Zeit für einen Heimatbesuch!

Als wir in den Cameron Highlands wanderten, fanden wir zufällig auf einem Strommast nahe dem Aussichtspunkt folgenden Aufkleber: „Nett hier. Aber waren Sie schon mal in Baden Württemberg?“. Wir schmunzelten, denn wir hatten gerade schon unsere Flugtickets für einen fünfwöchigen Heimatbesuch in der Tasche. Bald würde es losgehen, und wir machten uns allerlei Gedanken darüber, wie es wohl sein würde, wieder in heimatlichen Gefilden unterwegs zu sein.

Werden wir mit der deutschen Mentalität zurechtkommen, die uns inzwischen vielleicht ein bisschen fremd geworden ist? Werden uns Freunde wiedererkennen? Und wie viele werden sich, nach so einer langen Zeit, überhaupt an uns erinnern? Wird es eigenartig sein, plötzlich in der Familienrunde zu sitzen und ein Teil davon zu sein? Ich meine körperlich, also tatsächlich präsent. Was haben wir alles verpasst? Was ist als unveränderbare Konstante geblieben? Und noch viel wichtiger: Werden wir nach so einer langen Zeit mit tropischen Temperaturen zurück in Deutschland zur Winterzeit bereits nach einigen Stunden erfrieren? Solche Fragen gingen uns durch den Kopf.

Nun, wir haben es überlebt, unseren Heimaturlaub. Vermutlich musste sich unser Körper zunächst von einer leichten, jedoch konstanten Alkoholvergiftung erholen, denn natürlich musste jedes einzelne Wiedersehen ordentlich begossen werden. Und kurz darauf jeder Abschied. Und während die 2 kg Käse, als auch der gute Schwarzwälder Senf und Honig, die wir uns zurück nach Malaysia mitgenommen haben, inzwischen zur Neige gehen, kommen wir nicht umher diesen einen sehr wichtigen Teil unserer Reise zu reflektieren.

Unser Deutschland-Besuch war wohlmöglich das intensivste Erlebnis unserer gesamten Reise, denn alles vollzog sich im Turbomodus. Es war ein auf und ab, von Familie und engsten Freuden zu tiefer Trauer, quer durch ungläubiges Staunen bis hin zur absoluten Überraschung. Und immer wieder dieses Gefühl von „Wow, das kann doch jetzt nicht wahr sein! Wir sind tatsächlich hier, zusammen mit dir an einem Tisch! Wer hätte es gedacht!“.

Auf unserer Reise quer und längs durch ganz Deutschland haben wir natürlich so viele Menschen, wie es nur möglich ist, wiedersehen wollen. Wir wollten in ihre Leben eintauchen, entdecken was ihnen mit der Zeit wichtig geworden ist. So schlitterten wir mehr oder weniger übergangslos von einem Mikro-Universum ins andere und wurden, überraschender Weise, jedes Mal mehr als nur herzlich empfangen. Wir durften Teil haben, wir durften miterleben, wir durften uns über die neue Begegnung freuen, an der nichts komisch ist, und nichts unangenehm. Genau das war auch so eigenartig an jedem einzelnen Moment – es war alles gar nicht so eigenartig. Es war völlig normal. Als gäbe es da keinen Abstand zwischen uns allen, weder räumlich noch zeitlich.

Wir haben besinnliche Stunden um den Weihnachtsbaum verbracht und mit den besten Freunden der Welt ins neue Jahr gefeiert. Wir haben ein neues Leben begrüßt und ein altes verabschiedet. Wir haben Lagerfeuer entfacht und im winterlichen Schwarzwald Schneeengel gezeichnet. Es gab grausame Enthüllungen und ein Entspannen in verkrampften Verhältnissen. Wir haben viele Menschen mit unserem Besuch überrascht und wurden selbst pausenlos von jedem Treffen geflasht. Schnell haben wir uns überall wie zuhause gefühlt. Und genauso schnell kam auch schon wieder der Abschied.

Doch diesmal war der Abschied ganz anders, als derjenige vor unserem großen Aufbruch. Es fühlt sich diesmal nicht an, als ob wir alle einfach verlassen, vielleicht sogar für immer. Vielleicht haben wir einfach genau nicht zu viel Zeit vergehen lassen, um diese Beziehungen aufzufrischen? Doch es fühlt sich noch mehr danach an, als ob durch den Abstand so manche Freundschaft sogar gewachsen ist. Ganz sicher ist nur eins: Auf ein Abschied folgt immer ein Wiedersehen. Und das ist wichtig. Man muss sich die Zeit dafür nehmen.

Mal schauen also, wann wir das nächste Mal unseren Kram einpacken und Deutschland einen kleinen Besuch abstatten. Wir wissen nicht, wie viel Zeit bis dahin vergeht. Doch in der Zwischenzeit werden wir all diese schönen Momente, die wir mit euch erleben durften, im Herzen tragen. Vielen, vielen, vielen lieben Dank euch allen, ihr seid und bleibt der Killer!!