Auf ein Wort

Liebes Deutschland. Ja, wir haben dir für eine unbestimmte Zeit den Rücken gekehrt, haben dich ohne zu zögern verlassen. Es ging uns dabei nur geringfügig gegen dich persönlich, vielmehr zog uns die fremde weite Welt wie ein magischer Sog weg von dir. Nun, aufgrund einer nicht zu leugnenden emotionalen Beziehung, abgehandelt in dem banalen Wörtchen „Heimat“, und, selbstverständlich, dem deutschen Pass, bleiben wir wohl für immer verbunden. Wir sind ein Teil von jenem Fleckchen Erde, wo wir nicht sind. Doch fragt uns jemand in der letzten Zeit nach unserer Herkunft, bekommt er zunehmend ein beklommenes Schweigen als Antwort. Warum?

Auf dieser Reise glauben wir gelernt zu haben, wie es ist in einem fremden Land als Gast aufgenommen zu werden. Und dabei verdient Deutschland für Gastfreundlichkeit den allerletzten Platz. Die neuesten Presse-Meldungen aus unserer Heimat treiben uns Tränen in die Augen: Menschen demonstrieren gegen Menschen, die in unserem Land Schutz und Hilfe suchen. Asylheime brennen. Randparteien nutzen die Situation und erhalten Zuspruch. Die Politik schweigt. Wo bleibt denn die „Nächstenliebe“ und was ist aus „Geben ist seliger als Nehmen“ geworden? Woher hast du den ganzen Fremdenhass gelernt, ist dieser Teil der deutschen Kultur? – das hast du doch nicht etwa aus dem Nazi-Deutschland mitgeschleppt? Wir schämen uns in Grund und Boden für diese neuen alten Werte der ach so löblichen Heimat. Du hast Angst, dass deine reine deutsche Kultur sich durch das „Flüchtlingspack“ verändert? Wenn die Fremdenfeindlichkeit dazu gehört, dann sollte sie das. Es wird höchste Zeit!

Es ist peinlich zu sehen, wie die Medien dir Scheuklappen aufziehen, hinter welchen der ganze Zusammenhang, die echten Ursachen, verborgen bleiben. Warum bleibst du tatenlos, wenn es um Kriege und Waffenexporte geht, marschierst aber sofort auf die Straße, sobald die Auswirkung dieser Katastrophen plötzlich vor deiner Haustür stehen? Die Schuld ist auf einer viel höheren Ebene zu finden. Bestrafst du nicht den falschen Sündenbock? Durch Tatenlosigkeit trägst du Mitschuld – versuche nicht durch das Klagen über die Nebenwirkungen davon abzulenken! Es ist nur ein Bruchteil der Flüchtlinge, die es nach Deutschland schaffen. Und es ist nicht zu viel verlangt für seine Mitmenschen aufzustehen und denjenigen, die deine Hilfe brauchen, die Hand zu reichen. Das Asylrecht ist im Grundgesetz verankert. Und schließlich willst du auch Hilfe erfahren, wenn du mal wieder in der Scheiße steckst, richtig?

Obwohl auf der anderen Seite der Welt, fordern wir von dir, liebes Deutschland: Höre auf mit den scheinheiligen Phrasen, du hättest Angst, du könntest dies nicht leisten, es seien zu viele. Anstatt über die Auswirkungen zu fluchen, finde die Ursache und bekämpfe SIE! Stehe nicht ein für die rechte Sache, stehe auf für die Richtige!