Über das Sesshaft werden

Im August 2018 sind wir von unserer langen Reise zurückgekehrt. Danach ist schnell ein Jahr vergangen, und dann noch eines. Eigentlich kaum zu glauben – es kommt uns vor, als hätten wir erst gestern die Wüsten Australiens durchstreift. Doch wenn man’s genau nimmt, ist seitdem auch unglaublich viel passiert.

Jedenfalls war unser Wunsch nach der Rückkehr, einen Ort zu finden, der unser Zuhause werden kann – einen sicheren Hafen, welchen wir ansteuern können, egal was im Leben und in der Welt gerade passiert. Und nicht nur heute, in der Zeit von Corona, wird es deutlich, wie wichtig so ein Zuhause sein kann. Etwas, worauf wir ganze vier Jahre verzichtet haben.

Also, haben wir ihn gefunden, diesen Ort, fragt ihr euch jetzt?

Kleiner Rückblick

Im August 2018 kommen wir zurück nach Deutschland und sammeln einen Monat später die Rakete im Hamburger Hafen ein. Bis Oktober desselben Jahres wird geschraubt, damit der Dicke durch den TÜV kommt. In dieser Zeit wohnen wir bei Jonas Eltern, was natürlich kein Dauerzustand bleiben sollte.

Deswegen kümmern wir uns schnellstmöglich um eine eigene Bleibe und landen so zufällig in einem Gemeinschaftsprojekt, das Schloss Weitersroda in Südthüringen. Die Bequemlichkeiten einer festen Unterkunft genießen wir in vollen Zügen, obwohl es keine normale Wohnung im eigentlichen Sinne ist. Aber wir sind ja einiges gewohnt.

Dann kommt der kaltnasse, graue Winter – der erste für uns seit mehr als vier Jahren. Eigentlich wollten wir es uns einfach machen und für die kalten Monate in den Süden verreisen, doch die Arbeit ruft und wir sind, ehrlich gesagt, ziemlich pleite. Das Alltagsleben in Deutschland hat uns scheinbar wieder: Termine, Verpflichtungen, Kosten – und dieses Wetter.

Wir mühen uns ab, denken aber gleichzeitig, dass wir doch einen Winter irgendwie aushalten müssten. Andere schaffen es ja auch. Und tatsächlich - irgendwann weicht der graue Himmel dem Sonnenschein.

Frühjahr und Sommer 2019. Alles wird wieder schöner und leichter. Wir sind mit der Organisation und Durchführung von Festen und Feiern beschäftigt, darunter ein kleines Festival, das Paradiesvogelfest, sowie – tada – unsere eigene Hochzeit. Es fühlt sich gut an, Freunde und Familie zu sich nach Hause einladen zu können. Sonst waren wir doch immer die Gäste, egal wo wir mit unserem rollenden Zuhause auch waren.

Auch ja, und wir bekommen eine Hündin – die Suki.

Inzwischen sind wir ein dreiviertel Jahr in dem Gemeinschaftsprojekt und müssen uns fragen, ob wir hier richtig sind. Es fühlt sich zu oft nach einer Zwischenstation an. Wie überall gibt es hier sowohl schöne, als auch weniger schöne Seiten. Vor allem jedoch sehen wir immer mehr, dass die Anforderungen, die wir an unser Zuhause stellen, hier keine Erfüllung finden können. Deswegen beginnen wir Ausschau nach einer Alternative zu halten, die hoffentlich keine weitere Übergangslösung ist. Im November 2019 werden wir fündig:

Unser neues Zuhause: Die Fellbergbaude

Bei Ebay-Kleinanzeigen entdecken wir diese Anzeige. Erst kurz zuvor haben wir uns mit einem befreundeten Paar zusammengeschlossen, weil wir ähnliche Ideen an die Wohnsituation haben. Wir alle sind nach der ersten Besichtigung in das Gelände einfach verliebt. Ein langer, nervenzerrender Kaufprozess beginnt, bei dem wir sowohl die Verkäufer, als auch Banken von uns Vier und unseren Vorhaben überzeugen müssen. Anfang März 2020 ist es dann so weit: Wir unterschreiben den Kaufvertrag!

Dass wir mit unseren neuen Mitbewohnern sogar was das Reisen angeht auf einer ähnlichen Wellenlänge sind, ist ein zusätzlicher Pluspunkt: Abwechselnd könnten wir auch mal länger verreisen und uns dabei gegenseitig den Rücken freihalten.

Doch eigentlich ist das Areal beinahe zu schön, um jetzt schon ans Verreisen zu denken: Auf einer sonnendurchfluteten Lichtung, mitten im Thüringer Wald, umgeben von unzähligen Wanderwegen liegt die ehemalige Waldgaststätte, genannt „Fellbergbaude“. Es ist eins dieser seltenen Orte, welchen wir auf unserer Reise immer gesucht haben und sobald gefunden, einen langen Stopp einzulegen pflegten. Es gibt nur eine Handvoll Orte aus unserer Reise-Erinnerung, die so idyllisch waren. Jetzt leben wir an solch einem. Es ist wie ein Traum.

Jedenfalls wollen wir hier nicht einfach nur leben, sondern auch etwas zum Leben aufbauen. Würde nicht zum Beispiel ein Campingplatz gut zu uns passen? Ab dem kommenden Jahr (2021), wenn alles nach Plan läuft, lädt die Fellbergbaude Reisende aller Art zum Verweilen und mitwirken ein!

Eine Reise für Zwischendurch

Moment, wart ihr jetzt gar nicht mehr reisen – zwei ganze Jahre? Ehm, naja, nicht ganz. Dieses Sesshaft werden ist ganz schön schwierig, wenn man sich im jahrelangen Prozess ein Vagabundenleben angewöhnt hat. Außerdem haben wir auch nie eine Vollzeit-Sesshaftigkeit angestrebt, wie schon mal erwähnt.

Fast im Geheimmodus sind wir zwischendurch für 3,5 Monate ausgebrochen, um unser erstes europäisches Reiseziel zu erkunden: Skandinavien! Vor genau einem Jahr war das bereits. Arbeitstitel „Hochzeitsreise“, liebevoll die Flitter-Monate genannt.

Warum wir darüber nichts berichtet haben? Weil unsere Reise diesmal in einem anderen Format dokumentiert wurde. Zur Abwechslung haben wir es den Profis überlassen und wurden beim Reisen zeitweise von einem Fernsehteam begleitet. Daraus entstanden ist eine spannende Dokumentation mit großartigen Bildern, welche am kommenden Sonntag (16.08.2020) um 19:30 im ZDF zu sehen ist.

Nach der Ausstrahlung werden wir ganz sicher auch einen gewohnt schriftlichen Einblick für euch zusammenstellen. Aber erstmal, viel Spaß beim Anschauen:

https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/abenteuer-freiheit-unterwegs-am-polarkreis-100.html