Die Art zu reisen

Meine Mutter las mir neulich eine Kurzgeschichte vor, die ich ca. in der 7. Klasse geschrieben haben muss. Dort habe ich mir vorgestellt, wie mein zukünftiges ich samt ein paar Freunden mit dem Auto durch ganz Australien fährt. Das sehe ich irgendwie als ein Sinnbild, obwohl ich diese Fantasie bis vor kurzem komplett verdrängt hatte. Manche Menschen reisen alleine, manche in der Gruppe. Viele benutzen öffentliche Verkehrsmittel und übernachten in Hostels oder nehmen Couchsurfing als Möglichkeit. Einige fahren mit dem Fahrrad oder Motorrad durch die Welt und haben ein Zelt im Gepäck. Alles kann man machen und jeder findet das Richtige für sich.

Größtmögliche Freiheit oder Klotz am Bein?

Die Vorteile des Reisens mit dem Auto überbieten für uns die Nachteile, die es natürlich auch gibt. Man ist mehr oder weniger an sein Fahrzeug gebunden, was einige Kosten mit sich bringt (z.B. Verschiffung). Es ist komplizierter in manche Länder mit Fahrzeug einzureisen, als ohne (z.B. China). Und selbst wenn wir auch ein Zelt für Mehrtageswanderungen dabei haben werden, gestaltet sich die Wanderroute um den Standort des Fahrzeugs. Solche Rundwanderwege sind aber gar nicht so einfach ausfindig zu machen. Wir haben uns dennoch dafür entschieden, dass das Auto als Reisemittel uns mehr Flexibilität bietet. Wenn uns ein Ort nicht gefällt, können wir einfach weiterfahren. Wir sehen nicht nur die einzelnen Stationen, sondern auch den Weg dazwischen, können spontan anhalten und gelangen auch an abgelegene Orte. Wir können im Auto kochen und schlafen, d.h. wir müssen nirgendwo ankommen und können uns selbst versorgen. Und es bietet gleichzeitig die Möglichkeit für viele Situationen gerüstet zu sein, einiges einzulagern und somit teilweise autark zu sein (Doku zum Auto findest du in Expeditionsmobil). Die Kosten für Diesel und Co. hoffen wir durch die niedrigen Übernachtungskosten zu kompensieren.

Zweisamkeit oder aufeinander hängen?

Alleine länger als zwei Wochen zu reisen habe ich mich schon immer geweigert  – nicht nur aus Sicherheitsgründen. Ich finde den Erfahrungsaustausch genauso wichtig, wie das Reisen selbst. Klar, man lernt unterwegs natürlich Leute kennen, aber man ist nicht fixiert auf überlaufene Orte auf der Suche nach potentiellen Bekanntschaften. Mit der vertrauten Person kann man im Gespräch das Erlebte besser verarbeiten, die subjektive Wahrnehmung als solche erkennen. Außerdem kann man eine so große Unternehmung wie die Weltreise viel einfacher zu zweit realisieren, d. h. die Möglichkeiten werden größer: wir können die Arbeit aufteilen und selbstverständlich die Kosten. Gerade kann ich mir zumindest nichts anderes vorstellen, als mit meinem Partner in die Ungewissheit los zu ziehen, der mir die größte Sicherheit auf der Welt bietet durch das Wissen darum, dass ich mich auf ihn verlassen kann.

Author: Ellen