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Auto Verschiffen #2: Von Surabaya nach Brisbane

Indonesien, Australien

Ozeanien 2016-2017

Im Oktober/November 2016 verschiffen wir unser Reisefahrzeug von Indonesien nach Australien. In diesem Bericht möchten wir diese Prozedur beschreiben, in der Hoffnung einige Reisende bei einem ähnlichen Vorhaben zu ermutigen. Denn eine Verschiffung nach Australien ist, wie häufig geglaubt, nicht unmöglich, egal wie alt und schmutzig dein Fahrzeug auch sein mag.

 

Hintergrund: Zu der generellen Herausforderung einer Fahrzeugverschiffung setzen die Australier die Messlatte noch etwas höher an, nämlich durch die strengen Quarantäne- und Zollvorschriften. Durch die natürlichen Gegebenheiten eines Insel-Kontinents entwickelten sich Flora und Fauna anders, was die Australier zu schützen versuchen. Beispielsweise sind ~80 Prozent der in Australien anzutreffenden Flora endemisch, d.h. es gibt sie ausschließlich dort. Nach der geplanten und ungeplanten Einfuhr von Lebendorganismen in der Vergangenheit gab es furchtbare Entwicklungen. Verständlich, dass sie dies nun besser im Griff haben wollen.

 

Aufgrund dieser speziellen Gegebenheiten dürfen keinerlei Pflanzen-, Schmutz- oder Insektenreste nach Australien eingeführt werden, da sich darin nicht heimische Keime, Bakterien, Samen oder gar Insekten verbergen könnten.

 

Hier findest du die australische Bestimmungen: www.agriculture.gov.au

 

Verschiffungs-Agentur und Organisation

Unser Plan ist von Beginn an, aus Bali zu verschiffen. Wir schreiben sehr viele Agenturen an. Die Antworten fallen unterschiedlich aus: mal gibt es keinerlei Rückmeldung, mal bekommen wir ein Angebot mit einer astronomischen Summe. Wir folgen vielen Empfehlungen, fällen jedoch zum Schluss eine mehr oder weniger zufällige Entscheidung, da hier auch der Preis irgendwie stimmt:

a.hartrodt

a. hartrodt Indonesia / PT. Panah Perdana Logisindo

Rullyta Indrianti ← Unsere Asprechpartnerin

Surabaya 60271

Indonesia

Phone (+62 31) 547 40 78-309

rullyta.indrianti@hartrodt.id

Das Angebot von Rully klingt von Anfang an vernünftig. Der Verschiffungshafen wäre allerdings nicht Bali, sondern der häufig frequentierte Handelshafen Surabaya, auf Java. Lediglich ein Tagesritt von Bali entfernt. Als Ankunftshafen suchen wir uns Brisbane aus, da der Preis dorthin am niedrigsten ist (Perth wäre ebenso günstiger, allerdings von Jahreszeit/Route weniger gut). Den Termin legen wir so weit wie Möglich nach hinten, um genügend Zeit zum Putzen zu haben und ggf. Verschiffung-Partner zu finden.

Verschiedene Optionen für eine gemeinschaftliche Nutzung des 40' oder 20' Containers sind in unseren Köpfen und teils in der Anfangsplanung. Letztendlich wird mit niemandem ein konkreter Plan geschmiedet und wir verschiffen alleine in einem 20 Fuß Standard-Container. Rully ist während der vielen Umentscheidungen unsererseits eine zuverlässige Ansprechpartnerin, antwortet stets blitzschnell auf all unsere 1001 Fragen, die wir im Verlauf unserer monatelangen Konversation stellen.

 

Putzen von Fahrzeuginhalten

Wir freuen uns nach 2,5 Jahren mal richtig gründlich auszumisten. Wenn man alles nicht nur rein Zweckgebunden betrachtet, also ausschließlich für die Quarantäne-Inspektion, könnte das Putzen sogar ein bisschen Spaß machen. Zumindest würde dieses Gedankenspiel dabei helfen, die Sinnhaftigkeit seiner Aktionen weniger in Frage zu stellen.

 

Voller Übermut fängst Ellen an sogar Wäscheklammern einzeln im Wasserbad zu reinigen. Das würden wir wohl kein zweites Mal machen und diese Energie lieber für etwas anderes aufwenden. Wir haben deshalb einige Diskussionen über das anzustrebende Sauberkeits-Niveau – Ellen will es sauberer als Jonas :) Letztendlich geben wir einfach unser Bestes und es wird so sauber, wie es eben geht.

 

Folgendes erachten wir als besonders wichtig:

 

  • Zelt, sowie sonstige Wander-, Camping- und Angelausrüstung müssen gründlich gereinigt sein (quasi alles, was bei der Benutzung in direkten Kontakt mit der Natur kommt)
  • Bergehilfen (Hi-Jack/Wagenheben, Sandbleche, Winden, Spanngurte, etc.) brauchen ebenso besondere Zuwendung
  • Alle Lebensmittelbehälter müssen komplett frei von Lebensmittelrückständen sein

 

  • Werkzeug wird scheinbar gründlich begutachtet, deshalb bekommt unseres eine Sonderbehandlung mit der Zahnbürste im Spülmittelbad

 

  • Unser gesamter Innenausbau ist aus Holz. Dort befürchtet der australische Quarantäne-Beamte Holzwürmer, Termiten und sonstige Schädlinge (>>Holzgegenstände importieren<<). Falls eine sichtbare Kontaminierung vorliegt (Bohrlöcher z.B.), besteht scheinbar die Gefahr, dass die Bude über 24 Stunden „vergast“ wird (kein Scherz). Das geht nicht nur auf deine Kosten, sondern muss auch auslüften. Tipp von einem anonymen Freund: Tausche befallene sichtbare Elemente möglichst aus oder vertusche dein Geheimnis auf eine andere phantasievolle Art und Weise.
  • Im Grunde jedoch gibt es wohl kein Problem mit behandelten und industriell gefertigten Holz. Echtholzprodukte mit Rinde, sowie Bambus, wird allerdings nicht so gerne gesehen. Wir entscheiden uns deswegen, all unsere Bambus-Deko vorsorglich weg zu werfen bzw. nach Deutschland zu schicken. Ob es nötig war, können wir aber nicht sagen.
  • Für einen guten ersten Eindruck putzen wir natürlich auch unseren Holzinnenausbau gründlich durch. Wie Neu sieht es danach dennoch nicht aus. Mehr können wir aber nicht tun.

 

Fahrzeugreinigung

Wir hören von überall Horror-Geschichten, dass das Auto sauberer als sauber sein muss. Nur Neuwagen werden in Australien akzeptiert. Das ist natürlich Quatsch, denn auch wir haben es geschafft. Unser Landy ist Baujahr 1997 (nicht uralt aber auch nicht neu) und wurde das letzte Mal so richtig beim Neuaufbau ~2012 geputzt. Der Motor verölt und verstaubt, der gesamte Rahmen inkl. Achsen mit einer zunächst unbesiegbar erscheinenden Schicht aus Öl, Dreck, eingetrocknetem Lehm-Kuhpisse-Schlamm-Gemisch und Fett überzogen. Teer schmückt die Radläufe.

 

Erst versuchen wir es mit einigen Autowäschen bei diversen indonesischen „Auto Salons“ (=Cuci-Mobil). Das bringt irgendwie nicht so viel, denn die Jungs streicheln den Dreck bloß an der Oberfläche. Deshalb müssen wir es selbst in die Hand nehmen:

 

  • Im Motor montieren wir einige Teile ab, um mehr Raum zum Putzen zu bekommen und auch die verwinkelten Stellen zu erreichen (siehe Bilder). Das ist evtl. zu viel, wir haben es aber gemacht.
  • Den Rahmen spülen wir nicht von innen, immerhin.
  • Im Fahrerhaus demontieren wir alles, putzen vor allem hinter den Türverkleidungen und in den Fenstergummis/sonstigen Ritzen.

 

Und hier noch ein paar praktische Tipps:

 

  • Diesel oder Benzin (Diesel ist schonender für die Haut :)) ist ein wahrer Freund im Kampf gegen Fett/Öl/Dreck-Gemische und Teer (einweichen, danach easy).

  • Trockene Zahnbürste ist der Wahnsinn, um verschiedenen (fast trockenen) Dreck im Motorraum oder sonstwo an schwer zugänglichen Stellen zu beseitigen.

 

  • Pinsel für das Grobe in Verbindung mit Diesel/Benzin ist der Killer (auch f. Teer geeignet)

  • Mit Diesel einweichen und anschließend mit Wasserschlauch abspritzen funktioniert nicht. Dreck muss mit dem Lappen aufgenommen werden.

 

  • Wir haben einige sonstige Kleinteile demontiert und teils lackiert (Hecktrittstufe, Stoßstange, etc.) oder ersetzt (Spritzschutzlappen) ; Das haben wir aber teils aus „wenn wir schon mal dabei sind“-Gründen getan und mag nicht nötig sein. Andererseits hatten wir auch das Gefühl, wir mussten den Gesamteindruck für den Beamten etwas verbessern.
  • Mit einer Häkelnadel bekommt man Insektenreste in Handumdrehen aus dem Kühler.

 

Und warum dauert das Ganze nun so lange, fragt ihr? Die südostasiatische Gemächlichkeit besiegt in unserem Fall die deutsche Effizienz. Denn es ist heiß, verflucht heiß! Nun verstehen wir, warum die Asiaten immer so langsam arbeiten – etwas anderes kann der Körper nicht ertragen, ohne mit einem Sonnenstich zu reagieren (Jonas hatte zwei ebendieser).

 

Außerdem haben wir keinen Hochdruckreiniger. Das hätte die Prozedur vermutlich deutlich beschleunigen können.

 

 

Verladung – was nicht passt, wird passend gemacht

Der Landy ist ohne jede Maßnahme zur Reduktion der Maße ca. 2,50 m hoch, 5,30 m lang und 2,20m, breit. Um die Kosten zu minimieren haben wir natürlich einen 20' Standard-Container gebucht und mussten somit an der Höhe unseres Fahrzeugs arbeiten. Also haben wir: Den Dachträger demontiert, den Reifendruck auf ein Minimum (~ 0,7 bar) reduziert und die Achsen mit Spanngurten in Richtung Rahmen gezurrt (Fahrwerk so stark komprimiert, bis es gereicht hat).

 

Ein Standard-Container hat eine Türhöhe von 2,28 m. Wir haben nach stundenlangem Gefummel auf ca. 2,29 m reduzieren können und sind letztendlich mit 5 indonesischen Hafenarbeitern auf der Hecktrittstufe in den Container gefahren.

Container-Räder gehen natürlich auch :)

Weitere Anmerkungen: Zwecks einfacher Ver- bzw. Entladung hat uns die Räderei (nach Anfrage) erlaubt 20% des Tank-Inhaltes drin zu lassen. Üblicherweise muss man Öle, Gas und Sprit ganz ablassen oder anderenfalls einen Gefahrgut-Zuschlag bezahlen. Gurte, Stopper etc. zur Ladungssicherung hatten wir eigene benutzt, da wir ja scheinbar des Öfteren verschiffen. Auf dem Seeweg verbringt unser Auto diesmal ganze 17 Tage.

Willkommen in Australien

Alle nachfolgenden Erfahrungen und Informationen beziehen sich auf die Einfuhr in Queensland (Brisbane) und mögen in anderen Bundesstaaten Australiens ggf. keine Geltung haben oder anders ablaufen.

Auf australischer Seite hätte die Prozedur für uns kaum angenehmer sein können. Am ersten Tag will man uns den Schlüssel abnehmen, damit der Rest ohne uns stattfinden kann. Aus Südostasien kommend, sind wir natürlich skeptisch geworden... und wollen lieber überall anwesend sein. Die Agentur in Brisbane bekommt also am Tag unserer Ankunft lediglich das Original-Carnet.

Unsere indonesischen Verlade-Tricks zaubern den Hafenarbeitern im zivilisierten Australien natürlich ein fettes Grinsen ins Gesicht. Wir dürfen nichts anfassen, sondern nur schlaue Kommentare geben (in Indonesien war es genau umgekehrt). Danach wird unser Landy in der Zollhalle abgestellt und wir müssen uns erneut verabschieden, diesmal müssen wir den Auto-Schlüssel wirklich hergeben.

 

 

Zoll- und Quarantäne-Inspektion

Während wir also eine ziemlich gute Zeit in Brisbane verbringen, wird unser Auto von der Agentur profimäßig durch Zoll und Quarantäne gebracht. Wir dürfen nicht anwesend sein, auch wenn wir fast vor Neugierde platzen.

 

Die Zöllner entscheiden sich in unserem Fall (was nicht jedes Mal passiert) unser gesamtes Inventar separat zu behandeln. Wir bekommen also eine zusätzliche Inspektion für unser Hab und Gut (quasi alles, was sich IM Auto befindet, nicht aber das Auto selbst), das sogenannte „Personal Effects“-Verfahren. Letztendlich bescheinigt man uns, dass es sauber genug ist – einfach „bestanden“, ohne Anmerkungen. Hier haben wir beim Putzen womöglich übertrieben. Aber wer weiß das schon.

 

Das Fahrzeug selbst muss doch noch zum Nachreinigen. Uns wurden anfänglich 4 Stunden in den Kostenvoranschlag einkalkuliert. Hier wird jedoch lediglich die kleinste Einheit (1-59 Minuten) für ausreichend empfunden. Auch hier wissen wir nicht, was genau beanstandet wurde. Der Motor sah etwas glänzender aus, vielleicht wurde auch nur der leichte Staub von Außen runter gewaschen, den wir uns in dem staubigen Hafengelände in Surabaya bei der Beladung eingefangen haben.

 

Nach ca. 1 ½ Wochen, ab der Ankunft im Australischen Hafen gerechnet, bekommen wir dann die Freigabe unser Auto abzuholen. Unsere „Personal Effects“ sammeln wir vor dem Auto ein und fahren schnell davon.

 

Versichern und Anmelden

Die Registrierung des Fahrzeugs in Australien ist wohl von Staat zu Staat unterschiedlich. In Queensland benötigen wir lediglich eine „Registration for overseas registered vehicles“. Hierfür wird eine „Compulsory Third Party Insurance“ (CTP) benötigt, welche Personenschäden bei Unfällen abdeckt. Diese schließen wir beim ADAC-Äquivalent in Queensland (RACQ) ab. Die Kosten hierfür betragen ca. 300 AUD (~ 200 Euro) pro Jahr.

Die Registrierung des Fahrzeugs wird bei „Queensland Road Transport“ abgeschlossen. Wir müssen der netten Dame hinter dem Schalter den genauen Wortlaut („oversears vehicle permit“) nennen, damit sie das richtige Formular findet. Das gibt es übrigens kostenlos. Ein „Road worthy test“ wird nicht verlangt, was z.B. in Northern Territory sowie West Australia üblich ist.

Von Freunden, die ihre Motorräder nach Sydney verschifft haben wissen wir, dass das unter dem Carnet eingeführte Fahrzeug dort keinerlei CTP Versicherung benötigt. Übersee registrierte Fahrzeuge werden bei temporärem Import (diese Aussage gilt nur für Sydney, nicht für ganz NSW) automatisch vom Staat New South Wales versichert. Auch eine Registrierung ist nicht erforderlich und du kannst dein Fahrzeug direkt aus dem Hafengelände ins Outback fahren.

 

Kosten und Bezahlung

Wir vereinbaren vor der Verschiffung zwei Raten: Noch in Indonesien haben wir alle Leistungen der indonesischen Seite gezahlt. Erst nach Erhalt des Fahrzeugs begleichen wir die zweite Rate über die Leistungen auf australischer Seite. Entgegen unserer Erwartungen muss diese zweite Summe ebenso auf ein indonesisches Bankkonto überwiesen werden, da die Australier sonst 10 % GST berechnet hätten. Somit können wir uns diese 10 % sparen und müssen lediglich die Gebühren für die Auslandsüberweisung in Kauf nehmen.

 

Die Gesamtkosten unserer Verschiffung betragen also ca. 3130,- Euro, inkl. ALLEM (also auch inkl. Nachreinigung, Quarantäne, Steuern, usw.). Dazu kommen noch die Kosten für die Anmeldung & Versicherung, je nach dem wohin man verschifft. Folgend die genaue Kosten, so wie wir sie an die Agentur bezahlt haben:

 

Fazit

Wir würden es wieder machen, würden aber beim Putzen weniger Panik schieben. Wir haben uns zunächst auf die falschen Dinge konzentriert und hatten später keine Energie mehr für die wirklich Wichtigen. Allem Anschein nach waren aber unsere Bemühungen ausreichend.

 

Das Wetter hat uns echt zu schaffen gemacht. Hier wissen wir aber nicht, wie wir das hätten besser machen können. Steht man nämlich im Schatten unter einem Baum, riskiert man Insekten und Pflanzenreste.

 

Und die Agentur? a.hartrodt können wir wärmstens empfehlen. Auch wir werden sie erneut nutzen, wohin auch immer wir unser Auto als nächstes verschiffen werden. Doch nun genießen wir die weiten Australiens!