Warum ich mein Buch bei Amazon KDP veröffentliche und was ich daran verdiene.

Am 13. April habe ich – wie nebensächlich – auf einen unscheinbaren gelben Button geklickt. Auf diesem stand: „Buch veröffentlichen“. Und dann war es einfach geschehen. Kein Feuerwerk, kein Applaus, nur eine E-Mail flatterte bald darauf in mein Postfach mit den Worten „Herzlichen Glückwunsch! Ihr Buch 'INTO THE FAR: Vier Jahre im Land Rover durch Asien und Australien' ist jetzt online zum Kauf verfügbar.“

So lange habe ich an meinem Erstlingswerk gearbeitet, es immer und immer wieder umgeschrieben. Eine Ewigkeit saß ich dann an den Zeichnungen und dem Buchsatz, ganz zu schweigen vom Buchcover.

Dann endlich, nachdem ich das fertige Manuskript und die Coverdatei bei KDP hochgeladen hatte, war es fast zu plötzlich und mit nur einem Klick vorbei. Diesen besonderen Moment musste ich erstmal verdauen!

*** Ist das nicht krass?! Andere Menschen können ab sofort mein Buch kaufen! WOW! ***

Noch immer kann ich es kaum in Worte fassen, wie es sich anfühlt durch sein eigenes Buch zu blättern, zu sehen, dass auf dem Cover der eigene Name steht. Vor drei Jahren habe ich die ersten Worte auf dem Computer getippt… jetzt liegt es vor mir, ganze 500 Seiten schwer, und ist nicht mehr „nur“ unsere Geschichte, sondern eine zum Anfassen!  

Selfpublishing

Zu gerne hätte ich mein Buch bei einem großen namhaften Verlag untergebracht. Doch nachdem ich eine Absage von Malik erhalten habe, musste ich entscheiden wie ich meine Energie weiter einsetze. Sollte ich versuchen andere Verlage von meinem Manuskript zu überzeugen oder mein Buch in Eigenregie rausbringen? Nach ein paar halbherzigen Versuchen doch noch einen anderen Verlag zu finden, entschied ich mich aber für letzteres. Denn ich wollte meine Zeit nicht länger damit vergeuden monatelang auf eine positive Antwort zu hoffen, die am Ende vielleicht nicht kommt.

Also habe ich es selbst in die Hand genommen und INTO THE FAR letztendlich als KDP-Selfpublishing veröffentlicht. Nun wird es Zeit über meine Erfahrung zu berichten. Denn vielleicht werden sich einige von euch fragen, warum ich mich für Amazon entschieden habe.

Warum also KDP (Kindle Direct Publishing by Amazon)?

Vorweg sei gesagt, dass ich mit diesem Beitrag niemanden überzeugen möchte bei Amazon einzukaufen, sondern lediglich meine Beweggründe erklären und zwar aus Sicht einer Selfpublishing-Autorin (Ja, so darf ich mich jetzt nennen😉).

Preis bzw. Kosten

Schauen wir uns als erstes die Zahlen an und was mir Amazon pro Exemplar auszahlt: Beim E-Book entstehen weder Druck- noch Versandkosten. Deswegen gibt es mein Buch als Kindle Epub für nur 9,99 €. Davon bekomme ich 5,80 €, den Rest streicht sich Amazon für die Bereitstellung meines Buches auf seiner Verkaufsplattform ein.

Beim Paperback schaut es anders aus. Dort ist der Verkaufspreis: 22,99 €. Davon bekomme ich 6,14 € (vor Einkommenssteuer) an Tantiemen ausgezahlt. Im Verkaufspreis enthalten sind außerdem die deutsche USt (7%) von ca 1,50 €, sowie die Druckkosten von 6,75 €.

Die Differenz zwischen dem Verkaufspreis abzüglich der Druckkosten und USt (bleiben 14,74 €), und den Tantiemen, die Amazon mir pro Buch auszahlen will (nämlich 6,14 €), beträgt 8,60 €. Soviel verdient Amazon also an meinem Buch? Das klingt zunächst nach viel, doch schauen wir uns an, was passiert, wenn jemand auf „Bestellen“ klickt:

Druck, Lager und Logistik

Sofort wird mein Buch – und erst dann – in Druckauftrag gegeben. Für den deutschen Markt wird in Polen gedruckt. Bestellt jemand aus Kanada, geht der Druckauftrag an eine kanadische Druckerei. Ca. 2 Tage später liegt mein Buch bereits bei den Kunden im Briefkasten. Ich muss mich derweil um NICHTS kümmern.

Es wurden keine Auflagen gedruckt, die ggf. nicht verkauft werden und deshalb in meinem Keller vergammeln – praktisch, weil als Dauerreisende habe ich keinen. Es ist kein Lager notwendig, das zusätzliche Kosten verursacht. Und entdecke ich nachträglich einen Fehler in meinem Buch, kann ich diesen im KDP-Tool auch nach Veröffentlichung einfach ändern. Die nächste Bestellung wird diesen nicht mehr enthalten.

Außerdem, und absolut bequem für mich: Entscheidet sich jemand von seinem 14-tägigen Rückgaberecht Gebrauch zu machen, kann sie/er das Buch einfach zurückschicken. Auch das kümmert mich nicht, denn ich muss mich weder um die Abwicklung der Rückzahlung sorgen, noch um die Annahme der Rücksendung selbst inkl. fachgerechte Entsorgung der Verpackung.

Qualität

Die Qualität finde ich ausreichend gut. Der Innenteil ist ziemlich gelungen. Meine Zeichnungen kommen gut raus, die Typo auch. Und das Papier hat eine ausreichende Dicke, damit nicht zu viel von der Rückseite durchscheint.

Auch mit dem Buchcover bin ich an sich zufrieden, zumindest was die Farbigkeit angeht. Einzig einen stärkeren Kartonumschlag hätte ich mir gewünscht. Leider kann man sich das bei KDP nicht aussuchen, sondern lediglich zwischen Paperback und Hardcover wählen. Da ich den Preis möglichst gering halten wollte, habe ich auf das Hardcover verzichtet. Oder hätte jemand Interesse dran? Dann schreibt mir gerne eine persönliche Nachricht!

Wie setzt sich ein Buchpreis „normalerweise“ zusammen, wenn du ein verlegtes Buch im Laden kaufst?

Als Grundlage nehme ich dieses anschauliche Beispiel: https://www.mairisch.de/2023/10/09/wer-bekommt-was-vom-buch/. Dort wird ein Buchpreis von 24,- € angenommen und in seine Bestandteile aufgedröselt. Auch hier nimmt sich der Staat 7% Umsatzsteuer (=1,57 €). Großhandel, Lager und Vertrieb schlagen mit 3,44 € zu Buche. Und der nette Buchladen um die Ecke bekommt sogar das Meiste vom Kuchen, nämlich 7,85 €. Somit bleibt über die Hälfte des Buchpreises, also 12,86 €, alleine im Handelsprozess kleben.

Die Druckkosten werden dort mit 3,69 € aufgeführt. Das ist deutlich geringer, als meine 6,75 €. Doch wurde im Beispiel eine Auflage von 2000 Stück gedruckt, wofür ein Mengenrabatt bei der Druckerei eingeräumt wurde. Wäre in der Realität jedoch nur die Hälfte dieser Auflage verkauft worden, weil das Buch schlecht läuft – was durchaus passieren kann – steigen die Druckkosten pro verkauftes Buch auf das Doppelte an, weil die Kosten für nicht verkaufte Bücher fairerweise umgelegt werden müssten. Dieses Szenario wird im Beispiel aber der Einfachheit halber vernachlässigt.

Das Schreiben des Buches, sowie die Verlagsarbeit, Lektorat, Gestaltung und Werbung werden in unserem Beispiel mit insgesamt 7,45 € beziffert. Da ich das alles in Eigenleistung umgesetzt, bzw. für das Lektorat selbst bezahlt habe, sollte dieser Betrag nun mir selbst zustehen. Mein Buch ist ca. 1 € günstiger als in diesem Beispiel, ensprechend niedriger sind auch die Einnahmen, die bei mir hängen bleiben. Somit darf ich zufrieden sein mit meinem Anteil von 6,14 €, den ich über KDP für ein Buch erhalte.

Gibt es denn keine Alternativen zu Amazon?

Doch, natürlich. Hier habe ich einen Artikel gefunden, der einen netten Vergleich in Tabellenform zieht: https://susanneburzel.de/vergleich-selfpublishing-verlagsveroffentlichung/

Fakt ist, dass alle Print-on-Demand-Anbieter zwar ähnlich hohe Tantiemen für E-Books auszahlen, bei Print sieht es allerding anders aus. Während bei KDP 40-60% (nach Abzug von Ust und Druckkosten) bei mir hängen bleiben, wären es bei anderen Anbietern maximal 10-25%, weil sie entsprechende Rabatte für den Buchhandel bereithalten müssen und diese Marge natürlich von meiner Seite abziehen. So bleibt bei den Autoren quasi nur so viel vom Buch, wie sie auch von Verlagen bekommen würden – jedoch ohne Verlagsleistungen…

Deshalb: Auch wenn ich generell kein Fan von Amazon bin, bekommen dort Autoren das höchste Honorar für ihr Werk, in welches sie doch so viel Zeit und Herzblut investieren.

Aus dieser Perspektive wäre es für mich als verlagsunabhängige Autorin das Beste, wenn du mein Buch bei Amazon kaufst.

Da es mir aber prinzipiell nicht ums Geld geht, wird INTO THE FAR trotzdem bald zusätzlich auf anderen Verkaufsplattformen erscheinen. Dann kannst du mein Buch auch in jeder Buchhandlung bestellen. Denn natürlich verstehe ich, wenn jemand Amazon meidet. Allerdings verdient dann ein Buchladen mehr an meinem Buch, als ich. Doch die Entscheidung, wen du mit deinem Geld unterstützt, überlasse ich lieber dir.

Übrigens ist Amazon auch bei anderen Selfpublishing-Anbietern ein Vertriebskanal, den ich nicht abwählen kann, da er ca. 50% des gesamten Buch-Onlinehandels abdeckt. Deswegen wird die Parallelveröffentlichung etwas teurer. Es wäre doch zu tragisch, wenn Leute mein woanders veröffentlichtes Buch trotzdem bei Amazon kaufen. Dann nämlich streicht sich der Laden auch noch die Rabatte für Buchhandel ein…

Was verdiene ich nun genau an meinem Buch?

*** Gar nichts! Nada! Nix! ***

Bei meinen Tantiemen von 6,14 € (und ohne zu berücksichtigen, dass ich später Einkommenssteuer zahle) muss ich über 1000 Bücher verkaufen, um alleine die Lektoratskosten zu decken. Das ist ganz schön viel, und ich bin ehrlich gesagt auch noch ganz schön weit von diesem Meilenstein entfernt… Wenn also kein Wunder geschieht, wird es für eine seeehr lange Zeit genauso bleiben, dass ich mit meinem Buch nichts verdiene.

Kurzum: Ich habe INTO THE FAR nicht geschrieben, um damit reich zu werden. Ich wollte ein gutes Buch schreiben, das meine Geschichte erzählt. Und ich glaube das ist mir gelungen. Das legen jedenfalls die ersten Rezensionen nahe, so wie diese: https://matsch-und-piste.de/buchvorstellung-into-the-far-von-ellen-wilhelm/. Auch im aktuellen Off-Road Magazin ist eine ganz liebe Beschreibung erschienen (das gibt es an Kiosken zu kaufen).

Dass meine Arbeit womöglich niemals finanziell entschädigt werden wird, finde ich deshalb nicht allzu tragisch. Schön wäre es aber! Deswegen möchte ich dich herzlich dazu einladen mir zu helfen mein Buch bekannter zu machen.

Kauf es, lies es, verschenk es. Hinterlasse mir eine Bewertung. Empfehle es deinen Freunden, Verwandten, Bekannten und Arbeitskolleg*innen – oder zufälligen Passanten… das wäre sicher witzig!

Vielleicht darf ich so irgendwann diesen Abschnitt über meinen Verdienst an INTO THE FAR überarbeiten 😉