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Staub und Autopannen – von Adelaide nach Alice

SA, NT

Ozeanien 2016-2017

Wir fahren zügig entlang einer langweiligen Straße ohne jegliche Kurven, Hügel und Gegenverkehr in Richtung Adelaide, South Australia. Plötzlich scheinen wir wieder Mobilfunk-Empfang zu haben – endlich kommt die Antwort von Coco und Olli durch, die wir zuvor angeschrieben haben. Wir haben zufällig erfahren, dass sie auf derselben Strecke in entgegengesetzter Richtung unterwegs sind und halten bereits die ganze Zeit Ausschau.

„Mist, die sind in Cape Jaffa. Dort sind wir vor zwei Stunden vorbei gefahren…“ Ihr Angebot von Gratisbier als Entschädigung klingt zu verlockend und wir entscheiden uns für die Kehrfahrt. Was macht man nicht alles für eine ordentliche 1. Mai Sause!

Coco und Olli haben wir bereits zwei Mal in Asien getroffen. Seit unserer letzten Begegnung sind sie von Nord über West nach Süd quer durch das Australische Outback gefahren, haben dabei viel Staub gefressen und so einige Pannen an ihren Motorrädern repariert. Wir tauschen einige Infos über die bevorstehenden Routen aus und verbringen ansonsten ein paar schöne und redselige Tage zusammen. Dann müssen wir nach Adelaide weiter. Dort haben wir einen House Sit für die kommenden Wochen organisiert und wollen die Zeit nutzen, um unseren (bisher) stets zuverlässigen Land Rover für das Outback fit zu machen.

Schatz, ich bin mal kurz eine Dichtung am Landy tauschen

Die Kiste leckt schon seit gut 1,5 Jahren Wasser, welches wir inzwischen täglich literweise nachkippen. Der offensichtliche Schaden: Dichtung am Thermostatgehäuse. Die Dichtung haben wir, doch natürlich geht der Dichtungswechsel nicht ohne gleich einen ganzen Rattenschwanz von Nebenbaustellen aufzudecken.

Um an die Dichtung dran zu kommen, muss man das Thermostatgehäuse abnehmen, dafür jedoch erst den Nebenaggregats-Träger weg bauen, hinter dem sich die eigentliche Baustelle befindet. Dieser hält die Servopumpe, die Lichtmaschine, die Wasserpumpe und so manche anderen Komponenten. Damit Jonas also richtig Platz zum Schrauben hat, hilft es auch den Kühler herauszunehmen. Passt super, so können wir auch gleich das Kühlsystem spülen, Kühlflüssigkeit hat dieses seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen. Das gönnen wir dem Dicken jetzt mal (Extrakosten Nr. 1: 40,- AUD für Kühlflüssigkeit).

Es geht also an die Substanz bis der Nebenaggregat-Träger frei gelegt ist, und siehe da: dahinter leckt es auch. Diese Dichtung haben wir natürlich nicht. Bevor wir irgendwas bestellen, muss der aber schon mal raus. Wer weiß, was da noch zu Tage kommt.

Die echte Leidensgeschichte kommt erst jetzt. Der Träger ist mit drei Bolzen im Motorblock verankert. Zwei davon lassen sich relativ gut lösen, der dritte aber bricht mitten im Schaft ab, der Träger sitzt somit fest. Wie gesagt, das Ding sitzt im Herz der Maschine. Also versucht man es erstmal vorsichtig mit WD40, einwirken lassen, sachte rütteln, zärtlich hämmern und gut zureden. Schnell ist klar, dass Überzeugungskunst nicht das ist, was uns hier weiterhilft. Nur noch rohe Gewalt ist angesagt: Mit dem Hammer prügelt man auf den Träger und unterkeilt die Millimeter-Fortschritte mit Holzklötzchen. Nach fast einem ganzen Tag Sisyphusarbeit ist die Sau runter und die Freude groß.

Nun muss die Wasserpumpe vom Träger runter. Die will man nämlich auch tauschen, weil: a) wenn man schon mal dabei ist und b) haben wir dabei. Natürlich reist auch hier eine Schraube ab. Wieder mindestens drei Stunden rumgedoktert und festgestellt: Geht nicht, lässt sich nicht mal aufbohren. Also muss ein neuer Träger her. Einen gebrauchten bei Triumph Rover Spares bestellt und direkt abgeholt. (Extrakosten Nr. 2: 170,- AUD).

Des Weiteren bei M.R. Automotive in Brisbane bestellt: Dichtungen für den Träger, die Wasserpumpe und das Thermostat-Gehäuse, und ein Thermostat (wer weiß, wie das alte aussieht), und (weil man schon mal dabei ist) ein Temperatursensor, eine Ventildeckeldichtung, ein Öl-Rücklauf-Schlauch und eine Hand voll Bolzen. (Extrakosten Nr. 3: 200,- AUD, zzgl. Versand).

Der Einbau verläuft glücklicherweise problemlos. Ja, mag sein, dass sich unsere Geschichte „Kurz Dichtung wechseln, plötzlich Teile im Wert von über 400 Dollar bestellen“ wie ein altbekannter Land Rover Witz anhört, den man sich in Landcruiser-Kreisen erzählt. Hauptsache wir sind nun bereit für die Wüste, denken wir.

Süd Australien und die Flinders Ranges

Wir verabschieden uns von den lieb gewonnenen Tieren, auf die wir während des House Sits aufgepasst haben und statten Adelaide, der ländlich anmutenden Hauptmetropole Südaustraliens, einen Besuch ab. Hier verlieren wir nicht viel Zeit, sondern machen lediglich ein paar Besorgungen. Außerdem treffen wir Michael, mit dem wir vor einiger Zeit Sumatra bereist haben und betrinken uns ordentlich auf unser Wiedersehen in einer netten Kneipe mit Livemusik. Dabei beschließen wir, den nächsten Streckenabschnitt gemeinsam zu reisen.

Kurz nach Adelaide biegen wir landeinwärts ab, weg vom Ozean, und staunen geradezu, wie sich die Landschaft schlagartig verändert: Ein weites Nichts aus Heide und Steppe, soweit das Auge reicht. Eine einzige Straße verbindet den Süden mit dem über 3000 km entfernten Darwin im Norden. Obwohl die Route „Explorers Way“ heißt, finden wir die Asphaltstraße natürlich zu langweilig. Bis nach Alice Springs wollen wir überwiegend auf unbefestigten Pisten fahren. Denn genau so haben wir uns Australien schon immer vorgestellt. Das große Abenteuer Down Under beginnt also erst jetzt.

Mit dem letzten Sonnenlicht erreichen wir eine massive Erhebung inmitten des flachen Landstrichs: die Ikara Flinders Ranges. Da es schon spät ist, schlagen wir gleich beim ersten Aussichtspunkt unser Nachtlager auf. In der Morgendämmerung bereiten wir uns für die Weiterfahrt vor und beobachten, wie die ersten Strahlen die beeindruckende Bergkette zum Leuchten bringen – eines der Augenblicke, an dem man sich wünscht, nie wieder einen Sonnenaufgang zu verpassen.

In den nächsten Tagen erkunden wir ausgiebig den eindrucksvollen Nationalpark. Wir sind fasziniert von der unglaublichen Tierwelt, die uns auf Schritt und Tritt begegnet. Wir sehen Emus, Greifvögel, Echsen und alle möglichen Arten von Kängurus in solch einer hohen Präsenz, wie wir es noch nirgends in Australien erlebt haben. Während die kleineren Exemplare davonspringen, bleibt ein Big Red, unbeeindruckt vom Scheppern unseres Reisemobils, entspannt am Wegesrand liegen.

Durch kurze und auch längere Wanderungen können wir verborgene Ecken dieser scheinbar urzeitlichen Welt entdecken. Vom ca. 1100 Meter hohen Tandera Sattel überblicken wir die Weiten, die wir schon bald durchstreifen werden.

Outback-Freude

Wir haben uns eine unasphaltierte Panoramastraße ausgesucht, die uns entlang der Flinders Ranges weiter gen Norden bringen soll. Gerade als wir auf die Piste einbiegen, bleibt unser Auto einfach stehen. Natürlich wundern wir uns, was los ist: „Vielleicht hat der Turbolader nun doch den Geist aufgegeben?“

Doch wie kommen wir zu dieser Vermutung? Oh, da war diese eine Geschichte: Als Jonas nach den Reparaturen in Adelaide alles wieder zusammenbaute, vergaß er einen Lappen im Ladeluftkühler, den er als Schutz vor Staub und Schmutz in den Schlauch gesteckt hatte. Bei der Testfahrt verschluckte sich die Rakete, kam ins Stottern und hustete lauthals eine dichte schwarze Rauchwolke aus dem Auspuff. Vermutlich hat der Turbo diesen Lappen in Fetzen geschreddert, bevor die Fasern im Motor verbrannten. So hofften wir.

Man muss schon löblich zugeben, dass der Dicke einiges wegstecken kann. Die Lappen-Sache ist nun mehr als 500 km her. Kann es noch daran liegen? Wir checken alles Mögliche ohne offensichtlichen Befund. Merkwürdigerweise scheint der Ölstand im Motor etwas hoch, wir lassen etwa einen Liter ab und beim erneuten Startversuch läuft der Landy wieder.

Lag es tatsächlich am Ölstand? Ist es ein schlechtes Omen, oder nur ein unbedeutender Aussetzer? Und was passiert, wenn wir in der Wüste liegen bleiben? All diese Gedanken gehen uns durch den Kopf, während wir über die wohl schönste Piste Australiens brettern.

Weitere 300 km vergehen – ohne Vorkommnisse. In Leigh Creek stocken wir auf mit Wasser und Lebensmitteln. In Lyndhurst füllen wir unsere Kanister mit Diesel voll. Zwar gibt es auch abseits der Straße alle 300-400 km eine Tankstelle, allerdings mit exorbitanten Preisen. Das Outback könnte eine teure Angelegenheit werden. Doch unsere Reichweite beträgt nun ca. 1400 km, was sowohl gut für den Notfall, als auch schonend für unseren Geldbeutel ist.

Oodnadatta Track

Der Oodnadatta Track ist eine der bekanntesten Offroad-Strecken Australiens. Aufgrund der Beliebtheit sind wir natürlich nicht völlig alleine unterwegs. Uns begegnen Reiselustige mit allen erdenklichen fahrbaren Untersätzen: von kleinen Expeditions-Flitzern, über Racing Bikes mit Begleitfahrzeigen, bis hin zu dicken Caravans mit dem höchsten Komfort ausgestattet. Jeder scheint auf eigener Mission zu sein, auf der Suche nach seinem persönlichen Abenteuer. Von Massentourismus spricht man dennoch nicht. Auf der Länge von 620 km verlaufen sich die überschaubaren Besucherzahlen ganz gut.

Bis nach Marree, dem eigentlichen Ausgangspunkt des Oodnadatta Tracks, fahren wir bereits auf Schotter. Wir sind auf der Stelle bezaubert von der typischen Outback-Stimmung. Marree, früher als Herrgott Springs bekannt, war bis 1980 ein bedeutender Knotenpunkt der alten Ghan Railway. Seit deren Stilllegung lebt der kleine Ort überwiegend vom Tourismus. Durch die Relikte aus alten Tagen fühlen wir uns sofort wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Wir bleiben ein paar Tage und erkunden die Gegend.

Etwas weiter entdecken wir den Alberrie Skulpturenpark. Der Künstler hat einen effektvollen Standort für seine außergewöhnlichen Kunstwerke aus Altmetall gewählt. Hier, in dieser Umgebung, wirken sie absolut surreal. Durch die Relation zu dem Nichts bekommt plötzlich jede Skulptur, jedes Detail, eine eigenartige Bedeutung.

So geht es immer weiter – Staub, Wüste und Nichts – und genau das fasziniert uns am meisten. Die wahre Schönheit entdeckt man vermutlich erst auf den zweiten Blick. Dabei ist es weniger eine sinnliche Erfahrung, sondern ein Gefühl: Das Outback riecht nach Freiheit, weckt den inneren Entdecker in dir. Doch der Oodnadatta Track ist nicht einfach wegen dem Nichts legendär: Abgesehen von der geschichtlichen Bedeutung findet man entlang der Route durch die lebensfeindliche Wüste einige Wasserlöcher, welche durch den ansonsten natürlichen Mangel urplötzlich wie der Quell allen Lebens erscheinen.

Im Kontrast dazu steht für uns der ausgetrocknete Lake Eyer (südliches Becken). Nur circa vier Mal pro Jahrhundert ist der größte See Australiens ganz oder annähernd ganz mit Wasser gefüllt, je nach Niederschlagsmengen im Norden des Landes. Während die Salzkruste unter unseren Füßen knirscht, fühlen wir uns, als wären wir auf einem fremden Planeten.

Die Schätze von Coober Pedy

Es war eine kalte Nacht mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, die wir irgendwo im Australischen Busch verbrachten. Nun sind wir in William Creek, einer Ortschaft mit lediglich sechs festen Anwohnern. Wir wärmen uns am Ofen des urigen Road Houses (= Dorftankstelle) auf, welches dank der vielen Antiquitäten und Hinterlassenschaften von Durchreisenden einen Hauch von Nostalgie versprüht.

Hier erkundigen wir uns über die Gegend und bekommen prompt eine Empfehlung in Coober Pedy vorbei zu schauen. Für uns bedeutet es einen Umweg von 200 km, in australischen Verhältnissen liegt es quasi um die Ecke. Kurzerhand wird die Opal-Hauptstadt der Welt außerplanmäßig in unser Reiseprogramm aufgenommen.

Coober Pedy ist anders als alles, was wir je zuvor gesehen haben. An der Oberfläche scheint alles trist und verlassen, denn die meisten Menschen leben in unterirdischen Höhlen. Und überall herrscht eine Goldgräberstimmung – nur dass hier nicht nach Gold, sondern nach Opalen gegraben wird, noch heute. Tatsächlich stammen ¾ aller weißen Opale aus dieser Gegend. Seit 1915 die ersten Opalvorkommen entdeckt wurden, siedelten immer wieder neue Bergarbeiter an, um ihr Glück mit dem Schürfen nach den schönen Edelsteinen auf die Probe zu stellen.

„Hier, innerhalb der Stadtgrenzen, darf offiziell nicht mehr geschürft werden“, erzählt uns ein zahnloser Alter, der ein Camp betreibt. „Es passiert aber schon mal, dass sie zufällig auf Opal-Schichten stoßen, wenn sie neue Wohntunnel ausheben. In der Kirche zum Beispiel, als sie um einen Raum erweitert wurde, hat man einen der größten Opale der Welt gefunden. Einige Millionen soll der Wert sein! Keine Ahnung, ob der Priester, oder wie auch immer sie heißen, ein reicher Typ ist. Ich glaube, der Stein liegt jetzt im Museum.“

Ob er selbst noch gräbt, wollen wir wissen: „Aber nein, das überlasse ich den Jungen. Ich Schleife nur noch und kümmere mich um den Vertrieb. Ach, ihr solltet es unbedingt selbst probieren. Dort unten am Flussbett. Die Bergläute sortieren ihre Beute abends aus, und da sie dabei ordentlich Bier trinken, landen auch mal die wertvollen Steine auf dem Boden. Einfach die Augen aufhalten.“

Fast wären wir eben dem Opalrausch verfallen. Doch so richtig reich wird hier offensichtlich keiner. Wie beim Glücksspiel verliert man in der Regel mehr, als man gewinnt. Jedenfalls dachten wir immer, sowas gäbe es nur in Filmen. Apropos Filme: diese unwirkliche Gegend diente bereits einige Male als Filmkulisse, meistens für Science-Fiction Filme, wie Pitch Black – Planet der Finsternis aus dem Jahr 2000. Als Liebhaberin dieses Film-Genres begeistert sich Ellen besonders für den Fund der Raumschiff-Attrappe, welche beim Dreh verwendet wurde.

Painted Desert

Durch den Moon Plain geht es nach einigen Tagen weiter Richtung Oodnadatta. Der Name für diesen Teil der Strecke wurde weise gewählt: die flache Steinwüste erstreckt sich bis zum Horizont und nichts und niemand ist hier zu sehen – wahrlich wie auf dem Mond.

Erneut queren wir den berühmten Dingo-Zaun, welcher durch drei Australische Staaten verläuft und die Schafsweiden vor den wilden Hunden schützen soll. Die Landwirte hassen die Dingos offenbar sehr: So manches Mal sehen wir tote Dingo-Kadaver am Zaun aufgehängt. Ob es die lebenden Hunde abschrecken oder den Unmut der Bauern verdeutlichen soll? Mit 5412 km ist der Zaun übrigens das längste Bauwerk der Welt.

Nach einer zähen Fährt durch den kargen Landstrich erreichen wir endlich die Formationen der Painted Desert, über die wir schon so viele Dokumentarfilme gesehen haben. Noch immer ist es die selbe gefahrvolle Welt, doch für uns erscheint sie wie eine Augenweide. Als wir am Aussichtspunkt ankommen, geht gerade die Sonne unter, während die Landschaft vor uns in allen möglichen Tönen erstrahlt – spätestens hier muss man sich einfach in die Wüste verlieben. Es ist ein weiterer Traum, der in Erfüllung geht.

Oodnadatta bietet uns am nächsten Tag ein anderes buntes Spektakel mit dem legendären Pink Roadhouse. Wir schauen dem Treiben der kleinen Ortschaft zu, welches durch einen beachtlichen Andrang an Reisenden entsteht. Auch wir gönnen uns den berühmten Oodnadatta-Burger (welcher bis auf den Namen nicht sonderlich speziell ist). Dann erkundigen wir uns über die Pistenverhältnisse nach Finke, wo in Kürze eine Wüstenrally stattfinden soll, und machen uns sogleich auf den Weg.

So richtig Offroad war der Oodnadatta Track ja nicht, muss man zugeben. Gerne wird er deshalb auch für Einsteiger empfohlen. Die einzige Herausforderung auf dieser breiten und gut gewarteten Piste ist das sogenannte Wellblech fahren: kleine Sandhaufen im rhythmischen Abstand, über die man drüber holpert. Mit 70/80 (oder auch 110) km/h holpert es weniger, da man sozusagen über die Hügelkämme fliegt. Das Fahrgefühl ist ähnlich dem Aquaplaning, man versucht das Lenkrad still zu halten.

Jedenfalls ist dabei kein besonderes fahrtechnisches Können erforderlich, außer die Lautstärke und den vielen Staub zu ertragen. Die weitere Strecke sollte dagegen herausfordernder sein, so wurde uns gesagt, denn sie verläuft am Rande der Simpson Desert, einer Sandwüste. Wir wollen über Dalhousie Springs bis nach Finke fahren, um dem bevorstehenden Event beizuwohnen. Doch dann...

Home is… where you break down

Kurz vor Dalhousie Springs halten wir an, weil Michael sein Motorrad im tieferen Sand umgeworfen hat. Ihm geht’s gut, Jonas hilft ihm sein Bike wieder auf die Räder zu stellen und schon fährt er uns davon. Auch wir wollen weiterfahren, doch nichts passiert. Der Motor läuft, aber kein vorankommen. „SHIT!“

Jonas macht aus Gewohnheit die Handbremse rein. Nach kurzer Überlegung versucht er es nochmal, und auf einmal – ein lautes metallisches Kreischen, dass scheinbar aus dem Getriebetunnel kommt – und wir könnten etwas fahren. „Vortrieb durch Handbremse? Das ist komisch...“ Wir schieben den Dicken soweit wie wir können von der Piste. Tiefer Sand, brennende Sonne und ein Schwarm von unermüdlichen Australischen Fliegen – klingt nach der perfekten Werkstatt, oder? Michael ist auch wieder da, er kann notfalls zur Hand gehen.

„Spätestens hier,“ sagt Jonas von sich selbst, „merkt man, dass ich kein Mechaniker bin, sondern Informatiker!“ Dabei meint er sein ungeübtes Vorgehen bei der Diagnose. Wegen der Geräuschquelle vermuten wir zunächst einen Schaden an der Ausgangswelle vom Getriebe, was uns dazu veranlasst den hinteren Kardan abzumontieren, und dazu die Handbremse, denn irgendwas hat es angeblich auch damit zu tun. Sieht alles gut aus. Also wird sich weiter nach hinten gearbeitet.

Die nächste Vermutung ist das hintere Differential. Das wäre eine echte Katastrophe, zumindest super teuer. Doch zunächst will sich Jonas die Radmitnehmer anschauen und die Steckachsen prüfen. Dabei stellt sich raus, dass der hintere Antriebsflansch vollkommen ausgenudelt ist. Graue Gehirnzellen angestrengt und das Bild macht plötzlich Sinn: kein Antrieb auf einem Rad der Hinterachse = kein Antrieb in der Hinterachse = kein Antrieb überhaupt.

Lösungsfindung? Die Differential-Sperre einlegen und die Hinterachse stilllegen, in dem man die kaputten Steckachsen zieht. Jetzt nur noch die Handbremse und die Kadernwelle wieder einbauen, da völlig unnötig rausgenommen, und im Vorderantrieb weiterfahren – nach läppischen sechs Stunden feinster Busch-Mechanik.

Nun, nicht weiter, sondern zurück nach Oodnadatta. Das lassen wir uns auch nicht von einem besoffenen Australier ausreden, der unterwegs zur Finke Wüstenrally bereits seinen gesamten Biervorrat verlebt hat. Unser Auto ist, im Gegensatz zu den Rally-Fahrzeugen, kein Spielzeug. Es ist unser Zuhause.

In Oodnadatta gibt’s keine Ersatzteile, eine Postsendung würde Wochen dauern. Der hiesige Mechaniker empfiehlt uns deshalb, in die nächste größere Stadt zu fahren, nach Alice Springs. Und genau das machen wir auch. Ganze drei Tage brauchen wir, um bis nach Alice zu fahren. Hier werden wohl länger bleiben. Aber man kann es sich nun mal nicht aussuchen, wo man liegen bleibt.