Warum reisen? Lange Rede, kurzer Sinn.

Im Frühling 2011 haben Jonas und ich einen mehrmonatigen Aufenthalt in Ägypten verbracht. Jonas studierte damals Informatik und hatte sich für ein Auslandsemester entschieden – in einem von der Revolution zerrütteten Land. Wir waren erst frisch zusammen jedoch wusste ich schon, dass da ein ganz besonderer Mensch in mein Leben getreten war. Der Gedanke, so lange Zeit eine Skype-Beziehung zu führen und danach feststellen zu müssen, dass man sich nach 4,5 Monaten auseinander gelebt hat, war unerträglich. Ich war mir sicher, dass der Fall eintreten wird. Warum? Während er tausende neue Erfahrungen sammelt, sein Wertesystem in Frage stellt und andere Kulturen kennenlernt, bleibe ich in meinem Alltag zurück. Ich bleibe dieselbe, während er als ein Anderer zurückkommt. Findet er mich dann immer noch interessant? Wird er mir dann fremd sein?

Als mir klar wurde, dass ich unsere frische Beziehung nicht auf die Probe stellen will, habe ich mich entschlossen ein anderes Wagnis einzugehen. Ich hab mir einen Flug gebucht und war innerhalb von drei Wochen nach seiner Abreise ebenfalls in Ägypten. Während der kurzen Vorbereitungszeit habe ich meinen Job gekündigt (war ohnehin freiberuflich), alle Dokumente besorgt, meine Wohnung untervermietet, Familie in Kenntnis gesetzt. Geht doch – kein Problem! Außerdem habe ich zusätzlich Pläne für meine Daseinsberechtigung in Ägypten geschmiedet. Glücklicherweise haben sich diese Pläne auch erfüllt, aus Versehen natürlich, und so hatte ich einen Job während der Zeit in Kairo.

Abgesehen von dem Alltag, der sich in der arabischen 20-Millionen-Metropole natürlicherweise anders gestaltet als im schwäbischen Stuttgart, haben wir auch einige Reiseerlebnisse gesammelt (siehe Reiseberichte). Jeder Tag war so voll von Eindrücken (gute und schlechte), dass es unmöglich war sie über Nacht zu verarbeiten. In jedem Staubkörnchen hat man kulturelle Unterschiede gespürt, versucht sie zu analysieren, sich selbst und die Welt hinterfragt, mit Vorurteilen gebrochen oder diese bestätigt gesehen. Auch jetzt habe ich das Gefühl, dass dieser Prozess immer noch andauert. Und was noch hinzukommt – ich bin neugierig geworden. So viele andere Länder, fremde Kulturen, interessante Menschen.

Doch um auf den Punkt zu kommen: Warum nun reisen? Die einfache Antwort: Es ist einfach, einfacher als man denkt und es gibt so viel im Leben und auf der Welt zu sehen, zu entdecken, zu erforschen. Unzählige Beweggründe. Alles ist da, man muss nur den Mut finden aus seinem Alltag auszubrechen. Danach bleibt nur noch eine Frage: Warum eigentlich nicht!

Author: Ellen