Überwintern in Griechenland 2025/2026 (Teil 1)

Dem Winter entfliehen und die Sonnenseite des Lebens genießen – das war der grobe Plan, ohne dass wir ein konkretes Ziel hatten. Da wir in Spanien und Portugal schon überwintert haben, wollen wir dieses Mal ein Land kennen lernen, in dem wir noch nie zuvor gewesen sind, und dennoch einfach zu erreichen ist.

Die Wahl zwischen Marokko und Griechenland fällt uns schwer, doch im Grunde genommen ist das ein absolutes Luxusproblem! Wir sind frei, das ist die Hauptsache. Also treffen wir eine Bauchentscheidung, als wir im Oktober 2025 losfahren. Unser Zwischenstopp in der Schweiz, wo Jonas noch eine Mountainbiketour in den Alpen dreht, fällt aufgrund der kalten Temperaturen sehr kurz aus. Nach der stressigen Lebensphase, die wir gerade hinter uns haben, wollen wir einfach nur Sonne tanken. Also geht es gleich nach Italien, dann runter nach San Marino – dort lassen wir bereits unsere Dieselheizung abends aus.

Der Sonne hinterher

Schon ein paar Tage später bringt uns eine Autofähre innerhalb von 21 Stunden von Ancona direkt nach Igoumenitsa, wo noch immer der Spätsommer auf uns wartet. Wundervolle 24 Grad – und genau das was wir brauchen!

Unser Motto lautet ab sofort „der Sonne hinterher“. Das bezeugt auch das Nummernschild an unserem Camper. Es ist kein besonderes Fahrzeug, wie unser Landy, sondern ein stinknormaler, selbst ausgebauter Sprinterformat. Er ist super bequem zum darin Wohnen (Stehhöhe!) und in Sachen Fahrkomfort (Leise!). Auch wenn wir die Geländegängigkeit unseres Land Rovers manchmal vermissen, hier in Europa verzichten wir auf dieses Feature zugunsten der Bequemlichkeit. Denn das Erreichen von fernen Zielen gehört gerade nicht zu unserer Mission. Vielmehr wollen wir planlos umhertingeln und es uns gut gehen lassen. Und dafür ist unsere „Sonne“ genau das richtige Werkzeug.

Jedenfalls stellen wir uns in Igoumenitsa erstmal auf einen kleinen Campingplatz in einer typisch griechischen Bucht mit Kieselstrand. Hier lädt uns das kristallklare Wasser täglich zum Schwimmen ein. Doch so langsam machen die Campingplätze für die Saison dicht, so auch dieses. Also steuern wir den nächsten Campingplatz an, bereits auf Peleponnes, einer der wenigen in Griechenland, der im Winter noch offen hat.

Auch hier landen wir in einer traumhaft schönen Gegend. Wir dürfen an einem Palmenbesetzten Traumstrand spazieren und die Sonnenuntergänge von der Strandbar aus genießen. Die letzten Urlauber ziehen sich zurück und wir treffen fast ausschließlich Leute, die hier überwintern wollen. So entsteht quasi automatisch eine nette Community.

War da nicht irgendwas mit diesem neuen Camping-Gesetz?

Wir meiden nicht grundsätzlich Campingplätze, denn hin und wieder möchten wir uns völlig legal ausbreiten und keine Angst haben vertrieben zu werden. Dennoch war es nicht unsere Vorstellung hier von Campingplatz zu Campingplatz zu fahren. Allerdings wurde im Januar 2025 ein Gesetz in Griechenland erlassen, das freies Campen quasi unmöglich machte. Nach vielen Protesteten wurde dies zwar noch im Juni desselben Jahres durch eine neue Straßenverordnung wieder abgeschwächt, eine gewisse Unsicherheit bezüglich der aktuellen Gesetzeslage jedoch ist geblieben.

In der Theorie lautet die aktuelle Regelung (2025/2026) so: Das bloße Parken mit dem Wohnmobil zählt nicht mehr als Camping, selbst wenn man in seinem Wohnmobil übernachtet. Es darf nur kein Campingverhalten gezeigt werden, also keine Campingmöbel oder die Markise raus. Das ist der kleine aber feine Unterschied zwischen Freistehen und Wildcampen. Wildcampen also weiterhin verboten, Freistehen (ausgenommen auf Parkflächen, wo Wohnmobile generell nicht parken dürfen) in Ordnung.

Als wir in Griechenland ankommen, trauen auch wir uns zunächst nicht ans Freistehen, weil wir nicht wissen wie streng oder locker das neue Gesetzt ausgelegt wird und wir keine Strafe von 300€ riskieren wollen. Auch muss Jonas noch ein arbeitsintensives Computerprojekt abschließen. Erst als das geschafft ist, geben wir uns einen Ruck und probieren es einfach aus.

Weiter in den Nordosten von Peleponnes

Es ziehen Herbststürme aus dem Westen auf und wir stehen auf der Westseite. Der Regen ist so heftig und ausdauernd, dass wir sogar Katastrophenwarnungen von Überschwemmungen und Erdrutschen auf unsere Mobiltelefone bekommen. Unser Camper steht tagelang knöcheltief im Wasser. Es wird also Zeit erneut dem guten Wetter hinterher zu reisen. Im Nordosten Peleponnes, genau genommen in der Argolis Region, verspricht der Wetterbericht deutlich weniger Niederschläge. Also machen wir uns auf in Richtung Nafplio, jedoch nicht ohne unterwegs das Antike Korinth mitzunehmen, sowie die Burg Akrokorinth, die darüber thront.

Nachdem wir in Nafplio die letzten starken Schauer abgewettert haben, ziehen wir nun von Strand zu Strand weiter. So kommen wir schnell zu der Erkenntnis, dass Freistehen in der Nebensaison absolut toleriert wird, auch wenn wir offensichtlich über Nacht (oder auch länger) bleiben. Kein Mal werden wir weggeschickt oder sehen auch nur die Polizei. Auch die Einheimischen grüßen uns immer freundlich. Vielleicht haben wir einfach Glück? Oder unsere Strategie funktioniert, bei der wir keine überfüllten Plätze aufsuchen und auch dann immer irgendwo am Rand parken? Ich weiß es nicht. Nur die eine allgemeingültige internationale Regel scheint hier im Winter zu gelten, nämlich Rücksicht zu nehmen auf die Umwelt und die Einheimischen.

Unsere Rundreise auf Peleponnes „Daumen“

Zunächst klappern wir einige Buchten im Argolischen Golf ab: Südlich von Nafplio und auf dem Weg nach Kilada finden wir einen Traumstrand nach dem anderen, wo wir frei uns ungestört für einige Tage stehen bleiben. Zu all diesen Plätzen bringt uns jedes Mal eine windige, kaum befahrene (und doch perfekt geteerte) Landstraße durch ein beeindruckendes Bergpanorama.

Bei Kilada bleiben wir länger hängen, denn hier gibt es in der nächsten Umgebung einiges zu sehen. Die Doline von Diodima zum Beispiel, eine eingestürzte Höhle, die in ihrem Inneren einen kleinen Ökokosmos birgt, so wie eine alte griechisch-orthodoxe Kapelle. Und dann gibt es dort noch die Höhle von Franchthi, die bereits seit der Steinzeit immer mal wieder von Menschen bewohnt wurde, also lange vor den alten Griechen. Auf der Wanderung dorthin machen wir eine Pause mit Aussicht auf eine vorgelagerte Insel und beobachten in der Ferne Delfine.

Unsere Sightseeing-Tour führt uns im Zickzack von Küste zu Küste. So besuchen wir Ermioni, Poros und das alte Amphitheater von Epidauros. Wieder länger verweilen wir auf der Halbinsel Methana, wo wir viele Wanderungen unternehmen, u.A. zu einem Vulkan, nur um später in der ca. 36 Grad warmen Radon Quelle zu baden – natürlich nachdem wir eine Runde im Meer geschwommen sind. Mit ca. 18-19 Grad ist das Mittelmeer in dieser Region auch kurz vor Weihnachten noch angenehm warm.

Die Festtage selbst verbringen wir erneut in Nafplio, weil wir hier in einem netten Lokal bestens vegetarisch essen können. Nachdem wir uns auf dem lokalen Markt mit frischem Gemüse eingedeckt haben, verlassen wir den Daumen, um auf den Zeigefinger weiter zu fahren. Weit kommen wir aber nicht, denn nicht einmal eine Fahrstunde entfernt wartet der nächste Strand bei Astros … Ach, Griechenland, du bist ein Traum!

Zwischen-Fazit

Bereits nach dieser kleinen Daumen-Rundreise können wir behaupten uns in Griechenland verliebt zu haben! Die entspannten und stets freundlichen Menschen, die kontrastreiche Landschaft aus einsamen Buchten und imposantem Bergpanorama, die schönsten Freistehplätze, die wir in Spanien und Portugal zu häufig vermisst haben. Einer der wenigen Kritikpunkte an Griechenland, der mir einfallen würde: Weil hier ein Ort schöner ist als der andere, kommen wir so gut wie nicht voran 😊Vielleicht hätten andere Reisende mehr entdeckt in dieser Zeit? Es gibt hier definitiv einige spannende Ziele, keiner müsste sich langweilen.

Wir jedenfalls wollen uns nicht hetzen und es geht uns auch nicht darum, alle Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Wir wollen hier Zeit zum Leben haben und zum Durchatmen. Also tingeln wir genau so planlos, wie wir uns das vorgestellt haben, von Bucht zu Bucht weiter und genießen unseren Griechenland-Aufenthalt in einer entschleunigten Art und Weise und mit unserer neu gewonnenen Leichtigkeit. Siga Siga!

(Teil 2 folgt bald!)