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Lost in Paradise

Laos

Asien 2014-2016

Die Mittagssonne steht hoch am Himmel als wir in ein kleines Dorf einfahren, umgeben von einer wunderschönen Landschaft. In der Umgebung sollen sich unzählige Tropfsteinhöhlen, Wasserfälle und Wanderrouten befinden. Zudem ist es ein Kletterparadies und an anderen Aktivitäten, wie Kajak- und Radfahren, soll es auch nicht mangeln. Nicht umsonst ist es ein sehr bekanntes und hoch frequentiertes Reiseziel! Also erstmal rein ins Gewusel. Wir biegen in Richtung Flussufer ab und erhaschen unseren ersten Eindruck: Eine Gruppe betrunkener Falang (nicht-südostasiatische Ausländer) wird mit dem Tuktuk zum „Tubing“ gekarrt – die letzten stechen sich noch schnell die Bierdosen auf, um sie mit einem Schwung in die Speiseröhre zu kippen. Willkommen in Vang Vieng! Denn nicht zuletzt ist Vang Vieng auch mit einem zweifelhaften Ruf als Partymetropole Südostasiens belegt. Qualitativ unterscheiden sich die Feste wohl kaum von denen, die am Ballermann gefeiert werden.

Wir geben uns einen Ruck und lassen uns nicht so schnell abschrecken, obgleich wir noch ausreichend Zeit hätten einige Kilometer weiter zu fahren. In der Hoffnung nur eine schlechte Seite von einem vielseitigen Ort gesehen zu haben versuchen wir unser Glück auf der anderen Seite des Flusses und unsere Neugierde wird prompt belohnt – auf einer Insel im Fluss, etwas außerhalb des Städtchens, finden wir ein ruhiges und günstiges Guesthouse mit Parkmöglichkeit. Irgendwie sind wir hier die einzigen – na und wenn schon, denn lange haben wir nicht vor zu bleiben. Als wir am nächsten Morgen unseren Starter-Kaffee auf der Terrasse unseres Bungalows genießen, sehen wir nebenan einen verkaterten und verschlafenen Laoten aus der Türe treten: „Hey, Buddy!“- ruft er uns zu und grinst bis über beide Ohren. Der Beginn einer längeren Geschichte.

Paradise Camping

Wir beschließen noch einen Tag zu bleiben, damit Jonas ein neues Fensterrähmchen für das Auto bauen kann, welches wir nach dem Verlust in der Ukraine im vergangenen Jahr noch nicht ersetzt haben. Im Garten unseres Guesthouses entdecken wir einen Bambus-Vorrat und finden unserem Defender würde ein bisschen Dschungel-Feeling ganz gut stehen. Jonas zieht los um sich an die Arbeit zu machen und trifft im Vorgarten den Besitzer des Guesthouses, welcher ebenso an einem kleinen Projektchen arbeitet. Es ist kein anderer als der betrunkene Laote von morgens und schnell stellt er fest: „Ouh yes man – we are doin‘ the same kind of work. That’s passion!“. Er bastelt ein neues Schildchen für das Guesthouse, welches die Leute in Scharen hereintreiben soll. Er erklärt, dass die Form der Grundplatte den Umriss Australiens darstellen soll, wo er die letzten zehn Jahre gelebt hat. Darauf montiert werden sollen einige Kunststoffbuchstaben, die den Satz „Welcome to island“ bilden. Jonas macht ihn darauf aufmerksam, dass er ein doch nicht unwichtiges Wörtchen vergessen habe: „No no no!! You are not designing a sign for any island, this is THE island!!! Your garden is beautiful, the place is quiet and relaxing. Point out how nice your place is!“. Phout ist begeistert. Seit zwei Monaten versucht er dieses Guesthouse aufzubauen, verbringt jedoch eigentlich mehr Zeit auf Parties, als hier irgendetwas Sinnvolles zu tun. Er bräuche echt Hilfe, einen Manager, offenbart er uns. In Australien hat er einen Job, eine Frau und dahin würde er am Ende des Jahres auch zurückgehen. Er wisse noch nicht einmal, wer den Laden in der Zeit seiner Abwesenheit führen soll. Das sind natürlich blendende Voraussetzungen für ein gut laufendes Guesthouse und erklärt auch, warum wir erst die dritten Gäste in den ersten zwei Monaten seiner Geschäftstätigkeit sind. So beschränkt sich seine Passion bisweilen wohl darauf ein Schild zu bauen – nundenn, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Im Laufe des Tages fragt Phout vorsichtig, ob wir beide es uns nicht vorstellen könnten, seinen Laden zu führen. Unsere Gedanken kreisen etwas und wir betrachten die Voraussetzungen: Ein traumhaft schöner und riesiger Garten direkt am Fluss, fünf Bungalows und ein Haus. Außerdem ist noch so etwas wie ein großer offener Gemeinschaftsraum vorhanden, wo Tische und Stühle kreuz und quer herumstehen, als einziges Licht ist an der Decke eine grelle Leuchtstoffröhre befestigt – nicht sehr einladend. Eine Bar hat Phout versucht aufzubauen, aber noch nicht fertiggestellt und es gibt noch eine Küche, die vor Dreck stinkt. Zusammenfassend kann man also sagen, dass es dem Ort an Liebe zum Detail fehlt. Wir sehen unzählige Möglichkeiten, mit kleineren Eingriffen diesen Ort heraus zu putzen. Die Lage ist sehr schön und ruhig, weit entfernt von Parties und Krach und trotzdem braucht man bloß fünf Gehminuten in die Stadt. Noch am Abend besprechen wir gemeinsam die Ideen und Konditionen, bei welchen wir uns vorstellen könnten mit zu arbeiten. Es soll für beide Seiten unverbindlich bleiben. Deshalb verzichten wir auf das Angebot, den Gewinn 50/50 zu teilen, wollen nur Kost und Logie. Ohnehin müsste man so viel investieren, dass der Laden in naher Zukunft kaum Gewinn abwerfen wird. So geht es am nächsten Tag gleich los.

Come and stay

Phout stellt sich als ein sehr begeisterungsfähiger Mensch heraus, insgesamt ist er vom Charakter eine sehr feine Natur. Wir verstehen uns blendend und er ist plötzlich wie vom Tatendrang gepackt, hilft überall mit, freut sich über jede neue Idee. In den nächsten Wochen passiert einiges: Ellen malt die Schilder und macht einige Plakate mit einladenden Beschreibungen und es entsteht eine Facebook-Seite. Jonas kümmert sich um die Elektrik, bastelt Lampen in diversen Variationen und verlegt mindestens 100 Meter Kabel. Es wird ein schöner Baum im Garten ausgegraben und eingetopft in die leere Ecke des Gemeinschaftsraumes gestellt und gemütlich beleuchtet. Auch eine simple Buchhaltung etablieren wir, die Bar weihen wir mit einem kleinen Feste ein und eine stattliche Feuerstelle platzieren wir direkt am Fluss. Wir nehmen größtenteils das, was vorhanden ist und kombinieren es neu. Was genau passiert ist, zeigen wir euch in der dazugehörigen Bildergalerie.

Nach und nach wird es hier wohnlicher und nach einer Woche ist es kaum zu glauben, wie sich alles verändert hat. Dies hat natürlich auch positive Auswirkungen auf das Gästevorkommen. Immer mehr Reisende kommen an, die Atmosphäre wird unbeschreiblich familiär. Wir sind fast jeden Tag voll ausgebucht, was unter anderem daran liegt, dass dieser Ort endlich belebt wurde. Die Leute, die hierher kommen, scheinen alle wie vom selben Schlag zu sein, denn alle wollen dem Lärm der Partystadt entfliehen, sind aktiv, trinken aber auch gerne mal ein bis zwei Bier an der neu errichteten Lagerfeuerstelle. Getreu dem neuen Motto „A home away from home“ fühlt sich jeder wie in einer großen WG, auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist. Und immer mehr Leute kommen aufgrund einer Empfehlung von ehemaligen Gästen des Paradise Camping.

Inzwischen sind auch Laura und Chris hier angekommen. Sie bleiben mehr als zwei Wochen und genießen das entspannte Paradies. Sogar Sandra und Markus, die eigentlich schon ein Stückchen weiter gefahren sind, kommen hier vorbei und parkieren einige Tage im Garten als erste Camper, bevor sie nach Thailand fahren müssen. Es scheint so, als wenn alle nur für einen Tag kommen und Wochen hängen bleiben, selbst wenn es vorher andere Pläne gab. Und alle packen mit an, als ob es zum guten Ton gehört mit zu helfen. Auch organisieren wir einige Grillabende, bei welchen sich ebenso viele Gäste mit einbringen – die Gemeinschaftsküche ist wirklich ein Erfolgskonzept. Es wird für alle zu etwas Besonderem, ein aktives Guesthouse.

Run for visa and one day in nirvana

Bereits seit drei Wochen sind wir nun hier und fühlen uns immer mehr wie zu Hause. Unsere Ausflüge in dieser Zeit belaufen sich auf null. So sind wir froh, als unser Visa ausläuft, welches wir durch einen kleinen Ausflug nach Thailand erneuern wollen und in dem Zuge doch noch einen Ausflug zu dem See Nam Ngoum unternehmen. Dieser war nämlich unser eigentliches Ziel, bevor wir in Vang Vieng hängen geblieben sind. Auf dem Rückweg von der Hauptstadt Vientiane, wo wir fast dreist nur einmal um den Grenzposten laufen, um ein neues Visa on arrival zu beantragen, treffen wir uns mit Laura und Chris beim Nirvana Guesthouse. Dieses liegt abseits des verschlafenen Fischerdorfes Tha Heya, direkt am Ufer eines großen Stausees.

Das geräumige Gelände ist von dem französischen Besitzer sehr liebevoll gestaltet worden. Doch das ist nicht das Besondere an diesem Ort. Denn der Franzose kümmert sich rührend um bedrohte Tiere, wie Affen, Leopard-Katzen und Vögel, die von den Laoten misshandelt wurden oder anderenfalls als Gericht auf dem Tisch landen würden. Die Laoten essen einfach alles. Das, was auf den Tisch kommen soll, holen sie sich einfach aus dem Dschungel, oder auch mal aus den Käfigen des Franzosen. Eigentlich sind die Menschen in Laos sehr friedlich und Diebstahl kommt so gut wie nicht vor, doch der Besitz von Haustieren scheint ihnen unbekannt zu sein. So haben sie bereits zwei Adler aus dem Besitz des Nirvana Guesthouses geschossen, und einige Affen.

Die eigenartigen Essegewohnheiten der Laoten sind uns bereits auf den lokalen Märkten aufgefallen, die wir durch unsere Tätigkeit in Vang Vieng fast täglich besuchen. Das, was da angeboten wird, würde ein europäischer Gaumen eher nicht aussuchen: Ratten, tropische Vögel, Schlangen und anderes ungewöhnliches Getier. Viel schlimmer ist noch der Anblick von Tieren, die vermutlich vom Aussterben bedroht sind. Wenn es ums Essen geht, kennt ein Laote keinen Tierschutz – oder mangelt es da nur an Aufklärung?

Nachdem wir einen Ausflug mit dem Boot zu einer Insel unternehmen, die der Franzose gekauft hat, um dort Affen aus zu wildern, machen wir noch einen Rundgang auf dem Gelände und besichtigen die anderen Tiere in Käfigen. Es sei zu ihrem eigenen Schutz, meint er, denn er versuche schon seit fünf Jahren den Einwohnern sein Anliegen zu erklären – bei den meisten scheint es wirklich an Verständnis zu mangeln. Wenn er bei seinem Metzger jeden Tag für fünf Euro Fleisch für seine Leopard-Katzen einkauft, kommt jedes Mal die verständnislose Frage, warum er die Katzen nicht einfach esse, anstatt auch noch Geld in sie zu investieren. In einem kleinen Gehege wohnen kleine Affenkinder, die er aus einer grausamen Haltung befreite, einem Affen fehlt zum Bespiel eine Hand. In einem anderen Käfig versteckt sich ein zu 90% blinder Leopard, der in der Wildnis wohl nicht lange überleben würde. Auf der Insel wohnen 5 Affen als Familie ein freies und artgerechtes Leben. Gerade baut er für alle seine Schützlinge ein größeres Gehege auf. Bezahlt wird aus der eigenen Tasche.

Beeindruckt fahren wir bei Sonnenuntergang zurück nach Vang Vieng, in unser Paradise Camping, um dort noch einen weiteren Monat zu bleiben.

Feststimmung

Hier geht das Leben wie gewohnt und stressfrei weiter. Eine ganz neue Schar an Leuten hat hier ihr Lager aufgeschlagen, mit welchen wir uns besonders gut verstehen. Zum Geburtstag von Phout organisieren wir erneut ein großes Grillfest und sitzen sehr lange zusammen am Lagerfeuer. Irgendwie motivieren sich alle dabei gegenseitig, länger zu bleiben, sodass unsere Truppe für das Weihnachtsfest bereits eine Woche vor Weihnachten fast komplett ist! Aber die Tage vergehen hier ohnehin wie im Flug – jeder Tag verläuft gleich, jedoch gleich gut, eben im Kreis von ganz tollen Menschen. Wir vermissen gar keine Abwechslung, wir genießen jede einzelne Stunde.

Am Heiligen Abend tischen wir alle ganz besonders auf – es gibt Semmelknödel, Pilzsoße, Nudelsalate, Curry, spanisches Kartoffelomlett und ganz viele andere Leckereien, die im Grunde nichts Besonderes sind, solange man in Deutschland ist – aber wir alle vermissen heimische Gerichte! Wir decken eine große Festtafel im Garten nahe der Feuerstelle und die Jungs basteln einen großartigen Weihnachtsbaum. Fast kommt tatsächlich eine besinnliche Stimmung auf, wenn es nur nicht 30° Celsius wären. Ungehindert dessen tragen wir alle unsere Weihnachtsmützen, um für unsere Freunde daheim ein weihnachtsmäßiges Gruppenfoto zu modellieren. Am Abend dient uns die Lagerfeuerstelle wie gewohnt als ein längerer Aufenthaltsort für die Nacht!

Als Weihnachtsgeschenk zum ersten Feiertag ziehen wir alle zusammen los zum Tuben. Tubing ist eine für Vang Vieng typische und sehr negativ belastete Aktivität, bei welcher man mit einem aufgepumpten Autoreifen am Fluss entlang treibt, um sich auf einer natürlichen und langsamen Art die exotische Landschaft anzuschauen. Für die meisten Touristen stand jedoch vor einigen Jahren noch etwas ganz anderes im Vordergrund. Über 25 Bars befanden sich einst entlang der 4 km langen Strecke, bei welchen meist noch sehr junge Touristen exzessive Sauf- und Drogenorgien feierten. 2011 zählte die Regierung 27 Tote durch Tubing.

Vor zwei Jahren hatte diese Aktivität ihren Wendepunkt: Die Regierung hat erkannt, dass Tote schlecht für das Geschäft sind und die meisten Bars geschlossen, der Drogenkonsum ist ohnehin untersagt. Einige Bars sind noch geöffnet, die augenscheinlich immer noch nicht ganz unserem Geschmack entsprechen. Es ist schon ein sehr ungeheuerlicher Kontrast, die lauten Parties inmitten eines eigentlich ruhigen Naturerlebnisses. Natürlich trinken auch wir ein paar Bier beim Vorbeitreiben an laut schallender und dazu schlechter Technomusik, verstehen aber nicht, wie man bei dieser langsamen Strömung sterben kann – man müsste schon komplett weggeballert sein, nicht einfach betrunken! Für uns jedenfalls war es ein großartiger Spaß und ebenso eine gute Gelegenheit, sich so von unseren neuen Freunden zu verabschieden, die am nächsten Tag weiter ziehen.

Konsum, Korruption, Kommunismus

Wenn man sich länger an einem Ort aufhält, fallen einem Dinge auf, die bei einem kurzen Partybesuch wohl eher nicht ins Auge springen – oder vielleicht doch? Sehr komisch ist es für uns zu sehen, dass man in vielen Bars auf der Speisekarte neben den normalen Drinks und Cocktails auch ganz spezielle Mixturen erwerben kann: Mushroom-Shakes, Marihuana, Opium oder Amphetamin werden auf einer speziellen Speisekarte recht offen angeboten. Viele Touristen fallen darauf rein, weil man sich das Zeug einfach an der Bar besorgen kann. Doch der Schein der Legalität trügt: Drogenkonsum ist hier verboten und wird hart bestraft. Wenn du dich erwischen lässt, wirst du sehr glücklich darüber sein, lediglich mit 500 Euro Geldstrafe davon zu kommen. Mindestens drei Monate Knast sind durch das Gesetz eigentlich vorgeschrieben, was natürlich für keinen Westler in Frage kommt. Auch die korrupte Polizei sieht die Geldstrafe lieber, die selbstverständlich in die private Tasche der Beamten wandert.

Wie kann es sein, dass die Bars das Zeug so offen verticken können? Die Antwort liegt auf der Hand: Die Polizei verkauft die Drogen selbst oder lässt sich zumindest sehr gut dafür bezahlen, um zunächst weg zu sehen. Oft hören wir von Fällen, wo der Käufer von illegalen Substanzen dennoch verfolgt und daraufhin hochgenommen wird. So ein doppeltes Geschäft ist wohl sehr lukrativ für alle, nur nicht für die naiven Touris. Auch erfahren wir, dass die Polizei einige lokale Einwohner mit Handys ausstattet. Ein kostenloses Mobiltelefon und ein paar Dollar für jeden Anruf mit Informationen über Verdächtige ist scheinbar eine gute Einnahmequelle für die meist sehr ärmliche Bevölkerung. Es fühlt sich sehr eigenartig und gruselig an, wenn man sich vorstellt, dass der nette Nachbar von nebenan dich beobachten könnte, egal ob du was am Stecken hast oder nicht.

Wir fühlen uns nach so einer langen Zeit hier teilweise unwohl, denn auf unserem Touristen-Visum ist ausdrücklich vermerkt, dass das Arbeiten verboten ist. Und „Arbeiten“ kann man auf vielerlei Arten interpretieren. Ein Arbeitsvisum zu bekommen ist kaum möglich, langwierig und teuer und kommt für uns nicht in Frage. Für uns bedeutet Arbeit, Geld im Austausch für seine Tätigkeit zu bekommen. Nach unserer Definition arbeiten wir nicht, sondern helfen einem Freund. Doch wie sieht es ein korrupter Polizist im Zweifelsfall? Zum Glück müssen wir es nie herausfinden. Aber wir sind vorsichtiger geworden, seitdem wir von der gegenseitigen Bespitzelung durch Nachbarn erfahren haben. Uns bindet diese Tatsache natürlich in gewisser Hinsicht die Hände. Wir ziehen es vor die Klappe zu halten, wenn hier etwas vor sich geht, was einen Eingriff bedarf – Leute vom Grundstück verweisen, zum Beispiel. Denn wer weiß, ob nicht als nächstes unser Freund und Helfer die Pässe sehen will und sie erst im Austausch gegen eine wahnwitzig hohe Summe wieder herausrückt. Laos ist seit 15 Jahren eine Republik, doch diese private Spionage erinnert doch zu sehr an den Kommunismus, welcher noch nicht gänzlich verschwunden zu sein scheint. Eigentlich sehr schade.

Ein Franzose, der hier in Vang Vieng seit ca. zehn Jahren ein Guesthouse betreibt, antwortet uns auf die Frage, wie er es hier so lange aushält, folgendermaßen: „Ich kann eine Bar aufmachen, ohne eine Genehmigung dafür zu haben, genau so geht es mit allem. Ich kann Feuer machen wann ich will und wo ich will. Für gar nichts wird eine Lizenz benötigt. Und ich muss keine Steuern zahlen.“ Er riecht sozusagen nach Freiheit, nach dem Kadaver des Kommunismus. Und hier schließt sich der Kreis. Es sieht so aus, als wenn hier keiner Steuern zahlt. Es existiert auch keine kontrollierende Instanz, jeder macht was er will. Es gibt keine Straßennamen, kein Mensch kennt Buchhaltung. Wie soll die laotische Regierung Straßen bauen, Schulen aufrechterhalten, oder die Staatsmitarbeiter, wie die Polizei, bezahlen? Wir haben überhaupt keine Idee woher das Geld kommen soll. Viele Fragen bleiben offen.

Ende und Neuanfang

Dann kommt der Tag, an dem Phout tatsächlich aufbricht. Dieser Tag ist sehr einschneidend für all unsere folgenden Pläne. Ist der Besitzer nicht vor Ort, werden wir vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Wir sprechen kein Lao und sobald es um offizielle Angelegenheiten geht, können wir nicht handeln, da wir nicht offiziell auftreten können. Außerdem hat Phout selbst mit seiner offenen und freundlichen Person einen erheblichen Teil zu der Atmosphäre im Paradies beigetragen. Wir vermissen ihn bereits am ersten Tag seiner Abwesenheit.

Wir fahren zunächst nach Vientiane, um in der Hauptstadt das Jahr, an dem wir unsere Weltreise gestartet haben in Gesellschaft von Laura und Chris, die wir inzwischen sehr lieb gewonnen haben, ausklingen zu lassen. Mit ihnen verbringen wir ein ruhiges und sehr lustiges Silvester und schaffen es die wenigen Raketen, die die Laoten für die Ausländer in den Nachthimmel feuern, zu sehen – das laotische Neujahr wird im April gefeiert. Es ist ein sehr besonderer Abend und die drei Tage Aufenthalt empfinden wir wirklich als Urlaub. Durch den gewonnenen Abstand merken wir, dass wir weiter ziehen wollen.

Noch für eine letzte Woche kommen wir zurück in das Paradise Camping, versuchen den Laden am Laufen zu halten und das funktioniert durchaus gut, doch die Motivation sinkt und sinkt. Wir haben versucht uns mit den neuen Gegebenheiten an zu freunden, jedoch stehen wir vor Schwierigkeiten, die wir alleine nicht lösen können. Wir versuchen alles, um die Zukunft dieses tollen Ortes zu sichern. So bereiten wir das Personal vor, den Laden alleine zu führen und übergeben unsere Aufgaben hoffentlich gut. Laos ist ein tolles Land, nur deswegen sind wir so lange hier geblieben – die Ruhe und Gelassenheit der Menschen und die freundliche Mentalität werden wir sehr vermissen. Von den Laoten, so haben wir das Gefühl, können wir vieles lernen was zum Beispiel Zufriedenheit und Glück anbelangt. Es scheint das genaue Gegenteil zu der westlich geprägten Highspeed-Gesellschaft zu sein. Hier treffen wir wahnsinnig viele sehr zufriedene Menschen, die teils kaum etwas besitzen und mit sehr wenig zufrieden sind. Eine Zufriedenheit, die nicht durch eine bewusste Entscheidung gegen den materiellen Überfluss entstanden ist. Das lässt sich freilich nicht auf jeden Laoten übertragen und es gilt zu differenzieren zwischen immer grinsenden und heimlich frustrierten Menschen und denen, die das Leben in vollen Zügen genießen. Unsere Erfahrungen sind hauptsächlich äußerst positiv.

Bald werden wir weiter ziehen. Der Norden Thailands wartet auf uns – ein neues Jahr, ein neues Land, ein neues Abenteuer. Aber wir kommen wieder, um auch noch den Süden von Laos zu erkunden! Wann? Das wissen wir noch nicht! Das nächste Jahr wartet auf uns, und es wird voller Überraschungen sein – das ist das einzige, was wir gerade mit Sicherheit wissen und wir freuen uns darauf. Wir werden berichten, wo wir als nächstes hängen bleiben.