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Top End Adventures

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Ozeanien 2016-2018

Die Rakete befördert uns mit beinahe Lichtgeschwindigkeit (also in nur drei Tagen) von Alice Springs nach Darwin. Während der Fahrt kreisen die Gedanken wie ein Karussell in unseren Köpfen: Soll es ab Darwin Richtung Westen oder nach Osten weitergehen?

Normalerweise fallen uns solche Entscheidungen nicht schwer, doch plötzlich sind wir gänzlich hin und her gerissen. Es fühlt sich an, als ob es hier eine richtige und eine falsche Wahl gäbe, vermutlich weil wir diesmal einige Faktoren berücksichtigen müssen.

Außerdem sollten wir langsam ans Geldverdienen denken. Seit der Ankunft auf dem roten Kontinent sind wir ausnahmslos gereist – acht ganze Monate. Dadurch wird langsam nicht nur unser Budget, sondern auch unsere Entdeckerlust knapp. Glücklicherweise bekommt Jonas genau in diesem Augenblick einen guten Auftrag. Wir freuen uns auf die bevorstehende Arbeitsphase/Reise-Pause und organisieren uns dafür einen House Sit in der Hauptstadt des Nordens.

Darwin

Von Darwin selbst sehen wir eigentlich nichts, außer den Sonntagsmarkt am Strand. Am Tag nach unserer Ankunft findet dort die berüchtigte „Beer Can Regatta“ statt – ein australisches Schauspiel, das man laut Einheimischen unbedingt erleben sollte. Wir treffen uns dort mit Bea. Seit Fraser Island haben wir sie nicht mehr gesehen und freuen uns über die erneute Begegnung.

Auch Reni und Marcel, die wir zuvor auf unserem Campingplatz kennen gelernt haben, besuchen das Fest. Zusammen wundern wir uns über den Ablauf dieser schrägen Veranstaltung. Das Programm wurde immer wieder nach hinten verschoben, und zwar wegen der Ebbe (nicht dass es einen Gezeiten-Kalender gäbe). Nach gefühlt ewigem Warten plötzliche Aufruhr, es geht also los: Und dann fahren lediglich fünf aus Bierdosen gebastelte Boote (selbstverständlich mit ein paar betrunkenen Paddlern darin) ein schnelles Rennen. Definitiv ein Erlebnis.

Dann bunkern wir uns in das Häuschen ein, auf das wir aufpassen müssen, während die Besitzer Ferien machen, und arbeiten die meiste Zeit. Wäre da nicht Bea, die uns Gratis-Karten für den Darwin Cup organisiert. Pferderennen gehören insbesondere hier im Norden zur Tradition. Zwar fühlen wir uns etwas wie Fremdkörper zwischen all den aufgetakelten Damen mit extravagantem Kopfschmuck, allerdings betrachten wir unseren Besuch auch mehr als eine Feldstudie zur Australischen Kultur.

Pferderennen sind natürlich nur dann spannend, wenn man fleißig wettet. Alle 45 Minuten galoppieren Pferde auf der Bahn, das Rennen selbst ist innerhalb von fünf Minuten vorbei. In der Zwischenzeit macht sich Langeweile breit. Wir setzten zum Spaß zehn Dollar auf Rakatiki, dessen Name für uns nach dem absoluten Gewinner klingt … und verlieren natürlich.

So vergehen drei Wochen wie im Flug. Nun müssen wir endgültig eine Entscheidung fällen. Da uns in naher Zukunft die Verlängerung unserer Autoregistrierung in Australien bevorsteht, entscheiden wir uns für den Osten (Queensland war in diesem Belang sehr gut zu uns). Außerdem können wir ebendort unsere Arbeitsphase einen Monat später fortsetzen und haben uns deswegen bereits einen weiteren House Sit organisiert. Der Westen muss also noch ein bisschen warten, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Jumping Crocodiles

Wir haben also einen ganzen Monat, um zur Ostküste zu kommen. Vor uns liegen 2500 km (die Hälfte Offroad). Spannend wird es sogleich hinter Darwin. Seit der Überquerung des tropischen Gürtels oberhalb von Alice Springs signalisieren uns gelbe Warntafeln bei jedem Gewässer, dass wir uns nun im Krokodil-Land befinden. Irgendwie wissen wir nicht so recht, wie wir uns angesichts dieser neuen Gefahr verhalten sollen, deswegen buchen wir die einstündige Jumping Crocodile Cruise auf dem Adelade River. Dabei hoffen wir mit den gefährlichen Bestien hautnah in Kontakt zu kommen, vor allem aber etwas über ihr Verhalten zu lernen.

Wer bei dem Wort Krokodil an Reptilien denkt, die friedlich in Flussmündungen leben und Vögel jagen, der hat den australischen „Salty“ noch nicht gesehen. Mit unseren eigenen Augen beobachten wir, wie ein 5,5 m langes Exemplar ¾ seiner Länge aus dem Wasser schießt, um nach Beute zu schnappen. Der Mensch gehört eindeutig zum Beuteschema. Immer wieder wird in den Zeitungen von unglücklichen Vorfällen berichtet. Nach dieser Vorführung vermuten wir, es wäre wohl nicht die angenehmste Art zu sterben.

Noch immer verstört von diesem Erlebnis fahren wir zu einem Campingplatz in der Nähe. Natürlich liegt dieser direkt am Fluss. „Sag mal, das ist doch der Mary River. Haben sie nicht auf der Cruise gesagt, hier würden die meisten Salzwasser-Krokodile in Australien leben?“ – an diesem Abend verziehen wir uns etwas schneller ins Auto.

Kakadon't

Der Nationalpark Kakadu wird überall als das große Highlight jeder Australien-Reise beschrieben. Andere wiederum schimpfen das berühmte Naturschutzgebiet Kakadon't und empfehlen stattdessen den Litchfield Nationalpark. Wir wollen uns in dieser Sache lieber selbst eine Meinung bilden und geben dem Kakadu eine Chance.

Für den Einstieg suchen wir uns eine noch recht einsame Offroad-Piste aus und wollen die großen Hauptattraktionen für den Schluss aufheben. Der Track führt uns durch trockenes Buschland, übersäht von meterhohen Termitenhügeln, die man hier im Norden überall entdecken kann.

Wir vermuten, dass hier in der Regenzeit das Leben erst so richtig aufblühen wird, jedoch wären dann solche Tracks unpassierbar. Auch jetzt, in der Trockenperiode, gilt es einige Gewässer zu durchqueren, bevor wir am Campingplatz beim Aligator Billabong ankommen. Während wir unser Camp herrichten, schwimmt ein Salzwasser-Krokodil davon.

Die Fluss-Passagen sind hier im Norden übrigens abenteuerlicher, als sonst irgendwo. Ist das Wasser schlammig, weiß man nicht wie tief es ist. Normalerweise würde man die fragwürdige Stelle einfach ablaufen. Das geht hier jedoch nicht, wegen der potentiellen Gefahr von Krokodilen aufgefressen zu werden. Also versucht man einfach sein Glück und hofft das Beste. Es macht in diesen Situationen Sinn, sich einen Plan B zu überlegen, falls man doch stecken bleibt.

Der Kakadu beherbergt nicht nur unzählige Krokodile, sondern auch ein Kulturerbe der Australischen Ureinwohner: Auf über 20.000 Jahre alt geschätzte Höhlenzeichnungen. Wir besuchen in den frühen Morgenstunden den Nouralgie-Felsen und finden die gut erhaltenen Malereien, in Anbetracht des Alters sehr bewundernswert. Das Gebiet soll ein besonderer Ort für die Aborigines sein, doch angesichts der vielen Menschen fällt es uns schwer, diese Besonderheit zu fühlen.

Wir sind überfordert und fliehen zu einem weniger populären Ort. Ein deutsches Pärchen gesellt sich zu uns – sie schwärmen nur so vom Kakadu. Wir dagegen sind im großen und ganzen eher enttäuscht. Sind wir nicht mehr aufnahmefähig? Oder haben wir einfach schon zu viele schöne Orte gesehen? Nach unseren Eindrücken würden wir auch eher zu Kakadon't tendieren.

Ja, es gibt schöne Wasserfälle und malerische Billabongs, doch das alles ist nichts einmaliges, sondern auch in der direkten Umgebung zu finden, und zwar kostenlos. Bei dem Eintrittspreis von 40 Dollar pro Nase könnten sowohl die Campingplätze, als auch die elendslangen Anfahrtswege etwas mehr Zuwendung vertragen. Wir quälen unseren Landy ja gerne auf Wellblechpisten für ein einsames schönes Plätzchen, nicht jedoch für die nächste Touristen-Hochburg. Kakadu fühlt sich für uns wie eine touristische Geldmaschine an.

Edith Falls und Mantaranka

Wir wollen dem Touristen-Wahnsinn entfliehen und liebäugeln deswegen schon länger mit dem Savannah Way, einem abgelegenen Offroad Track, welcher den Australischen Norden mit Cairns an der Ostküste verbindet. Anscheinend steht er bei Touristen nicht sehr weit oben auf der Beliebtheitsskala, für uns macht ihn genau das erst attraktiv. Vorher jedoch legen wir noch zwei kleine Zwischenstopps ein, um etwas Energie vor der holprigen Weiterfahrt zu tanken.

Die schönen Edith Falls, die einfach auf unserem Weg liegen, laden uns sowohl zum Wandern, als auch zum Schwimmen ein. Der Vorteil dieser willkommenen Gelegenheit zum Abkühlen ist, dass es hier „nur“ Süßwasser-Krokodile gibt. Im Vergleich zum Salty wirken sie mit ihren kleinen spitzen Zähnchen fast schon niedlich. Man sagt uns, sie können einen höchstens verletzen, nicht gleich töten. Jedenfalls schwimmen alle, keiner schreit. Dann springen wir auch mal ins Wasser.

Weiter südlich machen wir noch einen Halt in Mantaranka. Das verschlafene Örtchen entlang des Stuart Highways ist für seine „heißen“ Quellen, die Bitter Springs, bekannt. Bereits auf dem Weg in den Norden haben wir in dessen smaragdgrünem Wasser gebadet. Die kristallklare Mineralquelle hat hier eine kleine Oase gebildet, umgeben von schattenspendenden Farnen und tropischem Regenwald. Schon damals, nach der lange Zeit in der Wüste, fühlen wir uns, als seien wir urplötzlich im Paradies. 

Auf dem Savannah Way durch den Limmen Nationalpark

Dann biegen wir vom Highway endgültig ab und brettern auf einer einspurigen Straße in den Osten. Kein einziges Auto kommt uns entgegen – wir sind also auf dem richtigen Weg. Wir bewegen uns immer weiter gen Arnhem Land, ein Gebiet, welches seit 1976 vollständig den Aborigines gehört. Gerne wären wir in diese Richtung weiter gefahren, doch das geht nur mit einer persönlicher Einladung. Roper Bar, ein Dorf mit nicht mehr als einer Tankstelle, markiert die unsichtbare Grenze.

Von hier fahren wir auf einer breiten Schotterstraße in den Limmen Nationalpark. Gerade einmal 5 Jahre ist dieses Gebiet unter Naturschutz gestellt. Wegen dem schwierigen Zugang konnte er sich aber schon vorher seine Ursprünglichkeit bewahren. Wir lassen es langsam angehen und gönnen uns erstmal einige Ruhetage im Camp Tomato Island.

Lediglich 6 weitere Fahrzeuge befinden sich auf dem weiträumig angelegten Platz, dabei ist gerade Hauptsaison. Man quatscht miteinander und tauscht Tipps für die Weiterfahrt aus. Die Straßenzustände sind stets ein beliebtes Gesprächsthema. Anscheinend liegt vor uns ein herber Abschnitt.

Abgesehen von dem üblichen Wellblech können wir im weiterem Verlauf mit tückischem "Bulldust" rechnen (tiefe Schlaglöcher randvoll mit feinem Staub als ebene Straße getarnt). Außerdem kommt  "Bullcorrugation" dazu (unregelmäßiges Wellblech, entstanden durch eingetrocknete Trampelspuren wilder Wasserbüffel, das nicht mit Geschwindigkeit ausgeglichen werden kann).

Western Lost City

Inmitten des Limmen Nationalparks befindet sich ein Naturwunder, die Western Lost City genannt. Über einen kleinen Offroad Track sind die verwitterten Sandsteinformationen zu erreichen. Um die Piste befahren zu dürfen, müssen wir einen Code für das Tor bei der Rangerstation abholen und uns in ein Buch eintragen. Darin zeigt es sich, wie selten Besucher in dieser einsamen Gegend vorbeischauen. Heute sind wir die einzigen.

Auf der holprigen Fahrspur, lediglich 30 km lang, kommt man nur langsam voran. Die trockene Landschaft teilen wir mit wilden Pferden und Wasserbüffeln. Und plötzlich, hinter einem Hügel, erblicken wir sie, die verlassene Stadt (ja, so wirkt sie), aus ausgewaschenen Säulen, Höhlen und Gängen. Nicht von Menschenhand erschaffen, sondern von Mutter Natur.

Wir laufen um die imposanten Gesteinsformationen und fühlen uns wie echte Entdecker. An einem Felsen finden wir sogar Felszeichnungen der Aborigines. „Das stand aber in keiner Broschüre? Ob jemand davon weiß?“, besprechen wir unseren Fund. Zu gut können wir uns in diesem Moment vorstellen, als seien wir die ersten, die diesen magisch schönen Ort betreten haben.

Vielleicht macht gerade die Einsamkeit den Zauber aus? Vielleicht lässt sie mehr Raum für Phantasie? Am nächsten Tag besuchen wir auch die Southern Lost City. Obwohl dieser Ort einen ähnlichen Charakter hat, ist es dennoch anders. Hier sind wir lediglich Zuschauer, doch die Western Lost City haben wir selbst entdeckt.

Lorella Springs Wilderness Park

Im Tomato Island Camp wurde uns ein Abstecher zum Lorella Springs Wilderness Park empfohlen. Da wir noch etwas Zeit übrig haben, geben wir uns einen Ruck. Leider kostet der Eintritt eine saftige Summe: 20 AUD pro Person und Nacht müssen wir für den Aufenthalt hinblättern. Allerdings hört sich das Angebot vielversprechend an, unser Budget reicht für zwei Nächte.

Das 4000 km2 Land im Privatbesitz ist so abgeschieden, dass sich nur wenige hierher verirren. Ein naturbelassenes Paradies im Carpentaria Golf, irgendwo im nirgendwo. Wir bekommen eine Satelitenkarte von dem Gelände und tragen uns erneut in ein Buch ein. An dem Eingangsbereich fließt eine Warme Quelle, ähnlich der in Mantaranka. Hier weichen wir erstmal unsere verstaubten Körper ein, bevor es ins Abenteuer geht.

Für den ersten Stopp brauchen wir nicht weit zu fahren. Etwas weiter am Fluss entlang, bei den Crocodile Springs, finden wir ein einsames Plätzchen zum Campen und Angeln. Ein kleines Ruderboot steht bereit, und obwohl die Barramundi-Fischerei erfolglos ausgeht, genießen wir die Natur in vollen Zügen. Vogelgesang, Zikaden-Konzert, hin und wieder unterbrochen durch das Schnappen von Süßwasserkrokodilen – wahrlich einmalig.

Am nächsten Tag geht die Erkundungstour weiter. Nach einer zweistündigen Fahrt durch den Busch und einigen Fluss-Durchfahrten kommen wir beim „Nanny Retreat“ an. Hier gibt es ein paar kühle Wasserlöcher, die eine Gelegenheit zum Schwimmen bieten, anscheinend ohne Krokodile. Ein mulmiges Gefühl bleibt dennoch bei jedem Eintauchen.

Die Landschaft verzaubert uns, die Einsamkeit erfreut uns. Wie kleine Kinder planschen wir in den natürlichen Becken, und finden, dass es das Geld diesmal wirklich wert war. Jedenfalls ist es ein gelungener Tag, an dem wir uns wieder wie Entdecker fühlen dürfen. Wir sind froh uns hierher verwirrt zu haben und könnten noch ewig bleiben, weiter entdecken, doch wahrscheinlich würde uns dieses Vergnügen bald in den Ruin treiben.

Im Land der Aborigines

Es geht weiter. Der Savannah Way ist heiß, holprig, ermüdend. Unser Landy, die Rappelkiste, macht einen ohrenbetäubenden Lärm. Die erste Ortschaft seit Mantaranka, nach ca. 500 km Dirtroad, ist die Aboriginie Siedlung Borroloola. Wir fühlen uns, als hätten wir uns nach dieser Tortur ein Bier verdient. So stehen wir im einzigen Laden, der hier Alkohol vertreibt: Nur Bier, nur 3,5%, nur von 14 bis 18 Uhr, nur unter der Woche. Kosten: 74 AUD (48 €) für einen Kasten. Außerdem muss man seinen Führerschein vorzeigen und sogar einen Alkoholtest an der Theke machen.

Es liegt nicht an der Abgeschiedenheit, oder an dem Mangel. Mit dieser Vorkehrung versucht die Australische Regierung den Alkoholkonsum unter der indigenen Bevölkerung zu regulieren. Es scheint für jedes Dorf im Outback sein eigenes Regelwerk zu geben. In Coober Pedy haben wir erlebt, dass der Alkohol auf einen Sixpack Bier oder eine Flasche Wein pro Person und Tag beschränkt wird. Der Führerschein wird dabei eingescannt und an andere Läden mit Alkohollizenz durchgeschickt, um jegliche Tricks zu unterbinden. An der Kasse pusten mussten wir allerdings noch nie.

In den Supermärkten in solchen Siedlungen arbeiten meistens nur Weiße. Zumindest sind sie immer anwesend, wie Überwacher. Schon oft haben wir gehört, dass es wohl anders nicht funktionieren würde – die Aboriginies ließen sonst ihren gesamten Familien- und Bekanntenkreis umsonst einkaufen. Anscheinend gibt es in ihrer Kultur kein Besitz, nach dem Motto „was meins ist, ist deins“. Es prallen ständig zwei Welten aufeinander.

Und so hören wir immer wieder Kommentare, die uns nach wie vor mit einem Kloß im Hals zurück lassen: Es seien faule Alkies, die alles in den Rachen geworfen bekommen, dafür nicht dankbar sind, noch immer nicht mit Geld umgehen können, nicht arbeiten wollen, sich nicht anpassen wollen…

Was wir allerdings sehen, wenn wir durch solche Gebiete fahren, sind halb verlassene, runtergelebte, zerfallene Siedlungen, mitten im nirgendwo. Das Land, das zurückgegeben wurde, wo sonst keiner leben möchte. Und selbst das wird, zu ihrem eigenen Wohl, überwacht, kontrolliert, reglementiert. Irgendwas stimmt hier einfach nicht, egal wie man es auch dreht und wendet. Die Situation ist verzwickt.

Mitten im nichts

Wir folgen weiter dem Savannah Way. Eintönig, weit, trocken. Nur die wenigen Flussdurchfahrten bieten etwas Abwechslung. Sonst ist hier nichts weiter zu entdecken. Bis zur nächsten Tankstelle in Hells Gate, ganze 350 km weiter und bereits in Queensland.

Bei dem Tankstopp fragt uns ein Aboriginie, wie es so in Deutschland ist. Im Vergleich zu dieser Einsamkeit und leere fällt uns keine bessere Beschreibung ein, als diese: „Deutschland ist so klein, dass es 21 mal in Australien passt. Dabei leben dort über 80 Millionen Menschen. In Australien sind es nur 24 Millionen.“ „Vielleicht solltet ihr aufhören euch zu vermehren?“- seine Antwort bringt uns fast zum Lachen. Und die deutschen machen sich Sorgen wegen dem demografischen Wandel?

Ja, vermutlich ist genau das der Reiz, das Spannende, an dieser menschenverlassenen Gegend. Etwas, was wir in Deutschland nicht kennen. Etwas, das man nur in Ländern wie Russland, der Mongolei oder Australien findet. Die Abgeschiedenheit, die Einsamkeit, die Leere. Das Nichts. Mehrfach schauen wir den Punkt auf der Karte an, wo wir uns augenblicklich befinden, und können es kaum fassen: Mitten im nirgendwo.