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Der Ruf der Karpaten

Osteuropa 2013

Bună Seara, guten Abend und Moin, 

gut und munter finden wir eine Gelegenheit euch ein Lebenszeichen zu übersenden. Wir sitzen gerade auf einem Campingplatz (natürliches Internet ist bisweilen noch schwer zu finden) in den transsilvanischen Alpen aka Karpaten, genauer im Gebiet Königstein, und freuen uns über einige Geschehnisse aus den letzten zwei Wochen zu berichten:

Die Anfahrt

Nach einem absolut hektischen Tag - die Abreise sollte ja schließlich auf jeden Fall am Montag stattfinden - voll mit "letzten kurzen" Vorbereitungen und Auto-Schraubereien haben wir es tatsächlich geschafft aufzubrechen. Pünktlich um 21 Uhr Ortszeit ging es los mit dem neuen Tagesziel: München. Dort erwartete uns ein gutes Lagerfeuer  im Garten von Gabi (Mitstudentin von Ellen) und Tian. Ausgeschlafen und die Karre gut bestückt ging es von dort aus weiter in Richtung Österreich, wo wir abends völlig geschafft an dem Neusiedler-See kurz hinter Wien fast von den dort ansässigen Mücken zerfleischt wurden. Aber so schnell sollte unsere Reiselust doch nicht gebremst werden. Also ging es flott weiter über die Grenze nach Ungarn mit seinen unendlich weiten Sonnenblumenfeldern, wo wir abends einige romantische Stunden in Budapest verbringen und gute ungarische Küche genießen konnten.

Bis hierher sind wir sehr gut durchgekommen, die Straßen eine wahre Pracht, mit Englisch konnten wir uns gut verständigen. Das sollte sich in den kommenden Tagen ändern. Am Donnerstag überquerten wir also die Grenze in das Land, welches wir nicht einfach nur durchqueren wollten: Rumänien. Das Straßenleben änderte sich schlagartig. Waren doch in Deutschland und Österreich nur Busse unsere natürlichen Feinde, mit denen man sich bergauf Kopf-an-Kopf-Rennen leisten musste, waren es ab sofort Eselskarren, riesige Schlaglöcher und vor einem platzende LKW-Reifen, denen man unaufhörlich ausweichen musste. Die Straßen deutlich enger, alle überholen in Kurven, plötzlich auftauchende Fußgänger und Fahrradfahrer lassen ein vorrausschauendes Fahren unmöglich werden. Kurzum: Die Überlebenschancen auf der Straße sinken spürbar. Wir erreichen niemals das Niveau von Kairo, doch das ist weltweit vermutlich auch ungeschlagen. Trotz unserer abgehärteten Gemüter mussten wir diesen Kulturschock erst einmal auf einem Dorfcampingplatz verdauen, wo wir von Hundegeheul aus umliegenden Dörfern sanft in den Schlaf gesungen wurden.

Ab in die Karpaten

Da unsere Recherche im Voraus ergeben hatte, dass Kartenmaterial für Rumänien nur schwer zu finden sei, freuten wir uns umso mehr in der touristisch erschlossenen Stadt, ehemalige Kulturhaupstadt Europas, Sibiu (Hermannstadt) eine Detailkarte bzgl. des Fagaras-Gebirges zu finden. Um uns von den Strapazen der Stadt und der langen Fahrten zu erholen, zogen wir direkt los in Richtung Berg und fuhren hoch bis auf ca. 1000m ü. NN, von wo aus wir unsere ersten Wandertouren starteten. Wir hatten direkt mit sehr starken Aufstiegen zu kämpfen, was Ellen die Eingewöhnungsphase in das Wandern etwas raubte und sie direkt zum fortgeschrittenen Wanderer geschlagen wurde.

Am vergangenen Mittwoch haben wir dann beschlossen die Seite der Karpaten von Nord nach Süd zu wechseln und fuhren über den Trans-Fagaras-Pass, eine beeindruckende Straße zur Überquerung des Fagaras, auf die Südseite der Berge, da diese Gegend nur noch sehr dünn besiedelt ist und einige Schotterpisten bis sehr hoch in den Berg (ca. 1600m ü. NN) führen, sodass wir schöne Tagesrouten planen konnten. Hier stachen wir mit dem Schlauchboot zur Jungfernfahrt in See und konnten ein wenig Angeln, die Seele in Seen baumeln lassen und einfach ein wenig ausspannen. Nach kurzer Verschnauf-Pause starteten wir dann zu einer Gipfelwanderung auf den Moldoveanu (der höchste Berg Rumäniens), welcher mit etwas mehr als 2500m ü. NN natürlich eine unvergesslich schöne Aussicht bot (s. Fotos).

„Berg-Rumänen“

Nach dieser Gipfelwanderung suchten wir vollkommen erschöpft unser Lager am Rande eines Flusses auf 1600m Höhe auf, doch die erhoffte Erholung sollte ausbleiben. Einige Rumänen (ca. 8-10 Leute zwischen 23 und 32 Jahren) hatten sich nahe unserem Lager versammelt und zögerten nicht uns zu ihrer Wochenend-Party in den Bergen einzuladen. Die nächsten zwei Tage erlebten wir einen echten Einblick in die Welt der Rumänen. Mit Massen an selbstgemachtem Heidelbeer- und Kirsch-Schnaps, bester rumänischer Küche und einem Anfänger-Sprachkurs Rumänisch hatten wir in an diesem Ort überhaupt nicht gerechnet. Es war eine sehr, sehr interessante Zeit mit guten Gesprächen und somit fiel der Abschied doch etwas schwer. Trotz der Tatsache, dass nur zwei Leute etwas Englisch sprachen, verstand man sich besser als gedacht. Die Gastfreundschaft hat uns sehr beeindruckt und wir freuen uns sehr auf weitere Begegnungen.