserer Social Budia Visa. Das ist eine durchaus komplizierte und anstrengende Prozedur. Eine bürokratische Hölle, um genau zu sein. Drei Mal muss man im Immigrations-Büro (Imigrasi) auftauchen: Zuerst zum Antrag stellen, einige Tage später zum Bezahlen und Fingerabdrücke abgeben, und schließlich, um die Pässe abzuholen. Das alles wäre, abgesehen von nervig, nicht weiter schlimm, wenn wir nicht zusätzlich für den Antrag einen „Sponsor“ benötigten würden. Das muss eine indonesische Person sein, die in dem Landkreis der gewählten Imigrasi wohnt, einen Personalausweis besitzt, einen halben Tag seines Lebens mit Bürokratie verschwenden will, und bereit ist für uns zu bürgen.

Wir frühstücken in der netten Kneipe, in welcher wir am Tag zuvor den Abend mit toller Live-Musik und einigen Bier ausklingen lassen haben. Hier sprechen die Leute dank gemäßigtem Tourismus wirklich gut Englisch. Der Bruder des Besitzers, Syriahl, und eine Freundin von ihm bekommen mit, dass wir ein Problem haben. Zusammen besprechen wir die Lage und kaum zehn Minuten später sitzen wir alle zusammen bei uns im Auto, auf dem Weg zur Imigrasi. Sie haben einfach beschlossen uns zu helfen.

Die Anträge sind, dank der großartigen Hilfe von den beiden, schnell durch. Auf die Frage, warum sie uns geholfen haben, bekommen wir eine erstaunlich einfach Antwort: „Wir hatten einfach ein gutes Gefühl bei euch.“ – Wow! Wir fühlen uns sehr geehrt, dass jemand so viel Vertrauen in uns hat. Sie wissen eigentlich so gut wie gar nichts über uns. Bauen wir Scheiße oder würden in einen Unfall verwickelt werden, müsste der Sponsor für uns einstehen, sowohl finanziell als auch rechtlich. Wer in Deutschland würde das für einen Ausländer machen? Würden wir das an ihrer Stelle tun?

Wir verbringen noch einige Tage in der netten Kleinstadt. Die Stammkneipe wird fast zu unserem Zuhause. In der Zwischenzeit haben wir uns mit der halben Crew des De Cock Café angefreundet. Ein bisschen hat uns das schon seit einiger Zeit gefehlt: einen Freundeskreis zu haben, Gespräche führen zu können und zwar mit Einheimischen, sich über das Leben und die Welt unterhalten.

See Maninjau und der Abschied von Bukittinggi

Es stehen Feiertage bevor. Alle Hotels sind bis zum letzten Zimmer ausgebucht, so müssen wir Bukittinggi für einige Tage verlassen. Wir holen unsere Pässe von der Imigrasi und fahren direkt zu dem 40 km entfernten Vulkansee Maninjau, welcher als der kleine Bruder des Toba-See bekannt ist. Sumatras berühmteste Straße führt zu dem schönen Ort, welche den Namen „44“ trägt, denn ebenso vielen Serpentinen-Kurven zählt sie. Es ist eine super steile Abfahrt, bis man letztendlich im Krater ankommt. Erneut ist es eine faszinierende Landschaft mit wunderschönen Sonnenuntergängen und einer angenehmen Ruhe. Inzwischen haben wir einige Arbeits-Aufträge bekommen und nutzen diese Ruhe zum Arbeiten.

Als wir, zurück in Bukittinggi, in unserem Hotel ankommen, steht eine Frau in der Lobby mit einem echten Gibbon auf dem Arm. Er trägt Hosen und fährt bei ihr auf dem Moped mit. Die Zoo-Besitzerin will so neue Gäste zum Tierpark locken. Obwohl es sich irgendwie falsch anfühlt, kommen wir nicht umhin, diesem schönen Tier näher zu kommen – die Gelegenheit hat man nicht jeden Tag. Unsere Freunde im Café sagen, die Frau sei verrückt und der Zoo stinkig und schmutzig. Die Indonesier haben einfach kein Bewusstsein für Tierschutz und Sauberkeit. Selbst Hotels für westliche Touristen sind höchstens Sumatra-sauber, auch für unsere überaus minimalen Ansprüche. Wie wird es dann wohl in den Tier-Käfigen aussehen? Das wollen wir erst gar nicht wissen.

Bukittinggi ist mittlerweile zu unserer Lieblingsstadt auf Sumatra geworden. Wir spazieren durch die Märkte und Gassen, probieren das weltberühmte Rendang-Rind, und hängen im De Cock Café mit unseren Freunden ab. Doch langsam müssen wir auch diesen Teil der Reise hinter uns lassen, um weiter in den Süden zu kommen. Sumatra zieht sich.

Der Abschied fällt allen sichtlich schwer. Natürlich bekommen wir einige Tipps mit auf den Weg: West Sumatra, die Provinz, zu der auch unser nächstes Ziel angehört, soll der letzte schöne Abschnitt in Sumatra werden. Weiter im Süden ist die Landschaft rau, die Menschen gefährlich. Wir dürfen auf keinen Fall im Auto übernachten oder in der Nacht fahren. Anscheinend ist Straßenpiraterie auf vielen Streckenabschnitten verbreitet. Selbst Einheimische sollen nicht alleine fahren, sondern nur im Konvoi. Hm, das sind ja schöne Aussichten.

Die Fahrt nach Kirinci

Wir fahren weiter durch die Berge, in die Nähe des großen Kirinci-Vulkans. Eigentlich wollen wir dort weder wandern, noch irgendetwas anschauen, sondern ein nettes Plätzchen zum Arbeiten finden. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob wir den Ratschlägen über die Sicherheitsmaßnahmen beim Weiterfahren großer Bedeutung beimessen sollen. Aber vielleicht ist ja doch was dran?! Somit bilden wir einen unauffälligen Konvoi mit Michael auf dem Motorrad, der mit uns zusammen sein Visa verlängert hat. Ob das was bringt.

Es soll eine gemütliche Tagesetappe von 180 km werden. Eigentlich. Doch je weiter wir uns von Bukittinggi entfernen, desto mehr Schlaglöcher durchsetzen die Straße. Bei einem Tankstopp bemerken wir, dass unser Trinkwasserkanister umgefallen und die halbe Wohnkabine geflutet hat. Scheiße, den haben wir wohl nicht richtig befestigt! Unter Beobachtung des halben Tankstellen-Personals versuchen wir die Feuchtigkeit so gut es geht zu beseitigen. Viele Sachen sind tropfnass, Holz-Interieur und -Wände haben Wasser gezogen. Im tropischen Klima bedeutet das Schimmel-Gefahr. Wenn wir jedoch unser Ziel noch heute erreichen wollen, müssen wir weiter fahren und uns später mit der Misere beschäftigen.

Vor uns liegen nur noch 30 km und es fängt bereits an zu dämmern. Natürlich hält die Dämmerung in den Äquator-Gegenden nicht so lange an, wie in Europa. Nach zwanzig Minuten ist es bereits Stockdunkel. Wir fahren enge Serpentinen mit einer stattlichen Schlaglochfrequenz. Es regnet in Strömen. Bei entgegen kommenden Fahrzeugen müssen wir fast immer halten, denn Platz zum Ausweichen gibt es nicht. Mit der beachtlichen Geschwindigkeit von 10 km/h schleichen wir mehr als drei Stunden durch die Dunkelheit – „Wie sind wir hier gelandet? Das sollte doch nur eine kurze Halbtages-Fahrt werden! Und gelten die Vorsichtsmaßnahmen schon ab hier?“ – Wir checken in das erste Hotel ein, das wir sehen.

Die Unterkunft hat leider kein WLAN und auch keinerlei Fressbuden in der Nähe – schlecht für einen Arbeitsaufenthalt. Fünfzig Kilometer weiter ist eine größere Stadt, dort hoffen wir eine passende Infrastruktur zu finden. Am nächsten Morgen fahren wir weiter und brauchen erneut mehr als zwei Stunden für diese kurze Distanz.

Eigentlich ist die Gegend sehr schön: weite Teeplantagen und der Kirinci-Vulkan im Hintergrund. Doch der Öko-Tourismus hat hier noch keinen Einzug erhalten. Die Menschen leben in Dreck und Armut. Wir quartieren uns in einem Hotelzimmer ein und arbeiten. Als wir abends zum Essen raus gehen, hören wir zum ersten Mal: „Hello Mister, Fuck You!“.

Zeitfressende Straßen

Eine steile, kurvige Dschungelstraße führt zur Westküste, die laut Einheimischen noch schlimmer sein soll, als der Weg nach Kirinci. Da unsere Erwartungen tief liegen, sind wir positiv überrascht – die Straße ist lediglich genauso schlimm. Zumindest fahren wir diesmal bei Tageslicht, was deutlich besser ist.

Zurück an der Küste sind die Straßen zwar besser, dafür macht uns nun die Hitze fertig, die wir inzwischen nicht mehr gewohnt sind. Bei einem Tankstopp bemerken wir, dass unser Dieseltank erheblich leckt. Also heißt es: „Fahren, fahren, fahren!“ – einen vollen Tank können wir nicht reparieren.

Das mit den besseren Straßen hat sich schnell gegessen. In periodischen Abständen sind Straßenbarrikaden aufgestellt, oder der schlechte Straßenbelag stellt eine natürliche Barriere dar. An solchen Stellen stehen Männer, die für die Durchfahrt Geld kassieren. Diese Männer sind nicht zu vergleichen mit denen, die an einer im Bau befindlichen Moschee stehen, oder an einer Baustelle den Verkehr regeln. Nein, es sind zwielichtige Gestalten, die einfach nur dein Geld wollen – teilweise alle zwei Kilometer. Irgendwann spielen wir nicht mehr mit, stellen uns blöd und winken freundlich beim Vorbeifahren, anstatt einen Schein zu überrechen.

Wir suchen nach einer Erklärung für dieses Verhalten. Nur eines können wir feststellen: Je ärmer das Dorf erscheint, desto mehr Straßensperren werden errichtet. „Vielleicht verdienen sie sich auf diese Art ihr Arbeitslosengeld?“ – natürlich dürfen wir die Menschen nicht verurteilen, welche in ihrem Land keinerlei soziale Leistungen zu erwarten haben. Was sollen sie hier in den Dörfern auch machen? Es gibt einfach nicht genug Arbeit.

Über den Süden findet man kaum Informationen. Scheinbar sind wir die einzigen Langnasen, die sich hierher verirrt haben. Wir sind quasi abseits aller Touristenströme. Doch nicht immer ist es ein paradiesischer Ort, den man vorfindet. Oft gibt es Gründe, warum nichts darüber im Lonley Planet steht.

Wir kommen nicht sehr gut vorwärts. 20 km/h ist unsere maximale Durchschnittsgeschwindigkeit, wenn es gut läuft. An uns ziehen endlose Palmölplantagen vorbei, kleinere Dörfer hier und dort. Alles sieht gleich aus. Wohlmöglich würden wir es nicht einmal merken, wenn wir in einer Zeitschleife gefangen wären und immer durch das gleiche Dorf fahren würden. Dieselben Palmen, derselbe Ozean, die gleiche Straßensperre, tausende von Kilometern. Das ist Sumatras Süden.

Das Hurenhaus-Hotel

Man sagte uns, es sei gefährlich in der Nacht zu fahren. Man warnte uns davor zu campen. Aber wo sollen wir schlafen? Auf dem Weg gibt es nur eine Hand voll Unterkünfte – vielleicht alle 250 km, aber die muss man erstmal schaffen. Auf GoogleMaps ist ein Hotel eingetragen, welches wir in der Dunkelheit erreichen. Nur stellt sich heraus, dass es dort gar kein Hotel gibt. Wir fragen in einem kleinen Laden, das den Koordinaten des Hotels entspricht, ob sie nicht wüssten, wo wir heute Nacht verbringen könnten. Eine nette Frau begleitet uns daraufhin mit dem Roller zu einem Haus, das tatsächlich wie eine typisch indonesische Pension aussieht.

Die Besitzerin spricht ein paar Brocken Englisch und zeigt uns die grottigen Zimmer. Da wir Ausländer sind, bekommen wir einen Spezialpreis (vermutlich das Doppelte des üblichen Wertes). Wir schlagen das zweite Zimmer ab und schlafen doch lieber im Auto. Michael muss sich heute Nacht alleine mit den Bettwanzen herum schlagen. Dann fällt uns auf, dass die Frau einen knalligen Lippenstift trägt und einen Rock, der nicht mal die Knie bedeckt – sehr ungewöhnlich in dieser streng muslimischen Gegend. Eine Gruppe von Halbstarken überrumpelt uns mit Selfie-Anfragen. Einer nach dem Anderen verschwindet daraufhin mit demselben Mädchen auf einem Zimmer. Sie jubeln einander zu, zeigen die Daumen hoch und kichern wie Schulkinder. „Oh mein Gott, das ist gar keine Pension, sondern ein Hurenhaus!“. Jepp, und die Besitzerin die Puffmutter persönlich. Doch was haben wir jetzt noch für eine Wahl?

Am nächsten Morgen gesteht uns Michael, dass er Geburtstag hat. Wir haben ein schlechtes Gewissen und besorgen ein paar Bier, die wir über den Tag im Kühlschrank lagern werden. Die Fahrt wird erneut lange und anstrengend, so kann er sich zumindest auf etwas freuen. Doch zum Glück holen wir an diesem Abend Laura und Chris ein, unsere gemeinsamen Freunde, die ab Lake Toba eine andere Route gefahren sind. So verbringen wir einen schönen gemeinsamen Abend mit Selbsthilfe-Gesprächen über die Herausforderungen Süd Sumatras.

Krui – Schlechte Tage im Surfer-Paradies

Nach sechs anstrengenden Fahrtagen kommen wir an unserem temporären Ziel an, dem Surfer-Paradies Krui. Wir sehen den wunderschönen Ozean, den weißen Sandstrand, die meterhohen Wellen. Eigentlich ist es schön hier. Doch die zurückliegenden 50 km haben uns wirklich den letzten Nerv geraubt: Wir sind überaus erschöpft, durchgeschüttelt von der unaufhörlichen Schlaglochpiste, hatten nur wenig Schlaf und sind hungrig.

Alle Fressbuden an der Hauptstraße sind geschlossen, bis auf eine. Dort gibt es das indonesische Gericht „Mee Bakso“, eine Nudelsuppe mit Fleischbällchen. Der Hunger bewegt uns alle, den Vegetarismus kurz außer Acht zu lassen. Wir nehmen Platz. Auf unserem Tisch landet das Gericht mit einer interessanten Würze: In jeder Suppe kämpfen etwa 30 Ameisen um ihr Leben. Während Ellen versucht die Insekten einzeln heraus zu fischen, stört sich Jonas nicht im Ansatz daran und genießt die Extra-Proteine. Doch nach dem ersten Löffel hat auch er genug, dieses Essen schmeckt scheußlich. „Eine Lebensmittel-Vergiftung ist das Letzte was uns jetzt noch fehlt.“ – Ohne aufzuessen bezahlen wir und gehen. Drei Kekspackungen vom Indomaret sollen den ekligen Geschmack überdecken. Nun brauchen wir dringend ein nettes Plätzchen zum Erholen.

Auch die Begegnungen mit Menschen in Krui sind für uns überwiegend unangenehm. Sie brüllen uns an mit „Bule“ (=Ausländer), zeigen mit dem Finger auf uns, lachen uns aus. Wir fühlen uns wie Affen im Zoo. Hier im Süden sind wir keine Menschen sondern Geldbeutel mit Beinen. Die ganze Situation enttäuscht uns: So lange sind wir hierher gefahren, um fest zu stellen, dass es nicht das Richtige für uns ist. Doch weiter fahren können wir diesmal nicht, wir sind zu kaputt.

Unsere Wahl fällt auf ein überteuertes Homestay, das ausschließlich von australischen Surfern bewohnt wird. So viel haben wir noch nie für eine Unterkunft bezahlt, dabei ist die Qualität nicht wesentlich besser, als im Hurenhaus-Hotel. Doch das Schlimmste ist, dass in Krui die meiste Zeit des Tages der Strom ausfällt. Was die Surfer nicht wesentlich stört, ist für uns ein Desaster: Die Projekte sind bereits am Laufen und wir können nicht arbeiten. Als dann auch noch unser Wechselrichter im Auto den Geist aufgibt und wir nicht mal mehr unsere Laptops laden können, merken wir, wie ausgelaugt wir sind.

Nicht nur bei uns haben die Schlaglochpisten Sumatras ihren Tribut gefordert – Laura und Chris hat es noch schlimmer erwischt. Lauras Motorrad scheint ein massives Problem zu haben. Chris und Jonas basteln den ganzen Abend daran. Irgendwas wird improvisiert, doch eine dauerhafte Lösung ist es nicht. Es reicht lediglich, um in die nächste Stadt zu kommen.

Ende gut, alles gut.

Michael hat die Flucht als erstes ergriffen und ist gleich nach Java weiter gezogen. Wir machen uns erst zwei Tage später auf den Weg. In Bandar Lampung, am Ende von Sumatra, mieten wir uns ein nobles Hotel mit Glasfaser-Internetverbindung, was seinen Preis wert ist. Dort erholen wir uns einige Tage und schließen die laufenden Projekte ab. Laura und Chris sind unserem Luxus-Bedürfnis gefolgt und in das Nachbarzimmer gezogen. Für uns alle ist dies die letzte Station in Sumatra.

Was gibt es also abschließend zu sagen? Für uns wirkt Sumatra wie eine Verschmelzung aus allen asiatischen Ländern, die wir bisher kennenlernen durften: Saftig-grüne Reisfelder und ethnische Dörfer der Bergregionen aus Laos, ewige menschenleere Strände Thailands, die kulturelle Diversität und die muslimische Prägung Malaysias, die Vorliebe für Sing-Vögel in Käfigen Chinas, eine grausame Vergangenheit, ähnlich der in Kambodscha. Thomas bezeichnet Sumatra als "das Indien Südostasiens", wegen der Aufdringlichkeit und den Selfies. Für Chris und Laura ist Sumatra "das Afrika Asiens". Doch das ist nicht alles, was Sumatra zu bieten hat. Es ist all das und viel mehr.

Sumatra war für uns einer der aufregendsten Reiseabschnitte. Nirgends gab es so viele Höhen und Tiefen. Während wir auf der einen Seite paradiesische Orte und freundliche Menschen kennenlernen durften, sahen wir auf der anderen Seite geschichtliche Abgründe, Naturkatastrophen und soziale Missstände, welche sich natürlich auch auf den Umgang mit uns Ausländern auswirken. Sumatra kann schön sein, herausfordernd, aber auch erschreckend. Nach fast drei Monaten sind wir bereit, weiter zu ziehen. Als wir auf die Fähre nach Java rollen, schauen wir der aufregenden Zeit, die wir in Sumatra hatten, wehmütig nach.