Diese Seite verwendet Cookies und weitere Drittanbieter Software wie Google Maps. Bitte lies die Datenschutzbestimmungen, um mehr über die Handhabung und Nutzung deiner Daten zu erfahren.OK

Navigation

Auto verschiffen #3: Von Perth nach Hamburg

Deutschland, Australien

Ozeanien 2016-2018

Nachdem wir bereits eine einjährige Reise auf dem roten Kontinent hinter uns haben, sind wir zu Beginn des Jahres 2018 erneut nach Australien geflogen, diesmal jedoch mit einem Touristenvisa und deshalb mit der Auflage, alle drei Monate ausreisen zu müssen. In der zweiten Drei-Monats-Etappe nervt uns diese Ausreise-Pflicht jedoch so sehr, dass wir beschließen, es dabei zu belassen. Statt (wie zunächst geplant) bis Oktober zu bleiben, verlegen wir das Ende unserer Australien-Reise auf den August 2018 vor.  

Damit ist klar, dass wir uns erneut um eine Verschiffung kümmern müssen. Nur wohin?

Nach Neuseeland zu verschiffen kommt nicht in Frage, da dort die Quarantäne-Bestimmungen noch strenger sein sollen, als in Australien. Nochmal wollen wir uns den Putz-Wahnsinn nicht antun. Eher käme der Kauf und Verkauf eines Campers vor Ort in Frage. Unter diesen Umständen kann man dieses Reiseziel jedoch getrost auf einen anderen Zeitpunkt verschieben.

Lange dagegen spielen wir mit dem Gedanken, nach Südamerika zu verschiffen. Diesen verwerfen wir aber letztlich, zumindest vorerst. Es hätte bedeutet, etliche weitere Jahre unterwegs zu sein, wofür uns gerade der Atem fehlt. Gleiches gilt für den Afrikanischen Kontinent.

Durch das Ausschluss-Verfahren ergibt sich also die Lösung, erstmal zurück nach Europa zu verschiffen. Da unser Fahrzeug jedoch fast 4 Jahren abgemeldet war, scheint auch das komplizierter als gedacht. Unsere Deutschen Schein-Nummernschilder bereiten uns zum ersten Mal seit der Abfahrt Schwierigkeiten. Es kommt nur eine Verschiffung direkt nach Deutschland in Frage. Warum das so ist, erklären wir später.

Zunächst kümmern wir uns um die Verschiffung an sich.

Agentur-Suche und die Probleme mit “Personal Effects”

Als erstes schreiben wir natürlich die Agentur a.hartrodt an, die unsere Verschiffung nach Australien im Oktober 2016 abwickelte. Damals waren wir höchst zufrieden. Auch diesmal bekommen wir prompt ein Angebot, welches bereits sehr vernünftig klingt.

Keine andere der von uns angeschriebenen Agenturen kann diesen Preis unterbieten, zumal wir von den meisten nur Absagen bekommen. Wir wundern uns etwas, denn der Grund für die Absagen sind unsere „Personal Effects“. Bei den letzten beiden Verschiffungen hatten wir damit keine Probleme.

Die sogenannten „Personal Effects“ umfassen alles, was nicht zum Fahrzeug gehört. Das Fahrzeug selbst läuft unter dem Carnet de Passage, die restlichen Utensilien (z.B. unsere Ausrüstung, Klamotten, Werkzeug, Töpfe und Pfannen) nicht. Scheinbar stellt es einen Wiederspruch bei der Zollabfertigung dar, mit welchem sich keine Agentur befassen will. Wir verstehen das nicht so ganz. Für uns ist es nun mal unmöglich, all diesen Krempel mit ins Flugzeug zu nehmen. Es muss also im Auto bleiben.

Irgendwann senden wir unserem Ansprechpartner von a.hartrodt Perth eine Liste unserer „Personal Effects“ zu, so wie wir es von der letzten Verschiffung kennen. Er ist überrascht. Anscheinend macht auch a.hartrodt laut ihrer Firmenpolitik keine Aufträge, die „Personal Effects“ beinhalten. Die Abwicklung ist aber schon zu weit fortgeschritten, so macht er eine Ausnahme. Natürlich nicht ohne einen saftigen Preisaufschlag für diese Extraleistung.

Puh! Da haben wir wohl ganz schön Glück gehabt. Es wäre eine kleine Katastrophe gewesen, jetzt nochmal von vorne anzufangen, zumal die Zeit langsam knapp wird.

Vorbereiten, Verladen und Bezahlen

Eine Woche vor der Verschiffung bereiten wir unser Auto für die Verladung vor. Wir verbringen zwei Tage in der Waschanlage, um den Roten Staub runter zu waschen und einigen Kram auszumisten. Da es in dieser Zeit unentwegt regnet, besorgen wir zudem zwei große Raumentfeuchter-Boxen (Info-Link), die wir für die Verschiffung ins Auto stellen. Ansonsten befürchten wir, ein Schimmelauto in Deutschland in Empfang zu nehmen. Mit Feuchtigkeit im Fahrzeug hatten wir schon so manch Ärgernis erlebt.

Der Verladungs-Ort wird nach Absprache ebenso von der Agentur organisiert. Dort müssen wir erneut auf bekannte Tricks zurückgreifen, um unser 2,45m hohes Fahrzeug auf die Türhöhe von 2,28m zu reduzieren. Hierfür bauen wir den Dachgepäck-Träger ab, lassen die Luft aus den Reifen (die wir im Container wieder etwas aufpumpen, um Reifenschäden zu vermeiden), und zurren die Achsen mit dicken Spanngurten an den Rahmen (allein diese Maßnahme verringert die Höhe um 8 cm). Da wir die Abläufe einen Tag vorher geübt haben, benötigen wir lediglich 2,5 Stunden, bis unser Auto verladen und verzurrt ist.

Ein weiteres unerwartetes Problem stellt sich uns bei dieser dritten Verschiffung. Wir fragen bei der Agentur an, ob uns der Liner erlauben würde 5 Liter Diesel im Tank zu lassen, was das Be- und Ausladen wesentlich einfacher macht. Normalerweise bezahlt man ansonsten den sogenannten „Dangerous Goods“ Zuschlag. Bei den letzten beiden Verschiffungen waren die Liner kulant. Diesmal bekommen wir eine Absage. Jede Verschiffung ist irgendwie anders.

Da wir selbst verladen, müssen wir vorweg eine Art eidesstattliche Erklärung unterschreiben, in der wir versichern den Diesel abzulassen und die Batterie abzuklemmen. Dazu sei gesagt, dass wir bei der tatsächlichen Verladung „versehentlich“ vergessen, den Diesel abzulassen. Wie vermutet, ist es keinem aufgefallen.

Von jetzt an haben wir erstmal nichts mehr zu tun, außer die Rechnung zu begleichen. Folgende Summe überweisen wir an die Australische Agentur:


ca. ausmachender Gegenwert in EUR: 2.484,13

Als ein Schnäppchen würden wir das jetzt nicht unbedingt bezeichnen. Die Gesamtsumme bleibt allerdings angemessen, wenn wir sie mit den letzten beiden Verschiffungen vergleichen. Unser Carnet holen wir nach Zahlungseingang direkt bei der Agentur in Fremantle ab und sind einfach nur froh, dass die ganze Verschiffungs-Sache halbwegs glatt über die Bühne gegangen ist.

Eine Woche nach Verladung legt das Schiff ab. Die Rakete befindet sich nun stolze 42 Tage auf hoher See. Wir dagegen steigen ins Flugzeug und fliegen direkt nach Deutschland. Es fühlt sich durchaus eigenartig an, so ganz plötzlich wieder da zu sein. Aber anders haben wir es eben nicht hinbekommen.

Agentur-Suche in Hamburg

Nicht ganz chronologisch, müssen wir an dieser Stelle etwas zur Organisation der deutschseitigen Verschiffung schreiben. Denn diese müssen wir diesmal separat organisieren.

Zusammengefasst hat uns der australische Firmensitz von a.hartrodt sehr weiter geholfen, deswegen würden wir sie jederzeit weiterempfehlen: kulant, flexibel, kommunikationsfreudig und hilfsbereit. Der deutsche Firmensitz, den wir bei der Vorab-Organisation anschreiben, entpuppt sich als das genaue Gegenteil!  

Seit Monaten werden wir von der deutschen Seite von a.hartrodt hingehalten und ergebnislos weitergeleitet, selbst nachdem unser australischer Agent versucht sich in die Kommunikation einzumischen. Auch er weiß schließlich nicht weiter und muss sich für seine deutschen Kollegen sogar entschuldigen. Wir finden diese Art von „Service“ jedenfalls absolut inakzeptabel – und müssen umdenken.

Nun ist es aber so, dass uns bereits alle möglichen Agenturen in Deutschland abgesagt haben, und zwar wegen den „Personal Effects“. Deswegen suchen wir direkt nach einer Spedition, welche lediglich unseren Container abholt und in einem Lager zum Entladen bereitstellt. Das Entladen und die Zollabfertigung wollen wir selbst übernehmen.

Aus dem Blog eines deutschen Motorrad-Reisenden entnehmen wir den Namen „Prahl&Barsoe“, das seine Lagerhallen lediglich zwei Gehminuten vom Zollgebäude stehen hat. Wir schreiben sie noch in Australien an und bekommen immerhin das Gefühl, einen zuverlässigen Ansprechpartner gefunden zu haben. Sie werden deswegen als Empfänger auf das Bill of Lading (bzw. Waybill) eingetragen. Wir selbst als Privatpersonen können nämlich keine Empfänger-Rolle übernehmen.

Tatsächlich haben wir mit dieser Firma letztendlich Glück gehabt. Unser Container ist jedenfalls zügig und sicher bei ihnen im Lager angekommen. Zwei Tage nach Ankunft des Schiffs im Hamburger Hafen dürfen wir zum Entladen kommen.

Zollabfertigung

Hier stoßen wir lediglich auf ein kleines Problem, was nicht mal mit dem Zoll an sich zu tun hat, sondern mit der Organisation drumherum. Denn zwischen dem Ausladen und der Zollabfertigung gibt es eine Ungereimtheit. Das Hafengelände ist ganz offen gestaltet. Jeder, also auch wir, könnte theoretisch auf dem Weg zum Zollgebäude abhauen, auch wenn es nur 200 m entfernt ist. Aus Haftungsgründen ist das Lager in einer Verwahrungspflicht.

Damit uns das Lager auf eigene Faust zum Zoll gehen lässt, und zwar mit unserem Fahrzeug (+ Kram), müssen wir eine Sicherheit hinterlegen. Nach etwas Überzeugungsarbeit einigen wir uns darauf, dass wir den Führerschein als Pfand dalassen und erst nach der Freigabe vom Zoll wiederbekommen.

Das Ausladen selbst wird von einem Mitarbeiter begleitet und läuft ansonsten schnell und problemlos. Wir begleichen die Rechnung (siehe unten) in bar, was unsere Verschiffungskosten auf eine Gesamtsumme von 3329,03 € bringt – das geht definitiv besser. Danach überreichen wir Jonas‘ Führerschein und starten den Motor.

Es kursiert ein Gerücht unter den Overlandern, dass ein Fahrzeug, welches sich länger als 3 Jahre außer Landes befand, bei der Wiedereinfuhr erneut verzollt werden soll, als käme es von Beginn an aus dem Ausland. Das können wir so nicht bestätigen, zumindest dann nicht, wenn man aus einem Carnet-Land kommt.

Wir haben die Erfahrung gesammelt, dass die Zoll-Beamten im Hamburger Hafen super freundlich und pflegeleicht sind. Von unseren „Personal Effects“ wollen sie nichts wissen, ein kurzer Blick in die Kabine genügt. Ebenfalls wollen sie nicht wissen, wie lange wir außerhalb des EU-Landes waren. Die Sachbearbeiterin stellt uns nur eine Frage: Ob es nicht toll war, mit solch einem Auto durch Australien zu reisen. Wir bejahen selbstverständlich.

Soviel können wir also sagen: Sobald ein Carnet im Spiel ist, gibt es bei der Wiedereinfuhr eines deutschen Reisefahrzeugs keine Probleme. Wir wagen allerdings nicht an dieser Stelle zu spekulieren, wie es ohne Carnet laufen würde. Jedenfalls wird bei uns die letzte Seite ausgestempelt, was dem ADAC die Ankunft des Fahrzeugs in Deutschland bescheinigt. Übrigens ist die Zollprozedur komplett kostenlos, wenn man sie selbst übernimmt.

Eine halbe Stunde später stehen wir wieder in der Lagerhalle. Im System des Lagers ist nun ordentlich vermerkt, dass unsere Ladung vom Zoll freigegeben wurde. Jonas bekommt seinen Führerschein wieder und wir dürfen fahren. Wenn alles nur so einfach wäre.

Kurzzeitkennzeichen und Fahren ohne TÜV

Und jetzt wird es wirklich knifflig. Denn unser Fahrzeug ist ja noch immer nicht angemeldet, zudem hat es keinen TÜV. Wie bekommen wir es vom Hafen nach Hause?

Das Auto darf so nicht am Straßenverkehr teilnehmen. Punkt. Um ein Auto vor Ort zu registrieren benötigt man einen Wohnsitz, und diesen haben wir in Deutschland. Deswegen waren wir bei der Wahl des Ankunftshafen ja auch so sehr auf Deutschland beschränkt. Wären wir in einem anderen EU-Land angekommen – egal ob über Land oder Seeweg – wäre hier von keiner legalen oder billigen Lösung auszugehen.

In Deutschland dagegen haben wir zumindest eine halb-legale Lösung gefunden. Und diese nennt sich „Kurzzeitkennzeichen“.

Mit einem gelben Kurzzeitkennzeichen darf man alle Fahrten machen, die im Zusammenhang mit der Betriebserlaubnis stehen. Sprich auch ohne TÜV zu eben diesem fahren. Doch es darf nicht irgendein TÜV sein, sondern einer im Bezirk der Zulassung oder eines angrenzenden Landkreises. Hierfür gibt es die Möglichkeit das Kennzeichen am Standort des Autos (also bei uns Hamburg) zu holen, oder am Wohnort (bei uns Osnabrück).

Ausführliche Informationen mit Fallbeispielen gibt es hier: https://versicherung-kurzzeitkennzeichen.com/kurzzeitkennzeichen-aktuell

Wir holen uns die gelben 5-Tages Kennzeichen in der KFZ-Zulassungsstelle Osnabrück, weil wir den TÜV dort machen wollen und nicht in Hamburg. Sie gelten übrigens ab dem Tag der Ausstellung und können nicht vordatiert werden, deswegen ist hier gute Planung angesagt.

Nun, nachdem wir erfolgreich das Auto ausgeladen und durch den Zoll gebracht haben, machen wir die Kurzzeitkennzeichen dran und fahren damit nach Osnabrück – auf dem direktesten Weg zum TÜV unserer Wahl. Klar, oder? Natürlich ist es irgendwie Auslegungssache, weswegen wir diese Lösung nur als halb-legal bezeichnen würden.

Jedenfalls bewältigen wir die 350 km, ohne bei einer Polizeikontrolle in Erklärungsnot kommen zu müssen. Kurz vor der Prüfstelle fällt uns jedoch ganz „spontan“ ein, dass unser Fahrzeug so wohl nicht durchkommen würde und biegen deshalb kurzerhand auf das Grundstück von Jonas Eltern ein.

Geschafft!

Hier, bei Jonas Eltern in der Hofeinfahrt, beginnt für uns das große Schrauben! Die Rakete hat im letzten Reiseabschnitt einiges einstecken müssen, für intensive Pflege hatten wir keine Zeit. Wir haben einfach versucht, den altersschwachen Land Rover irgendwie am Leben zu halten. Über den eigentlich benötigten straßenverkehrstauglichen Zustand ließe sich definitiv streiten.

Immerhin: Das Carnet de Passage haben wir an den ADAC geschickt und bereits eine Woche später die Kaution zurückbekommen. Das Geld wird nun entsprechend investiert.

Eine große Reparatur-Liste lässt erahnen, dass die kommenden Wochen kein Kinderspiel werden. Aber das alles ist vermutlich einen eigenen Beitrag wert. Diesen versuchen wir, für die Landy-Fahrer unter euch, in Kürze nachzuliefern.