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Faszination Kimberleys

NT, WA

Ozeanien 2016-2018

Zum zweiten Mal sind wir nun in Alice Springs. Es fühlt sich recht speziell an, zurück zu kehren, denn sehr häufig kam es bisher nicht vor – meistens ging unsere Reiseroute immer weiter. Zielsicher steuern wir den bekannten Campingplatz an und landen auf exakt der selben Stelle, wo wir letztes Jahr die Hinterachse unseres Land Rovers repariert haben. Als ob wir nie weg waren. Und auch diesmal gibt es etwas zum Schrauben. Geduldig warten wir nun auf eine Ersatzteil-Lieferung.

Dash, der Sohn des Camp-Betreibers, freut sich mindestens genauso wie wir über das unerwartete Wiedersehen. Sogleich nimmt er uns auf einen Ausflug in die hiesige Bar mit seinen Freunden mit, was nicht der einzige gemeinsame Abend bleibt. Außerdem lernen wir Ric und Jude, ein reisendes Rentnerehepaar, kennen, mit denen wir uns nachbarschaftlich eine Lagerfeuerstelle teilen. Die Atmosphäre ist herzlich familiär und die Woche vergeht wie im Flug.

Hier, in Alice Springs, könnten wir ewig bleiben, ohne dass uns langweilig werden würde. Doch irgendwann spüren wir den Zeitdruck unseres auf drei Monate begrenzten Visa. Beinahe die Hälfte der Zeit ist schon um. Leider müssen wir weiterziehen. Während wir letztes Jahr von hier aus Northern Territory ausgiebig erkundet haben, schlagen wir diesmal einen anderen Weg ein.

Seit über einem Jahr bereisen wir bereits Australien. Dabei haben wir alle Staaten bis auf einen besucht. Western Australia (WA) wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen, obwohl unser Aufenthalt dort kürzer ausfallen wird, als wir es uns ursprünglich vorgestellt haben. Um keine Zeit zu verlieren, wählen wir wieder die direkteste Route, auch wenn es erneut eine Wüstenquerung erfordert.

Die Weiten der Tanami

Auf dem Tanami Highway fährt man von Alice Springs direkt in die Kimberley Region, die schon von Beginn an auf unserer Wunsch-Liste steht. Wie so oft ist „Highway“ in Australien ein dehnbarer Begriff: Lediglich 200 km der 1053 km langen Strecke sind asphaltiert, der Rest ist eine Schotterpiste. Genügend Lebensmittel, Wasser und Diesel einzulagern ist inzwischen selbstverständlich. Die längste Strecke ohne Versorgung auf diesem Weg: läppische 586 km.  

Ja, es sind in der Tat schier unbeschreibliche Weiten. In Europa wäre man auf dieser Distanz vermutlich durch 2-3 Länder gefahren. Hier aber gibt es nur eine einzige Straße mit lediglich 2 Tankstellen. Außerdem gilt sie als überaus zerstörerisch. Von grauenhaften Straßenzuständen mit bis zu 30 cm hohem Waschbrett ist die Rede, und von riesigen Roadtrains, die massiv Staub aufwirbeln und vor Nichts und Niemanden halt machen. Deswegen sind wir zunächst nervös, doch unsere Sorgen entpuppen sich als unbegründet. Die Piste ist vor kurzem begradigt worden, da haben wir wohl Glück.

Geradeaus geht es für viele Hunderte Kilometer einfach durchs Niemandsland. Viele sind hier nicht unterwegs und für Manche wäre die Fahrt wohl zu langweilig. Aber nicht für uns. Diese Immensität und die vollkommene Einsamkeit faszinieren uns. Die Tanami Wüste ist für uns ein Naturspektakel, wo das Leben seinen ganzen Willen und eine einzigartige Kreativität zeigt, um sich dem Tod zu widersetzen.

Ebenso interessant finden wir den imposanten Wolfs Creek Krater, der bereits in WA liegt. Vor 300.000 Jahren entstand der Meteoritenkrater, als ein etwa 50.000 t schwerer Eisen-Brocken auf die Erde stürzte. Für die Aborigines ist diese Formation fest mit der Schöpfungsgeschichte verknüpft, wobei sie eine andere Erklärung für dessen Entstehung haben. Übrigens wurde der Krater erst 1947 von den Europäern entdeckt – auch das spricht für die Abgeschiedenheit dieser Gegend.

Bungle Bungles

Endlich sind wir in den Kimberleys! In Halls Creek treffen wir wieder auf Asphalt, füllen Wasservorräte auf und wollen sogleich in einen Nationalpark, der uns von jedem Australien-Reisenden empfohlen wurde: Purnululu und die berühmten Felsformationen der Bungle Bungle Range. Doch vorher treffen wir uns noch mit Kiri und Leigh, einem australischen Pärchen unseres Alters, die wir in der Simpson Desert kennen gelernt haben. Eine Zeit lang wollen wir gemeinsam reisen.

Rund 160 km nördlich verlassen wir die gute Landstraße auch schon wieder. Ein 60 km langer Offroad-Track führt von hier in den Nationalpark. Vor unseren Augen eröffnet sich immer mehr eine spektakuläre Landschaft, die wir so nicht erwartet haben. Wenn wir bereits von der Fahrt überwältigt sind, was erwartet uns erst dort? Da es schon spät ist und wir nur langsam vorankommen, schlagen wir irgendwo im trockenen Flussbett ein Nachtlager auf.

Am nächsten Tag erkunden wir die nördliche Seite des Nationalparks Purnululu, was in der Sprache der Ureinwohner Sandstein bedeutet. Entlang der markanten Bergkette finden wir einige Wanderwege. Für den Anfang klettern wir durch die enge Schlucht, Echidna Chasm genannt, die einige Kilometer ins Felsinnere führt. Am Nachmittag wandern wir zu der kleinen Oase Homestead Valley. Als wir, völlig alleine, in dieser unwirklichen Landschaft sitzen, kommen wir uns vor als wären wir auf einem anderen Planeten.

So wundersam, ungreifbar ist die Szenerie des Purnululu. Völlig zurecht, dass dieses Gebiet so schnell nach dessen Entdeckung 1987 an Interesse gewann und bald darauf zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde. Seine Schönheit ist unmöglich in Worte zu fassen. Vielleicht vermögen Bilder euch einen besseren Eindruck zu geben – von unserer zehn Kilometer langen Rundwanderung um die Kuppen der Bungle Bungles und darüber hinaus.

Kununurra und Umgebung

Die Kimberleys haben uns schon jetzt überzeugt – dabei war es erst der Anfang. Nach den Anstrengungen der letzten Tage erholen wir uns im Caravan-Park von Kununurra. Malerisch am See gelegen verwöhnt er uns allabendlich mit kitschigen Sonnenuntergängen. Noch viel mehr genießen wir aber die gemeinsame Zeit mit Kiri und Leigh. Es sind wirklich tolle Leute, immer für einen Spaß zu haben. Mal wieder ein Segen, Gleichgesinnte zu treffen.

Deswegen geht es weiterhin zusammen Richtung Wyndum, wobei wir natürlich eine Piste mit tiefen Flussdurchfahrten gegenüber der Umgehungsstraße bevorzugen. Eine nette Campingstelle am Fluss ist schnell gefunden, wo wir unser Anglerglück herausfordern wollen. Doch dann entdecken wir ein Monster-Krokodil am anderen Ufer. Nun heißt es Ufpasse!

Leigh versucht derweil ein abgelaufenes Steak an die Falken zu verfüttern. Als es ins Wasser fällt, will er es wieder rausholen. Wir meinen noch, es wäre eine gute Schlagzeile in der Tageszeitung: „Junger Australier durch Krokodil getötet, als er im schlammigen Wasser nach verlorenem Steak sucht“. Die Beiden kommen aus dem Süden und kennen sich mit der Fauna des Nordens noch nicht aus.

In Wyndum erleiden wir ein paar organisatorische Rückschläge: Zunächst versuchen wir erfolglos eine Tour auf dem Carlson Track zu buchen, dann eiern wir zwei Tage in der Prärie auf der Suche nach einem Offroad Track, der geschlossen ist. Dennoch haben wir eine unglaublich gute Zeit, finden stets ein Flüsschen zum Angeln und machen ein paar obligatorische Poser-Fotos mit den erstaunlichen Boab Bäumen, welche die gesamte Kimberley Region von Kununurra bis Broome prägen.

We love El Questro!

Zu dieser Jahreszeit ist es unglaublich heiß in den Kimberleys. Zwar verfügt die Region über einen großen Wasserreichtum, doch wegen den Krokodilen empfiehlt es sich dem kühlen Nass fern zu bleiben. Lediglich einige Wasserlöcher, die nicht mit Flüssen verbunden sind, versprechen einen sicheren Badespaß. Und solche soll es im El Questro Wilderness Park geben.

Eigentlich wollten wir diese Touristenattraktion aufgrund des saftigen Eintrittspreises auslassen. Doch inzwischen würden wir alles für eine Abkühlung geben. Früh am Morgen steuern wir die Emma George an und erwerben dort eine Wochenkarte. Mit Badebekleidung, jedoch ohne große Erwartungen, machen wir uns auf den Weg zu der wohlbekannten Schlucht.

Dort angekommen, sind wir positiv überrascht. Noch nie haben wir eine schönere Badestelle gesehen. Es gibt einen Wasserfall, einen riesigen natürlichen Pool und sogar eine heiße Quelle. Das Wasser ist tief und klar, umgeben von einem steilen, moosbewachsenen Felsmassiv – dieser Ort hat einfach alles, was man sich wünschen kann!

Am Nachmittag wandern wir noch zu der Amalia Gorge. Auch dort entdecken wir ein wunderschönes Flecken Erde. Zufrieden fahren wir ins Camp und sitzen abends lange am Lagerfeuer. Unsere Entscheidung hierher zu kommen bereuen wir nicht, ganz im Gegenteil. So einige Male mussten wir heute feststellen: „We love El Questro!“

Auch Offroad-Technisch hat der Wilderness Park einiges zu bieten. Ein Track, der als „extrem“ klassifiziert ist, wird eine wahre Herausforderung für unsere Rakete. Doch was tut man nicht alles, um ein großartiges Ziel zu erreichen, an dem man einen entspannten Tag mit Fischerei vertrödeln kann. Am Pigeon Hole lassen wir die Seele baumeln und ziehen hin und wieder einen Catfisch aus dem Fluss. Der berühmte Burramundi ist uns leider nicht an den Hacken gegangen, deswegen gönnen wir uns am Abend einen saftigen Burra Burger im hiesigen Restaurant.

Dann müssen wir uns verabschieden – von einem spannenden Ort, aber auch von Kiri und Leigh. Die beiden haben einen Job auf der El Questro Station gefunden, unerwartet müssen wir uns trennen. Unsere gemeinsame Zeit werden wir noch lange in Erinnerung behalten!

Das Mitchell Plateau

Lange haben wir uns überlegt, ob wir es wirklich machen. Als wir an der Abzweigung zu den Mitchell Falls stehen, können wir es uns doch nicht verkneifen. Der abgelegene und nur schwer erreichbare Nationalpark im Norden der Kimberleys wird von vielen Reisenden als das absolute Highlight angepriesen. Die 500 km Umweg auf einer der schrecklichste Pisten Australiens sollen sich anscheinend auszahlen.

Wir sind ja so einiges gewohnt, doch dieser Track setzt wirklich noch einen drauf. Das Waschbrett ist teuflisch tief, die Erschütterung so stark, dass wir Angst haben müssen, unsere Zahnfüllungen zu verlieren. Teilweise kommen wir nur mit Schrittgeschwindigkeit voran. Der Abstecher auf das Mitchell Plateau wird uns insgesamt 4 Tage kosten. Wie zerstörerisch diese Fahrt ist, werden wir aber erst auf dem Rückweg bemerken.

Doch an den Rückweg wollen wir erstmal noch nicht denken. Einen ganzen Tag nehmen wir uns Zeit, um das spektakuläre Naturreservat mit seinen erfrischenden Pools, Flüssen und Kaskaden zu erkunden. Lange sitzen wir am Aussichtspunkt zu den beeindruckenden Mitchell Wasserfällen und beobachten, wie die Wassermassen die Stufen hinunterstürzen.

Des Weiteren besuchen wir einige Felsmalereien der Ureinwohner, sowohl entlang des Wanderweges zu den Mitchell Falls, als auch bei dem angrenzenden King Edwards River Conservation Park. Jedenfalls sind wir froh, die Strapazen der Fahrt auf uns genommen zu haben. Es hat sich definitiv gelohnt!

Doch unser Ausflug fordert einen Preis: Einige Dinge in und an der Rakete fangen an, sich plötzlich zu verabschieden. Komisch, dass genau in solchen Momenten die Leute es nicht lassen können, Salz in die Wunde zu streuen. Auf einmal hören wir andauernd die Frage:

Und, gab es unterwegs Probleme mit eurem Fahrzeug?

Bis jetzt haben wir solche Fragen immer verneint. In den 4 Jahren, die wir unterwegs waren, gab es eigentlich keine größeren Schäden an unserem Landy. Naja, bis auf die Flansche in der Hinterachse und das zu heiß gelaufene Verteilergetriebe, welches wir vor einigen Monaten überholt haben. Aber hey, auf die lange Zeit gerechnet waren die Schäden marginal. Doch nach den letzten Pisten haben wir gleich einige Verluste zu verzeichnen. Folgendes ist also passiert:

Auf dem Rückweg von den Mitchell Falls hören wir diese Geräusche. Ganz klar: Radlager vorne. Macht nichts, haben wir dabei. Am Pistenrand getauscht. Dabei, da unterm Auto gelegen, ein Leck in der ESP entdeckt (verlieren ca. 2 Liter Diesel auf Hundert Kilometer). Versucht mit zwielichtigen Methoden abzudichten, ohne Erfolg. Also müssen wir wohl öfter tanken.

Es geht weiter. Radlager später nachgestellt, und die hinteren angeschaut – dabei festgestellt, dass die Achse ins Diff gewandert ist, da wir uns irgendwo die Aufnahme für das hintere Stabi extrem verbogen haben. Stabi raus, wer braucht das auch schon! Achse wieder gerichtet. Weiter geht’s. Und was quietscht der Dicke jetzt plötzlich so? Gebrochene Feder hinten, natürlich!

Und als ob das alles nicht reichen würde, ist auch unser Kühlschrank hinüber. Wie verflixt, kommt alles immer auf einmal.

Entlang der Gibb River Road

Zuerst sind wir etwas niedergeschlagen. Doch dann beschließen wir es einfach zu akzeptieren, anstatt zu heulen. Mit dem höheren Dieselverbrauch und der gebrochenen Feder müssen wir jetzt leben, alles andere haben wir immerhin richten können. Denn entlang unserer Reiseroute gibt es noch Einiges zu entdecken. Und das wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Ach ja, wir sind unterwegs auf der berüchtigten Gibb River Road, die quer durch die Kimberleys führt – eine der Top-Destinationen in Australien. Wie auf einer Perlenkette reihen sich entlang der malerischen Strecke Sehenswürdigkeiten aus dem Schatzkasten der Natur, eine schöner als die andere.

Die Überquerung des weiten Pentecost River haben wir bereits hinter uns. Das aufregende daran sind die vielen Salzwasserkrokodile, die in dem schlammigen Brackwasserfluss leben (man sollte sich hüten, die Stelle abzulaufen). Auch in der wunderschönen Manning Gorge waren wir schon wandern und schwimmen. Die gleiche Freude erwartet uns nun in der Bell Gorge.

So ist sie, die Gibb: man kämpft sich auf schlimmsten Pisten durch, frisst den ganzen Tag Staub, um am Ende in den schönsten Schluchten dieser Erde zu baden. Unser persönliches Highlight wird jedoch eine Schlucht, die sich eher weniger zum Schwimmen eignet. Die Winjata Gorge ist die Heimat von einer abartig großen Krokodil-Population. Zwar sind es die weniger gefährlichen Süßwasserkrokodile, doch haben auch sie spitze Zähne. Nirgendwo sonst auf der Welt könnte man diesen unglaublichen Kreaturen näherkommen, als hier.

Und schon ist sie vorbei, unsere großartige Tour durch die faszinierende Kimberley-Region. Eigentlich haben wir hier alles mitgenommen, wir sind voll von Eindrücken. Einen fahrfreien Tag haben wir uns redlich verdient. Am Fitzroy River Crossing, kurz hinter Derby, schlagen wir ein Camp auf und beobachten Dingos, wie sie am anderen Ufer Krokodile verjagen. Die Ruhe brauchen wir auch dringend, vor unserer nächsten und letzten Etappe in Australien.

Letzte? Ach so, genau – das haben wir euch bisher noch nicht verraten! In genau einem Monat verschiffen wir unser Auto aus Australien. Ein nächster Kontinent wartet auf uns, mit vielen spannenden Ländern und Kulturen, atemberaubenden Landschaften und abenteuerlichen Reisezielen: Europa!